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Jugend- und Sozialdezernent Thomas Walter stellt vierten Sozialbericht vor

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Jugend- und Sozialdezernent Thomas Walter hat heute (6. Juni) den "Sozialbericht 2008" vorgestellt. Es ist der vierte Bericht seit 1993, mit dem die Stadt einen umfassenden Überblick über die soziale Situation der Menschen in Hannover gibt.

"Mit den im kontinuierlichen Rhythmus von fünf Jahren erscheinenden Sozialberichten ermöglichen wir die mittel- bis langfristige Beobachtung struktureller Entwicklungen – auf der Grundlage einer Analyse zeitnah erhobener Daten aus vielen Lebensbereichen", erläutert Walter die Zielsetzung der Berichterstattung.

Der Dezernent unterstreicht: "Unsere Sozialberichte sind mehr als reine ’Armutsberichte’. Wir schauen uns vielmehr die Lebenslagen unserer EinwohnerInnen mit allen in einander greifenden Facetten an. Die finanzielle Situation gehört ebenso dazu wie die Themen Arbeiten und Wohnen, Gesundheit und Bildung oder politische und gesellschaftliche Partizipation. Zusammen mit grundlegendem statistischen Material zur Bevölkerungs- und Haushaltsstruktur geben uns die Daten die Möglichkeit, immer wieder neue komplexe Zusammenhänge zu betrachten – wie ’schwierige finanzielle Situationen", ’prekäre Lebenslagen’ oder die Schwerpunktthemen des aktuellen Berichtes ’Familien in Hannover’ und ’Menschen mit Behinderung’."

Der Sozialbericht fußt auf Daten aus unterschiedlichen Quellen zum Beispiel des Landes Niedersachsen, der Region Hannover, der Arbeitsagentur sowie der städtischen Einwohnermeldestatistik, der Schulplanung und anderen. Sie werden von der Koordinationsstelle Sozialplanung im Jugend- und Sozialdezernat zusammengetragen und analysiert. Die Darstellung erfolgt jeweils auf Stadtteilebene. Der Bericht soll Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit als Information und Diskussionsgrundlage perspektivischer Planungen dienen.

"Schon hinter einzelnen Prozentzahlen des Berichtes können sich wichtige Anhaltspunkte für sozialpolitische Notwendigkeiten verbergen", macht Dezernent Walter anhand von Beispielen aus den wichtigsten Analyseergebnissen deutlich. (Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse ist als Anlage beigefügt).

"So hält der Bericht fest, dass inzwischen 54,7 Prozent der Haushalte in der Stadt so genannte ’Singlehaushalte’ sind. Bisher hatten wir eine Größenordnung von rund 51 Prozent. Hier wird eine Tendenz deutlich, die zu den prägendsten der Stadtentwicklung zählt und die statistisch die Lebenserfahrung vieler Menschen bestätigt: Die klassische Dreipersonen-Familie oder Familienverbünde mit drei Generationen im gleichen Haus gibt es seltener. Immer mehr Menschen leben allein, wechseln immer häufiger Beruf und Wohnung. Die Kehrseite gesellschaftlicher Dynamik und beruflicher Mobilität können Entfamilialisierung, Vereinzelung, Auflösung von Nachbarschaften und Zerfall sozialer Netzwerke sein. Zukunftsweisende sozialpolitische Aktivität muss deshalb darauf gerichtet sein, nachbarschaftliche Strukturen verstärkt zu fördern und Gemeinschaftserlebnisse in den Wohnquartieren dort anzuregen, wo sie sich nicht mehr von selbst ergeben."

Die Analyse stellt zu dem fest, dass 39,6 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Hannover einen Migrationshintergrund haben. Zudem hat sich der Anteil der über 60-jährigen mit Migrationshintergrund seit 1995 von 5,1 auf 11,1 Prozent verdoppelt. "Hier zeigen die Zahlen, dass Menschen mit Migrationshintergrund längst keine ’Randerscheinung’ mehr, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind", lautet das Fazit des Dezernenten, der darin Bestätigung und Aufforderung für weitere Aktivitäten in Bereichen wie Sprachförderung, Elternbildung, Jugendarbeit sowie offene Seniorenarbeit  oder Alten- und Pflegeeinrichtungen sieht.

Auch in einem umfassenden Bericht zur sozialen Situation spielt die Frage nach der "Armut" der Bevölkerung eine besondere Rolle. Um die so genannte Einkommensarmut definierbar und damit die Zahlen vergleichbar zu machen, stützt man sich in Hannover auf das hier verfügbare Material über "bekämpfte Armut". Demnach leben die Menschen in Armut, die aufgrund von Arbeitslosigkeit, Erwerbsunfähigkeit, Lebenssituation oder Alter so genannte "Transferleistungen zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes" bekommen, also Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Hilfe zum Lebensunterhalt oder Grundsicherung.
"Wenn in Hannover Ende 2006 15,5 Prozent der Bevölkerung Transferleistungen erhalten haben, heißt das: Jede sechste Einzelperson musste mit Einkommensarmut und all ihren Folgen zu recht kommen. Bei den Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahren war es sogar jede vierte (28,4 Prozent). Anders formuliert: Fast ein Viertel (23,4 Prozent) aller Familienhaushalte, in denen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben, ist auf staatliche Unterstützung lebensnotwendig angewiesen, bei den allein erziehenden Eltern sind es sogar fast die Hälfte (47,2 Prozent).

Das Schwerpunktthema des aktuellen Berichtes beleuchtet die in Zahlen erfassbare Situation von "Menschen mit Behinderung". "Die Forderung nach einer ’behindertengerechten’ Stadt ist keinesfalls ein Randgruppenthema", stellt Walter fest. Zu den etwa zehn Prozent der Bevölkerung, deren Behinderung einen Grad von 50 Prozent und mehr beträgt und die damit als schwer behindert gelten, kommen diejenigen hinzu, die von Statistiken für Rehabilitation und Teilhabe nicht erfasst werden, weil ihr anerkannter Grad der Behinderung geringer als 50 Prozent ist oder sie die Anerkennung selbst nicht beantragen. "Betrachtet man dann auch noch die nur zeitweise oder vorübergehend in ihrer Bewegung eingeschränkten Menschen – von Müttern mit Kinderwagen über Kleinkinder bis zu Menschen mit Sportverletzungen – oder die steigende Zahl älterer Menschen mit Mobilitäts- und Sinneneinschränkungen, so ergibt sich: Eine möglichst barrierefreie Umgebung steigert Aufenthaltsqualität und Lebenschancen für einen Großteil unserer Bevölkerung und fördert massiv das gesellschaftliche Miteinander der Stadtbevölkerung", so Walter.

Ansprechpartnerin für den Sozialbericht ist Elke Sauermann, Koordinationsstelle Sozialplanung, Telefon 168-46459.

pdf Die wichtigsten Analyseergebnisse (pdf)

Die Gesamtversion des Sozialberichts 2008 (137 Seiten plus Tabellenanhang) steht als pdf im Internet unter www.sozialbericht-hannover.de zur Verfügung.

PM: Presseserver Hannover

 

Kategorie: Politik

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