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Einmal und nie wieder

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Bodo Dringenberg liest aus spannenden Kapiteln der Erinnerungen von Theodor Lessing

Stadtarchiv Hannover Lesesaal
Mittwoch. September 2008 19 Uhr

Im Jahr 1935 erschien das Erinnerungsbuch "Einmal und nie wieder" von Theodor Lessing. Das Werk des streitbaren und genialen Mannes aus Hannover erschien in Prag, zwei Jahre nach Lessings Ermordung in Marienbad; herausgegeben von seiner Witwe Ada Lessing als erster Band der "Gesammelten Schriften". Sie berichtete, dass ihr Mann für seine Selbstbiographie drei Bände geplant hatte (Junge Jahre, Leidens- und Kampfzeit, Jahre des Schaffens). "Doch nur dieses erste Buch ist fertig geworden und reicht bis zum dreiundzwanzigsten Lebensjahr."

Theodor Lessing, am 8. Februar 1872 im Eckhaus Georg- / Andreaestraße in Hannover geboren, war der Sohn eines assimilierten jüdischen Ehepaares aus dem gehobenen Bürgertum. Seine Lebenserinnerungen zeigen eine an Qualen nicht arme Jugendgeschichte, die aber auch, wo die Verhältnisse in der Provinzhauptstadt plastisch werden, komische Akzente erhält. Besonders die Schulzeit erlebte Theodor als unglücklichen Lebensabschnitt, er war ein mäßiger Schüler und konnte nur mit Schwierigkeiten sein Abitur ablegen.

Hans Mayer schreibt 1969 in seinem Vorwort zu einer Neuausgabe von "Einmal und nie wieder": Dieser "scheinbare Sonderling, hat gleichzeitig eine typische Lebensgeschichte gehabt. (…) Seine Jugendgeschichte aber ist bewegend und informierend, Zeitdokument zugleich und gestaltete Literatur."

Lessing habilitierte nach seinem Studium und wurde Privatdozent für Philosophie an der Technischen Hochschule Hannover. In Hannover- Linden baute er ab 1919 die dortige Volkshochschule mit seiner zweiten Frau Ada Lessing auf. Als Schriftsteller publizierte er philosophische, politische, auch tagespolitische und kulturkritische Arbeiten. Über den Kandidaten für das Amt des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg schrieb er 1925 im Wahlkampf:
"Nach Plato sollen die Philosophen Führer des Volkes sein. Ein Philosoph würde mit Hindenburg nun eben nicht den Thronstuhl besteigen. Nur ein repräsentatives Symbol, ein Fragezeichen, ein Zero. Man kann sagen: ‚Besser ein Zero als ein Nero‘. Leider zeigt die Geschichte, daß hinter einem Zero immer ein künftiger Nero verborgen steht."

Der Hindenburg-Artikel brachte ihm die hasserfüllte Gegnerschaft rechter Kreise ein. Studenten störten mit antisemitischen Parolen seine Vorlesungen, riefen zu deren Boykott auf und forderten seine Entfernung von der Universität; nur wenige Professorenkollegen traten den Studenten entgegen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten flüchtete er mit seiner Frau Ada in die Tschechoslowakei und ließ sich dort in Marienbad nieder. Dort starb er nach dem Attentat von Nationalsozialisten am 31. August 1933.

Der ASTA der Universität Hannover beantragte im November 2005 die Umbenennung der Universität in "Theodor Lessing Universität", fast zwei Drittel der Studierenden stimmten jedoch dagegen. Dafür erhielt am 7. September 2006 die Volkshochschule Hannover in Rahmen der feierlichen Semestereröffnung den Namen "Adaund- Theodor-Lessing-Volkshochschule Hannover".

Im Stadtarchiv wird der Nachlass von Theodor Lessing bewahrt und gepflegt.Stadtarchiv Hannover
Am Bokemahle 14-16
30171 Hannover
Tel 0511/168-42173
Fax 0511/168-46590
www.stadtarchiv-hannover.de 

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