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Hortplatzausbaustopp – Sozialdezernent verweist auf Ganztagsschulen!

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Der gravierende Hortplatzmangel in Hannover war ein Thema der Jugendhilfeausschusssitzung am Montag, 27.10.2008. Der Sozialdezernent Herr Walter stellte entsprechend einem HAZ-Bericht vom Mittwoch, 29.10.2008, fest: "Es ist eine offene Frage, ob Eltern Horte wollen oder zum Teil auch Ganztagsschulen als auskömmlich ansehen."

Das war mit ein Grund, für den Kita-Stadtelternrat im Schulausschuss am Mittwoch, 29.10.2008, folgende Fragen zu stellen:

1. In wessen Verantwortungsbereich operieren die so genannten Schulen im Stadtteil?

2. Warum führt die Stadt den Ausbau von Hortplätzen nicht mindestens so lange weiter fort, bis die auf vier Jahre ausgelegte wissenschaftliche Auswertung des Modellprojekts Albert-Schweitzer-Schule abgeschlossen ist? (In der Albert-Schweitzer-Schule haben der Fachbereich Jugend und Familie und der Fachbereich Schule gemeinsam mit dem Kultusministerium ein offenes Ganztagsschulangebot geschaffen mit dem Anspruch ein ebenso zuverlässiges und gutes Bildungs- und Betreuungsangebot zu gestalten wie die Horte.

3. Im Kindertagesstättenbericht und in der Hortplatz-Wartelistenabfrage (Juni-Sitzung-des-Jugendhilfeausschusses) werden Schulbetreuungsmaßnahme-Plätze und Schule-im-Stadtteil-Plätze gleich gesetzt mit Hortplätzen. Welche Belegzahlen ergeben sich, wenn hier die Belegzahlen in getrennten Spalten aufgeführt werden?Und hier die Antworten von Frau Drewermann, Dezernentin für den Bereich Schule und Bibliothekswesen:zu 1. Die so genannten Schulen im Stadtteil arbeiten im Verantwortungsbereich des Fachbereiches Schule.

Und hier die Antworten von Frau Drewermann, Dezernentin für den Bereich Schule und Bibliothekswesen:

zu 1. Die so genannten Schulen im Stadtteil arbeiten im Verantwortungsbereich des Fachbereiches Schule.

zu 2. Die wissenschaftliche Auswertung des Modellprojektes "Albert-Schweitzer-Schule" abzuwarten, war für den Fachbereich Schule kein Grund, alternativ die so genannte Schule im Stadtteil zu initiieren. Frau Drewermann sagte wörtlich: "Die Welt bewegt sich manchmal schneller als die Analyse von Modellprojekten."

zu 3. Für die Hortplatz-Wartelisten-Abfrage und den Kindertagesstättenbericht ist der Fachbereich Jugend und Familie zuständig.

Darüber hinaus bezeichnete Frau Drewermann die derzeitige Versorgungssituation für Familien mit Grundschulkindern in Hannover als "Drei-Säulen-Modell", mit dem die Stadt in unterschiedlicher Form ein nachmittägliches Bildungsangebot biete und den Bedürfnissen berufstätiger Eltern gerecht werden will. Erste Säule: Hort, zweite Säule: Offene Ganztagsschule entsprechend den Vorgaben des KM, dritte Säule: "Schule im Stadtteil".

Die in der HAZ zitierte Aussage des Sozialdezernenten Herrn Walter mochte Frau Drewermann nicht ausführlicher kommentieren. Sie wisse nicht was Herr Walter mit dem Begriff "Ganztagsschule" gemeint habe, die "Schule im Stadtteil" so vermutet sie, könne er damit nicht gemeint haben.

Diese Aussagen verstärken beim Kita-Stadtelternrat den Eindruck, dass in Hannover keine Zusammenarbeit zwischen dem Fachbereich Jugend und Familie und dem Fachbereich Schule stattfindet, um einvernehmlich ein Bildungs- und Betreuungsangebot für Kinder im Grundschulalter an den Nachmittagen und in den Ferien zu schaffen, dass mit zuverlässigen professionellen festen Bezugspersonen arbeitet und damit den Qualitätsstandards der Horte entspricht und das für alle Eltern gleichermaßen ein qualitativ hochwertiges Angebot darstellt.

Die Zahl der Eltern, die für ihr Kind einen Hortplatz anstreben nimmt nach Beobachtung des Kita-Stadtelternrates weiter zu und diesen Eltern ist mit den anderen Säulen in Frau Drewermanns "Drei-Säulen-Modell" nicht gedient. Die Angebote Offene Ganztagsschule, entsprechend den Vorgaben des KM, und die Schule im Stadtteil sind Angebote die möglicherweise interessant sind für Familien, bei denen ein Elternteil sich ausschließlich oder fast ausschließlich um das Kind oder die Kinder kümmert und die von der wertvollen Arbeit in den Horten bislang nicht überzeugt sind.
Für die ansteigende Anzahl von Kindern berufstätiger Eltern oder für Kinder aus bildungsfernen und sozial benachteiligten Familien ist der Hort nach wie vor unverzichtbar und der Hortplatzausbau deshalb weiter voranzutreiben.

Daher ist auch nicht mit einer Entlastung bei der Nachfrage nach Horten zu rechnen. Auch wenn der Sozialdezernent Herr Walter hier von einer "offenen Frage" spricht. Der Kita-Stadtelternrat ist überzeugt, das die überwiegende Mehrzahl der Eltern, die einen Hortplatz nachfragen die jetzigen Modelle von "Ganztagsschulen" nicht als "auskömmlich ansehen". Vielmehr werden auch in Zukunft weitere Eltern hinzukommen, die für ihre Kinder einen Hortplatz suchen und diese Familien können es nicht verstehen, dass in Zeiten in denen das Thema Bildung von allen Parteien sehr hoch gehängt wird, Politik und Verwaltung nicht bereit sind, die entsprechenden zusätzlichen Investitionen zu tätigen.
Die im Schulausschuss unbeantwortet gebliebene Nachfrage nach einer Auswertung der Hortplatzversorgung, bei der qualitativ minderwertige Angebote wie so genannte "Ganztagsschulen nach dem KM-Modell" oder die "Schule im Stadtteil" herausgerechnet sind, wird den Kita-Stadtelternrat weiter beschäftigen. Das ist nicht zuletzt deshalb unverzichtbar, weil den politischen Entscheidungsträgern durch diese unvollständige Verwaltungsvorlage nicht klar wird, wie sehr der Hortplatzausbau drängt.

PM: Georg Weil (Kita-Stadtelternrat, Sprecher)

Kategorie: Politik

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