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Tanzkongress 2016: Eröffnung und Tanzprogramm stehen fest

Tanzkongress 2016Der Tanzkongress, seit 2010 ein kultureller Leuchtturm der Kulturstiftung des Bundes, findet in seiner mittlerweile vierten Ausgabe vom 16. bis 19. Juni 2016 in Hannover statt. Er hat sich als eines der wichtigsten internationalen Foren für die Diskussion und Präsentation von Tanz, Choreografie und Bewegung etabliert. Im Mittelpunkt dieses Kongresses steht die Beschäftigung mit dem Phänomen der Zeitgenossenschaft. Seit dem frühen 20. Jahrhundert ist sie in der künstlerischen und theoretischen Praxis als Aufforderung verstanden, sich mit den Bedingungen und Umbrüchen der Gegenwart auseinander zu setzen.

Der Tanzkongress 2016 eröffnet mit einem speziell für Hannover entwickelten, dreiteiligen Programm, in dem sich Kongressteilnehmer*innen, Zuschauer*innen und Künstler*innen außerhalb konventioneller Bühnensituationen begegnen können. Dabei verbindet der renommierte französische Choreograf und Leiter des Musée de la danse, Boris Charmatz, das Kongressthema der Zeitgenossenschaft auf bewegte und spielerische Weise mit zeitlosen und tanzhistorischen Aspekten.
Zum Auftakt laden Charmatz und seine Tänzer*innen zum öffentlichen Warm-up auf den Opernplatz. In ‚20 Dancers for the XX Century’ verwandeln 20 Tänzer*innen Hannovers Staatsoper in ein weitläufiges Tanzmuseum, in dem prägende Tanzstile der Pionier*innen der Moderne und Postmoderne, des zeitgenössischen Tanzes und Balletts bis hin zu urban dance gezeigt werden. In ‚manger (dipersed)’ widmet sich Charmatz’ 13-köpfiges Ensemble dem alltäglichen und körperlichen Vorgang des Essens, wobei auch hier die Trennung von Bühne und Zuschauerraum aufgehoben wird.

Fragen des Zeitgenössischen werden auch in dem internationalen Tanzprogramm verhandelt, das zusammen mit dem Niedersächsischen Staatstheater und der Landeshauptstadt Hannover, Gastgeber des Tanzkongress 2016, und weiteren Partnern*innen vor Ort entwickelt wurde. Im Schauspiel Hannover untersucht der französische Choreograf Rachid Ouramdane in ‚Tenir le temps‘ die Fähigkeit des Menschen, sich an unkontrollierbare Dynamiken anzupassen und aus der eigenen Machtlosigkeit individuelle und kollektive Kräfte zu entwickeln. Ursache und Wirkung sind in dieser großen, komplexen Gruppenchoreografie nicht mehr zu unterscheiden. Guilherme Botelho, Direktor der bekanntesten Schweizer Tanzcompagnie Alias, kreiert mit ‚Antes’ in der Orangerie Herrenhausen einen tänzerischen Science Fiction über den Beginn der Menschwerdung. Die 12 Tänzer*innen erscheinen wie pures organisches Leben: vorzivilisatorisch, sinnlich, isoliert voneinander und in ihrem wilden Wachstum doch einander ähnlich.
Maura Morales‘ ‚Stadt der Blinden’ im Theater in der Eisfabrik basiert auf dem gleichnamigen Roman von José Saramago. Die Entmenschlichung der Erblindeten und ihre apokalyptischen Lebensumstände überführt die kubanische Choreografin in eine eindrückliche Studie über Auflösung und Zerfall von Bewegung.

Was die über 60 Tanzcompagnien der Stadt- und Staatstheater in Deutschland produzieren, ergibt Saison für Saison ein überaus abwechslungsreiches und spannendes Spektrum. Jede Aufführung zeugt von der Zeitgenossenschaft einer Kunst, die sich ästhetisch immer wieder neu erfindet, selbst da, wo sie Tradition zitiert. ‚Update’ in der Staatsoper Hannover präsentiert Ausschnitte aus aktuellen Produktionen von Tanzensembles aus der ganzen Republik: ein Programm, exklusiv für den Tanzkongress 2016 zusammengestellt.

Der Tanzkongress 2016 in Hannover legt – wie schon bei seinen anderen Stationen zuvor – großen Wert darauf, auch mit künstlerischen Akteur*innen aus der jeweiligen Region in Dialog zu treten.
Das Ballett der Staatsoper tanzt einen Klassiker der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur: Für ‚Der Besuch’ ließ sich Ballettdirektor Jörg Mannes von Friedrich Dürrenmatts berühmter Tragikomödie ‚Der Besuch der alten Dame’ inspirieren.
Der Choreograf Felix Landerer lässt in ‚Revolte!’ seine sieben Tänzer*innen ein brisantes und höchst aktuelles Thema ausloten: Ist Revolution heute noch möglich? Landerer schickt sein Ensemble auf eine Erkundungstour durch äußere und innere Widerstände und eröffnet dabei verblüffende Auswege.
Im KinderTheaterHaus erarbeiten der Choreograf Martin Nachbar und die Dramaturgin Gabi dan Droste ein Tanzstück für Kinder zum Thema ‚Geschwister’. Dabei untersuchen sie, wie sich im Wechselspiel von geschwisterlicher Nähe und Konkurrenz, Schutz und Distanz, Kooperation und Kampf eigene Identitäten bilden, und kreieren eine eigene künstlerische Handschrift für Kinder.

Mit ‚Körper und Bühnen‘ richtet der Kunstverein Hannover einen assoziativen Blick auf die Schnittstelle von Performance, Tanz und Bildender Kunst. Das internationale Ausstellungsprojekt – mit einem Performanceprogramm während des Kongresses – erforscht die unterschiedlichen Arten, wie sich Menschen ihrem Gegenüber präsentieren und hinterfragt die Posen des Alltäglichen und der künstlerischen (Selbst-)Inszenierung. Der Vorverkauf für die Veranstaltungen des Tanzprogramms in Hannover beginnt am 14. März 2016.

Ab dem 12. April und bis zum 19. Mai 2016 ist die persönliche Anmeldung zum Tanzkongress 2016 unter www.tanzkongress.de möglich.

Der Tanzkongress 2016 ist eine Veranstaltung der Kulturstiftung des Bundes in Kooperation mit dem Niedersächsischen Staatstheater Hannover und der Landeshauptstadt Hannover.

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