Region
Schreibe einen Kommentar

Weißstörche in der Region Hannover im Jahr 2008

Hinweis

Dieser Artikel wurde vor mehr als 2 Jahren veröffentlicht. Daher kann es sein, dass sein Inhalt oder ein Teil davon nicht mehr aktuell ist.

Erfreuliche Bilanz: Deutlicher Zuwachs an Brutpaaren

Hannover – Im Jahr 2008 nisteten in der Region Hannover so viele Weißstörche wie seit den 1960er Jahren nicht mehr. Zu diesem Ergebnis kommt der Jahresbericht des Naturschutzbeauftragten für die Weißstorchbetreuung in der Region Hannover, Dr. Reinhard Löhmer. „Damit spiegelt sich in der Region Hannover der weltweit positive Trend des Storchenbestands wider“, sagt der Naturschutzbeauftragte.

27 Brutpaare wurden in diesem Frühjahr gezählt – und damit sechs Paare mehr als 2007. „Die gestiegene Anzahl der brutwilligen Störche zeigt, dass sich der Bestand erholt hat und für die nächsten Jahre gesichert erscheint“, so Löhmer. Für weiteres Wachstum der Population fehle in der Region Hannover jedoch geeigneter Lebensraum. „Es mangelt an feuchtem Grünland in extensiver Nutzung und in strukturreicher Landschaft.“

Trotz des Zuwachses an Brutpaaren blieb das Brutergebnis unter den Erwartungen. Einen Grund für den spärlichen Nachwuchs sieht Löhmer in der außergewöhnlichen Trockenheit in den Monaten Mai und Juni. „Viele Jungen sind umgekommen, weil die Nahrungsmengen nicht gereicht haben.“ So gab es vor allem zu wenige Regenwürmer, die für die Aufzucht der Jungtiere eine wichtige Rolle spielen.

Ab Mitte August setzen sich die Jungstörche in ihr Winterquartier im Süden ab. Der Naturschutzbeauftragte blickt zuversichtlich in die Zukunft. „Wir können davon ausgehen, dass auch 2009 die Nester in der Region Hannover wieder besetzt werden.“


Jahresbericht des Naturschutzbeauftragten für die Weißstorchbetreuung in der Region Hannover
Weißstörche in der Region Hannover im Jahre 2008

1. Vorbemerkung
Die meisten Jungstörche haben die Nester verlassen und machen sich zur Zeit mit Unterstützung ihrer Eltern fit für den Flug in die Winterquartiere. Auf den Gebieten der Nahrungssuche oder des Fliegens müssen sie jetzt angeborene Fähigkeiten durch viel Üben vervollständigen. Die Brutsaison 2008 kann jetzt abschließend bewertet werden.

2. Rückkehr der Störche und die Horstbesetzung in der Region Hannover
Überwinterung
Wie in den Vorjahren haben das Brutpaar in Bokeloh und die Störchin in Blumenau vor Ort überwintert. Das Paar in Idensen ist erstmals auch nicht gezogen. Damit gab es fünf Überwinterer in der Region – die Zahl ist ansteigend.

Westziehende Störche
Die Mehrzahl der „Westzieher“ zieht heute nicht mehr über Gibraltar hinaus, sondern überwintert in Südspanien oder schon im südfranzösischen Raum. Diese Störche kommen wegen der geringeren Distanz Winterquartier – Brutort früher zurück. Sie sind ab Mitte Februar bei uns eingetroffen.

Bis Mitte März waren bereits sechs Nester mit Paaren besetzt: in Alt-Laatzen, Schloß Ricklingen, Luthe, Bordenau, Wulfelade und Helstorf. Auf sechs weiteren Horsten warteten Einzelvögel auf Partner.

Ostziehende Störche
Die Rückkehr der „Ostzieher“, deren Zugweg über den Bosporus und den Vorderen Orient ins östliche Afrika führt, erfolgte in diesem Jahr ungewöhnlich früh, das heißt, schon ab Ende März.

Bis Mitte April waren in der Region in etwa die Nester wie im Vorjahr besetzt.

Überraschend und unerwartet kam es Ende April/Anfang Mai zu einem weiteren Einflug von offenbar überwiegend jüngeren Störchen. Einige von ihnen besetzten Nester, ohne zu brüten (in Niedernstöcken und Isernhagen KB).

Andere unternahmen noch Brutversuche (in Brase, Burgdorf und Obershagen). Weitere Störche hielten sich als Nichtbrüter ohne Nestbindung den Sommer über im Gebiet auf (Trupps von bis zu zwölf Störchen).

Es kam zu Neugründungen (in Niedernstöcken und Dedenhausen), oder verwaiste Nisthilfen wurden nach langer Zeit erstmals wieder besetzt (in Brase, Stelingen, Isernhagen KB und Obershagen).

Insgesamt sind in der Region Hannover in diesem Jahr 27 Brutpaare zu verzeichnen – sechs mehr als 2007. So viele besetzte Nester hat es hier letztmals in den 1960er Jahren gegeben!

3. Brutverlauf
Die Überwinterer und die früh heimkehrenden Westzieher haben teilweise schon in der letzten Märzdekade mit der Brut begonnen. Einige wurden dann vom Kälteeinbruch über Ostern „überrascht“, so dass sie auf verschneiten Nestern brüten mussten. Es ist nicht auszuschließen, dass zum Beispiel der fehlende Bruterfolg in Idensen oder der geringe Erfolg in Bokeloh (ein Jungstorch) auf diesen Kälteeinbruch zurückzuführen war.

Am spätesten haben die Dedenhausener Störche mit der Brut begonnen (Mitte Mai).

Trockenheit und Nahrungsmangel
Im vergangenen Jahr hatten zwei Schlechtwetterereignisse Anfang und Ende Mai mit Stark-/Dauerregen und Temperaturen unter 10° Celsius den Bruterfolg geschmälert. In diesem Jahr passte die Trockenheit im Mai bis in den Juni hinein nicht zur Jungenaufzucht. Ohne Niederschläge fehlt der Regenwurm, der in der Ernährung gerade auch der frisch geschlüpften Jungen eine wichtige Rolle spielt.

Dieser Mangel konnte nicht durch Groß-Insekten kompensiert werden, da diese im Mai noch nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Die Feldmauspopulation war im nassen Winter stark dezimiert worden und hatte sich im Mai ebenfalls noch nicht erholt.

Wenn aber Nahrung knapp ist, bekommen im Nest die älteren, stärkeren Geschwister den Löwenanteil vom wenigen Futter. Die Jüngeren kümmern, werden abgeworfen oder auch von den Eltern aufgefressen (Kronismus).

Überall, wo es erfolglose Brutversuche gegeben hat, wie in Burgdorf, Schulenburg, Bordenau, Hänigsen oder Obershagen, oder wo nur ein Jungstorch (acht Nester) bzw. zwei Junge überlebt haben (vier Nester), ist davon auszugehen, dass zwei und mehr Geschwister an Unterernährung umgekommen sind.

Störche legen in aller Regel um die vier Eier, aus denen auch alle Jungen schlüpfen. Wie viele von ihnen letztlich ausfliegen, entscheiden drei Faktoren: die Witterung und das Nahrungsangebot der Saison, aber auch die biologische Fitness der Eltern.

4. Brutergebnis
Das Brutergebnis 2008 sieht für die Region Hannover folgendermaßen aus:
27 Horstpaare (2007 = 21), von denen neun (33,3%) ohne Nachwuchs geblieben sind. 18 Brutpaare haben nach derzeitigem Stand 34 Junge aufgezogen (2007 = 38).

PM: Region Hannover

Kategorie: Region

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.