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ÖPNV-Rat warnt vor drastischen Einschnitten im öffentlichen

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Angebot optimieren statt Qualität reduzieren

Im Zuge der Haushaltskonsolidierung der Region Hannover müssen auch die Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs in den nächsten Jahren mit Einschränkungen rechnen. Vorgesehen ist es, ab 2010 das Angebot drastisch zu reduzieren. So ist nicht auszuschließen, dass der Nachtverkehr im Schienenpersonen-und Busverkehr eingestellt wird und die S-Bahn am Wochenende nur noch im 2-Stunden-Takt fahren soll. Für den ÖPNV-Rat der Region Hannover, in dem Fahrgastverbände und Interessengruppen vertreten sind, die den öffentlichen Verkehr besonders intensiv nutzen, sind solche kurzfristigen Einsparungen allerdings eine Strategie des „Kaputtsparens“.

„Mit massiven Angebotskürzungen schießt die Region ein Eigentor, denn vergraulte Fahrgäste sind nur mit hohem finanziellem Aufwand wiederzugewinnen. Es ist davon auszugehen, dass die Fahrgäste schnell wegbleiben und Einnahmenverluste deshalb auch sofort eintreten würden“, nimmt der ÖPNV-Rat Stellung zu den geplanten Streichungen. Zudem kann an den im ÖPNV relativ hohen Fixkosten nicht gespart werden. Die Fahrpreise sind in den vergangenen Jahren sehr gestiegen – die Fahrgäste verlangen für ihr Geld mit Recht Qualität.

Ein drastisch verschlechtertes Angebot wird den Wirtschaftsstandort Hannover zudem nachhaltig schädigen, ist sich der ÖPNV-Rat sicher. Kunden aus kleineren Orten können die Geschäfte in der hannöverschen Innenstadt und in Mittelzentren schlechter erreichen. Die Konsequenz: Einnahmeverluste für die Wirtschaft und eine schlechter ausgelastete Infrastruktur. Möglicherweise werden auch Arbeitsplätze bei den Verkehrsunternehmen abgebaut, warnt der Rat. Die einzig positive Wirkung könnte darin liegen, dass durch den Kauf von mehr Kraftfahrzeugen in der Autobranche Arbeitsplätze erhalten bleiben. Eine Aussicht, die das Klimaschutzprogramm der Region Hannover untergräbt und Klimaschutzziele in Frage stellt.

Eine weitere negative Folge, die zu erwarten ist, sieht der ÖPNV-Rat auf dem sozialen Sektor: „Viele sozial schwache Menschen in der Region können nicht auf das Auto umsteigen und sind häufig auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Immerhin verfügen 21 Prozent der Frauen und 12 Prozent der Männer in der Region gar nicht über ein Auto. Die Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben ist für die Betroffenen dadurch gefährdet, eine soziale Ausgrenzung vorprogrammiert.“

Außerdem wird der ländliche Raum durch die Kürzungen benachteiligt, die Sicherheit junger Menschen zum Beispiel nach Discobesuchen in Hannovers Innenstadt gefährdet. Auch Mobilitätseingeschränkte haben keine Alternative zum öffentlichen Nahverkehr und werden durch die Einsparungen diskriminiert.

Unterm Strich sieht der ÖPNV-Rat durch die drastischen Angebotsstreichungen lediglich eine kurzfristige finanzielle Entlastung, allerdings mit langfristigen negativen Folgen. Stattdessen sollte die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs durch eine Optimierung des Angebots und durch mehr Wettbewerb auf der Schiene gesichert werden. Eine Verbesserung der ÖPNV-Qualität wird für steigende Fahrgastzahlen und mittel-bis langfristig für eine finanzielle Entlastung sorgen. Durch diese Strategie des „intelligenten Sparens“ wird die autofreie Mobilität gesichert, eine kleinräumige Erschließung bleibt weiter möglich.

Im ÖPNV-Rat der Region Hannover sind Fahrgastverbände und Interessengruppen vertreten, die den öffentlichen Personennahverkehr besonders intensiv nutzen. DerÖPNV-Rat berät über strategische und langfristige Themen des Öffentlichen Personennahverkehrs.

Mitglieder sind: AG der Gleichstellungsbeauftragten in der Region Hannover, AG Linie 39, ADFC, die Behindertenbeauftragte der Landeshauptstadt Hannover, Blinden-und Sehbehindertenverband Niedersachsen, Landesfrauenrat Niedersachsen e.V., Bürgerinitiative Umweltschutz, Pro Bahn, Regionsjugendring, Seniorenbeirat Landeshauptstadt Hannover, Sozialverband Deutschland Kreisverband Hannover, Verkehrs-AG Hannover, Verkehrsclub Deutschland.

Kategorie: Politik

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