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600 zu fällende Bäume für die Ortsumgehung (B3neu)

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BUND Naturschützer finden jede Menge Höhlenbäume mit potentiellen Fledermausquartieren – Weitere Untersuchungen sind nötig!

Wie vom Landesamt für Straßenbau angekündigt, wurden 600 Bäume, die für den Neubau der B3 gefällt werden, angeblich fachkundig durch ein Gutachterbüro untersucht, um zu vermeiden, dass im Winter Bäume mit besetzen Fledermausquartieren gefällt werden. Dies schreibt das Naturschutzgesetz vor, wenn bei Baumfällungen für den Straßenbau, Fledermäuse in Gefahr sind, die zu den streng geschützten und vom Aussterben bedrohten Arten gehören. Es seien aber nur ganz wenige Fledermaushöhlen gefunden und vorsorglich verschlossen worden, damit diese nicht wieder von Fledermäusen besetzt werden könnten. Jetzt darf also gefällt werden??

Baumprüfung (Foto 1)

Baumprüfung (Foto 1)

BUND Experten wissen, dass baumbewohnende Fledermausarten bei relativ milde Witterung auch im Herbst noch aktiv auf der Suche nach geeigneten Winterschlafplätzen sind. Dass die Höhlenbaum-Untersuchungen so schnell und einfach bewerkstelligt wurden und zudem nur 4 bis 6 Höhlen insgesamt gefunden wurden, hat die BUND Arbeitsgruppe Fledermäuse mehr als skeptisch gemacht: Dr. Renate Keil, Leiterin des BUND Fledermauszentrums Hannover weiß aus bitterer Erfahrung: „Wir sind in der Vergangenheit schon Zeuge von Hunderten toter und schwer verletzter Tiere geworden, die Opfer von unachtsamen Baumfällungen wurden und die Dunkelziffern sind sicherlich noch viel höher."

BUND Teamleiter Armin Steiner hat darauf hin kurz entschlossen zehn ehrenamtliche BUND Aktivisten dafür gewonnen, am letzten Sonntag einen Teil der 600 Bäume noch einmal genauer anzuschauen. (Foto 1) In zwei Gruppen begutachteten sie trotz des schlechten Wetters systematisch zur Fällung markierte Bäume beiderseits der Frankfurter Allee (B3) zwischen Landwehrkreisel und Ortseingang Hemmingen auf Fledermaushöhlen hin und wurden fündig. Dabei suchten sie zunächst den Baumstamm jedes Baumes und alle dickeren Äste von allen Seiten mit einem Fernglas auf Höhlen und Risse ab.

Hier wohnen Fledermäuse (Foto 2)

Hier wohnen
Fledermäuse (Foto 2)

Eine BUND Expertin und Biologin S. Becker konnte eine Stammfußhöhle (Foto 2) mit einem speziellen Licht-Endoskop nur teilweise untersuchen, weil die Höhle sich durch den ganzen Baum zog: Aber Fledermaus-Urin und Kot sind Indiz, dass hier garantiert Fledermäuse waren oder noch sind. Diese Höhle wurde durch das Gutachterbüro aus Braunschweig aber nicht verschlossen. Auch an einem anderen Baum waren eindeutige Urinspuren unterhalb eines Lochs zu sehen.

BUND Teamleiter Armin Steiner fasst zusammen: „Wir haben mit 10 Personen in nur 3 bis 4 Stunden bereits 27 Bäume identifiziert, die auf Fledermausquartiere in vier bis zehn Metern Höhe hindeuten. Viele Höhleneingänge liegen höher als 4 Meter und sind mit einer einfachen Leiter nicht zu erreichen, um in sie mit einem Endoskop auf den Besatz von Fledermäusen zu kontrollieren. Es scheint so, als ob viele Höhlen deshalb gar nicht untersucht worden sind. Dafür ist dann der Einsatz mit einem Hubsteiger erforderlich. So etwas können wir uns vom BUND finanziell nicht leisten, aber wir können mit dieser Aktion zeigen, dass es hier noch einen ganz erheblichen Nachbesserungsbedarf gibt!"

Zwei Höhlen (Foto 3)

Zwei Höhlen (Foto 3)

BUND Fledermausaktivistin Sandra Kluck ergänzt: „Besonders entsetzt hat uns, dass bei einem Baum eine Höhle in Reichweite zwar verschlossen wurde, aber die darüber liegende Höhle in ca. 7 Meter Höhe unverschlossen geblieben ist. Das ist ein regelrechter Freibrief zum Fällen eines Baumes ohne Rücksicht auf Verluste! Es müssen alle Höhlen nach der Begutachtung sofort und sorgsam verschlossen werden!" (Foto 3)

Die BUND Arbeitsgruppe kritisiert, dass für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag eine autobahnähnliche Ortsumgehung gebaut wird und hierbei ganz offensichtlich mit heißer Nadel die naturschutzfachliche Untersuchung zu Fledermäusen durchgeführt wurde. Es sei das mindeste, dass die Höhlenbäume kompetent und auch mit dem richtigen Gerät untersucht werden, um die Fledermäuse hier zu schützen.

„Der BUND wird sich deshalb sowohl an die Planungsbehörde, das Nds. Landesamt für Straßenbau, die Untere Naturschutzbehörde sowie die Fachbehörde des Landes mit der dringenden Aufforderung wenden, dass hier umgehend noch weitere Untersuchungen und Maßnahmen erforderlich sind. Da wir mit 10 Personen nur einen kleinen Teil der zu fällenden Bäume anschauen konnten, wird dies seine Zeit brauchen. Selbst wenn viele der potentiellen Fledermaushöhlen nur Sommerquartiere sein sollten, ist gemäß dem Naturschutzgesetz Ersatz zu schaffen. Wo allerdings dann Ersatzquartiere geschaffen werden sollen, ist dem BUND völlig schleierhaft, denn hier wird ein komplettes Wäldchen – ein ganzer Lebensraum – vernichtet. Es ist schon frappierend, wie breit die Schneise der zur Fällung markierten Bäume ist, was sicher auch an dem geplanten autobahnähnlichen Ausbau liegt. Das wird neben den Aspekten des Naturschutzes auch das Ortsbild nahhaltig zum Negativen verändern", kritisiert Armin Steiner abschließend.

www.bund-hannover.de

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