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Am Maschseefest scheiden sich die Geister

Abendstimmung an der Löwenbastion

Abendstimmung an der Löwenbastion

Das Maschseefest Hannover, Deutschlands größtes Seefest mit Besucherrekord und trotzdem sind viele Hannoveraner nicht zufrieden mit dem Fest. Das hat viele Gründe. Immer größere Aufbauten verschlingen viel Geld und müssen entsprechend refinanziert werden. Die Preise am Maschsee waren daher wieder in neue astronomische Höhen geklettert. Für ein leckeres Essen einen angemessenen Preis zu zahlen ist völlig in Ordnung, aber eine Flasche Bier für 3,50 € oder eine Flasche Bio-Brause für 4,- € sind schon Nahe an einer Frechheit.
Das es auch anders gehen kann hat das Fest der Kulturen am Wochenende gezeigt. Viele kleine Stände mit exotischen Speisen zu meist moderaten Preisen. Darunter auch professionelle Anbieter wie der Food-Truck von Eddielicious. Schon lange nicht mehr so lecker auf einem Fest gegessen. Am Nachbarstand noch eine Flasche Wasser für 1,- € auf den Weg mitgenommen. Da fragt man sich dann schon, warum das Maschseefest mit immer neuen Preisrekorden glänzen muss.

Musik an der Löwenbastion beim Maschseefest 2018

Musik an der Löwenbastion

Auch beim Programm ist nicht alles Gold, was glänzt. Coverbands überall. Allein vier AC/DC Coverbands zeugen nicht gerade von viel Kreativität bei der Musikauswahl. Alternative Musik Fehlanzeige. Kommt mal mit Diana Babalola eine lokale Künstlerin zum Zug, dann besteht auch hier der Großteil des Programms aus Covertiteln. Völlig unnötig, denn als dann die eigenen Songs der Band kamen waren die viel besser. Kontraproduktiv ist auch die räumliche Enge am Nordufer. Der Platz vor der Hauptbühne ist einfach viel zu klein für große Stars, die viele Zuschauer anziehen.
Als Familienausflug ist das Fest inzwischen auch nicht mehr die beste Wahl. Das Kinderprogramm ist zum großen Teil auf Nebenschauplätze ausgelagert. Entlang der Promenade an Nordufer und Rudolf-von-Bennigsen-Ufer ist wenig Raum für Kinderaktivitäten vorgesehen.

Aber genug mit der Kritik am Maschseefest. Was könnte man besser machen?

Zunächst sollte man sich bei Stadt und Veranstalter fragen, ob Hannover und die Hannoveraner ein riesiges Fest haben will, das Touristen von überallher anzieht oder lieber ein Konzept, das den Maschsee den ganzen Sommer für die Bewohner der Stadt erschließt. Genau da liegt nämlich der Knackpunkt. Drei Wochen Mega-Party stehen vielen Wochen mehr oder weniger verwaistem Seeufer gegenüber. Dazu noch die Auf- und Abbauphase, wo wie in diesem Jahr bei allerbestem Sommerwetter das halbe Seeufer für zwei Wochen zur Riesenbaustelle wird. Das ist nicht wirklich im Sinne der Anwohner und Besucher aus der Stadt.

Was spricht dagegen den Sommer über das Seeufer mit kleinen gastronomischen Angeboten zu nutzen? Ein Food-Truck und ein Getränkewagen dazu 20 Tische und schon ist ein netter Anlaufpunkt am See geschaffen. Am Wochenende hier und da ein Akustik-Konzert oder ein Kleinkunstangebot wie beim Kleinen Fest im großen Garten und der See gewinnt deutlich an Aufenthaltsqualität. Für größere Konzerte bieten sich Löwenbastion und Maschseequelle an. Abseits von Wohnbebauung werden dort kaum Anwohner gestört. Vielleicht könnte sich die Stadt noch dazu durchringen an den wichtigsten Stellen dauerhaft sanitäre Anlagen zu bauen.

Bühne beim Hafensommer in Würzburg

Bühne beim Hafensommer in Würzburg

Wenn es dann wirklich noch ein großes Fest sein muss, könnte man das auf eine Woche beschränken und auf das Nordufer und Umgebung beschränken. Dazu eine große Bühne in den See bauen, wie man es von vielen anderen Orten kennt und das ganze Nordufer steht für Zuschauer zur Verfügung. Dann könnte man auch mal richtig zugkräftige Musiker einladen.
Neben den Konzerten gibt es auch viele andere Möglichkeiten den See zu nutzen, ohne störenden Lärm für die Anwohner zu produzieren. In den Anfangsjahren des Festes gab es zum Beispiel ein Open-Air-Kino im Strandbad. Unter der Woche auf der großen Seebühne ein Erlebnis ohne das die Nachbarn auf die Barrikaden gehen. Das Open-Air-Kino zieht zeigt das Seh-Fest im Sportpark seit Jahren. Oder die Lasershow zum glaube ich 750. Stadtgeburtstag. Ein Event, das seinerzeit viele Besucher anlockte.

Stellt sich jetzt die Frage weiter so oder doch lieber ein Konzept für den ganzen Sommer schaffen. Der Besucheransturm gibt eigentlich den Veranstaltern recht, aber immer höher, schneller, weiter ist auf Dauer gegen die Mitbewerber aus Hamburg, Bremen und so weiter sicherlich kaum durchzuhalten.

Achim Brandau

Bildquellen

  • Abendstimmung am Maschseefest: www.hannover-entdecken.de
  • Musik an der Löwenbastion: www.hannover-entdecken.de
  • Bühne beim Hafensommer in Würzburg: www.hannover-entdecken.de