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Bilderklau im Netz und kein Ende

Eigentlich sollte inzwischen jeder wissen das im Internet die gleichen Regeln, wie im normalen Leben gelten. Dabei kann Copy & Paste schnell sehr teuer werden.

Urheberrechtsverletzungen lassen sich ziemlich einfach nachweisen. Daher hat der Geschädigte sehr gute Chancen auf eine entsprechende Entschädigung. Bei Privatpersonen kann man sicherlich noch ein Auge zudrücken, obwohl wir doch alle schon in der Kinderstube gelernt haben, dass man fragen muss, wenn man etwas haben möchte. Da reicht meinerseits in der Regel eine Mail das es doch schön wäre die Quelle zu verlinken und beim nächsten Mal einfach vorher anzufragen. Etwas völlig anderes ist es, wenn sich Profis auf dieses Niveau begeben. Da setzte ich schon voraus das man dort weiß, was man tut. Also einfach klauen!

Beispiel 1:

Bild 2: Quelle Archiv

Bild 2: Quelle Archiv

Bild 1: Paywall

Bild 1: Paywall

Besonders ärgerlich wird es dann, wenn mit dem geklauten Bild auch noch direkt Geld verdient werden soll. Zum Beispiel wenn ein Bild einen Artikel hinter einer Paywall (Bild 1) illustriert.

Spannend ist das im Artikel sogar eine Quelle angeben wurde. „Archiv“ ist dort zu lesen! Das World Wide Web als Archiv (Bild 2) hätte ich auch gerne, es ist aber nicht kostenlos zu haben.

Beispiel 2:

Bei einem Reiseanbieter meinte man alles richtig gemacht zu haben. Ein toller Blogpost über die trendigen Stadtteile der Republik ist schnell geschrieben. Das hat man auf dem letzten SEO-Workshop schließlich gelernt, bringt Traffic auf die eigene Seite. Für die Illustration braucht es natürlich auch noch schöne Bilder. Was tun? Nach Berlin, Hamburg, Hannover fahren und vor Ort recherchieren? Nein zu teuer, einfach mal das Netz nach passenden Bildern durchsuchen und in den eigenen Artikel einbauen. Selbstverständlich wird eine Quellenangabe (Bild 3) darunter gesetzt. Das gehört sich doch so!

Bild 3: Screenshot

Bild 3: Screenshot

Nur hat auch hier wieder niemand daran gedacht vorher nachzufragen. Sicherlich hätte man da auch für kleines Geld was machen können. Wir Lindener freuen uns doch das unser schöner Stadtteil auch in anderen Gegenden bekannt wird. Andererseits lebt auch der Lindener nicht nur von Luft und Liebe. Beim Kiosk an der Ecke anschreiben zu lassen funktioniert nicht auf Dauer.

Beispiel 3:

Bild 4: Artikelklau

Bild 4: Artikelklau

Jetzt wird es noch skurriler. Wenn ein direkter Mitbewerber nicht nur die eigenen Bilder, sondern gleich die ganzen Artikel abgreift, ist dass schon mehr als dreist. Dumm nur, dass ein Blog selbsttätig darauf hinweist. Keine 10 Minuten nach dem eigenen Blogpost kommt schon der Pingback als Kommentarbenachrichtigung. Bei der Ansicht stellt man dann fest, dass nicht nur die eigenen Bilder verwendet wurden, sondern diese auch noch vom eigenen Server abgerufen werden (das sogenannte Hotlinking). Dazu ist der gesamte Artikel kopiert (nicht nur der Anrisstext aus dem RSS-Feed). Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, wurden die ähnlichen Artikel (Bild 4) unter dem eigentlichen Text gleich mit kopiert, inklusive Verlinkung auf die Herkunftsseite.

Gegen das Hotlinking kann man ganz einfach vorgehen. Per .htaccess den Referer per Redirect auf ein anderes Bild umleiten (Bild 5) und schon sieht man auf der anderen Seite das die Bilder dort nicht hingehören. Wie man das macht, ist auf der Seite www.redirect301.de beschrieben.

Bild 5: Hotlinking

Bild 5: Hotlinking

Gegenmaßnahmen

Unstrittig in der Rechtsprechung ist, dass jedes Bild dem Urheber zuzuordnen ist. Daher hat man als Eigentümer immer die besten Chancen, einen entsprechenden Schadenersatz zu bekommen. Da ich keinen Anwalt in der Familie habe, wird nicht gleich eine Abmahnung geschrieben, sondern einfach eine Rechnung.

Dabei orientiere ich mich an die Empfehlungen der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM) was die Honorare angeht. Auszugsweise kann man diese Liste unter www.mediafon.net einsehen. Die komplette Liste kann vom Bundesverband der Pressebild-Agenturen und Bildarchive e.V. (BVPA) bezogen werden. Hilfreich ist auch die entsprechende Liste aus dem Nachbarland Österreich (PDF-Download).

Neben den eigentlichen Nutzungshonoraren kann man in der Rechnung auch gleich noch einen Aufschlag für die fehlende bzw. nicht eingeholte Urheberrechtsangabe geltend machen. Dies kann schon mal einen Aufschlag von 100% auf das Honorar bedeuten.

Bisher war der Rechnungsempfänger immer sehr einsichtig. Offensichtlich war sofort klar das die Forderung rechtens ist und eine anwaltliche Abmahnung oder gar ein Gerichtsverfahren wesentlich teuer wäre.

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