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Kraftwerk im „Ausnahmezustand“

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Große Revision macht Gemeinschaftskraftwerk Hannover fit für die Zukunft

Nach fast 20 Jahren Betriebszeit läuft im Gemeinschaftskraftwerk Hannover (GKH) zurzeit die zweite Große Revision. Solche Großen Revisionen in Kohlekraftwerken sind alle 80.000 Betriebsstunden fällig. Diese in Block 1 vorgenommene Grundüberholung hat die Ausmaße einer Großbaustelle und macht sich durch allgegenwärtige Montagearbeiten im Kesselhaus, dem Maschinenhaus und anderen Teilen des Stöckener Kraftwerks bemerkbar. Im Gegensatz zu den routinemäßigen jährlichen Kleinen Revisionen herrscht dort nun eine Art „Ausnahmezustand“.

Zentrale Bestandteile wie die dreistufige Dampfturbine, der 80 Meter hohe Kessel, die Kohlemühlen, die gesamte Rauchgasreinigung sowie weitere große Anlagenteile werden komplett geöffnet, teils demontiert und einer gründlichen Wartung und Erneuerung unterzogen. Die komplette Leittechnik wird überprüft, dem Stand der Technik angepasst und in diesem Zuge auch die Turbinensteuerung und Regelung komplett erneuert. „Die Versorgung ist dabei durchgängig gesichert, denn parallel läuft der Block 2 des Kraftwerks auf Volllast weiter und sichert die Strom- und Wärmeversorgung Hannovers sowie der angrenzenden Industriebetriebe VW Nutzfahrzeuge und Continental“, betont Christoph Kollenda, Leiter der Hauptabteilung Produktion bei der Stadtwerke Hannover AG. 

Die meisten Arbeiten können vor Ort wahrgenommen werden. Zeitweise sind daher zusätzlich rund 300 Mitarbeitende von Fremdfirmen in Stöcken beschäftigt. „Neben großen Kraftwerksbauunternehmen sind auch viele regional ansässige Unternehmen eingebunden. Unsere rund 130 Köpfe zählende enercity-Belegschaft ist voll in das Vorhaben eingespannt – von den Ingenieuren, über die gesamte „Mannschaft“, bis hin zur vier Mal so stark frequentierten Kantine. "Die Ingenieure haben diesen intensiven Kraftwerks-Check bereits vor zweieinhalb Jahren begonnen zu planen“, so Kraftwerksleiter Heiner Kemnitz.

In der Maschinenhalle ist die dreistufige Dampfturbine und der Generator des Blocks 1 komplett zerlegt. Während die Turbinenläufer der Nieder- und Mitteldruckturbine nebst Beschaufelung vor Ort instand gesetzt werden können, musste der Hochdruckteil der Dampfturbine zu Siemens nach Mülheim an der Ruhr gebracht werden. In Mülheim wird er mit Spezialwerkzeugen zerlegt und nach der Erneuerung in einem Schleuderbunker unter Echtbedingungen bei 3.000 Umdrehungen pro Minute getestet. Bei dieser Drehzahl wird genau die für das Stromnetz erforderliche Frequenz von 50 Hertz erzeugt.

In dem riesigen Kessel, wo sonst Dampf auf gut 540 Grad Celsius erhitzt wird, welcher mit einem Druck von 180 bar (2 bar hat ein Autoreifen) die dreistufige Dampfturbine antreibt, müssen die als Wärmetauscher dienenden, inzwischen stark korrodierten Heizflächen ausgetauscht werden. Dies bedeutet, dass gut 10.000 Meter vorgefertigte Rohrschlangen von unten in den Kessel gezogen und in etwa 50 Meter Höhe eingeschweißt werden.

Die Revision startete am 9. August und wird planmäßig bis zum 12. Oktober beendet sein. Um die Stillstandszeit des Kraftwerksblocks so kurz wie nur möglich zu halten, wird in zwei oder teilweise auch drei Schichten gearbeitet. Für die umfangreichen Wartungsarbeiten und Ersatzbeschaffungen im Rahmen dieser zweiten Großen Revision wird ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag investiert.

Im Vergleich zur ersten Großen Revision im Jahr 1997 ist die aktuelle deutlich aufwändiger. Die nun fast zwanzigjährige Betriebszeit des Kraftwerks hat Spuren an den Anlagenkomponenten hinterlassen. „Ein Großteil der Verschleißteile musste zwar ausgewechselt werden, aber mit den aktuellen Arbeiten wird das Kraftwerk wieder grundlegend runderneuert. Damit wird der zuverlässige Betrieb für die nächste Dekade gesichert“, fasst Christoph Kollenda die Perspektiven für den Kraftwerksbetrieb optimistisch zusammen.

www.enercity.de

PM: Stadtwerke Hannover AG

 

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