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Gemeinsamer Brief von Kita-Stadtelternrat und Stadtelternrat-Schule an den Oberbürgermeister

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Sowohl bei der Kita-Elternvollversammlung am Mittwoch, 26.11.2008, im Freizeitheim Linden als auch beim Treffen der Schulelternvorsitzenden der Hannoverschen Grundschulen am Montag, 1.12.2008, im Neuen Rathaus wurden die fehlenden Qualitätsstandards des Projektes „Schule im Stadtteil“ aber auch die gravierenden Mängel der so genannten „Offenen Ganztagsschule“ entsprechend dem MK-Modell scharf kritisiert.

Besonders harsche Kritik wurde von den Eltern dahingehend geäußert, dass die Stadt zwar sagt, Zielgruppe des Projektes „Schule im Stadtteil“ seien nicht die Familien, die ihr Kind für einen Hortplatz anmelden, gleichzeitig aber kaum Anstrengungen unternimmt, um die notwendige Zahl von zusätzlichen Hortplätzen einzurichten. Dadurch werden die für die Zielgruppe Hortkinder völlig unzureichend ausgestatteten Nachmittagsangebote in den so genannten „Schulen im Stadtteil“ faktisch zur Billiglösung an Stelle von richtigen Hortplätzen. Die Negativ-Folgen sind vorprogrammiert: Kinder erhalten keine ausreichende Förderung und den Eltern wird die Vereinbarkeit von Kindererziehung und Schule drastisch erschwert bzw. unmöglich gemacht.

Über 1000 Eltern stehen auf den Hort-Wartelisten, trotzdem will Oberbürgermeister Weil keine neuen Hortplätze schaffen. Währenddessen haben SPD und Grüne in Anbetracht der andauernden Proteste angekündigt, mit immerhin 200 neuen Hortplätzen den Hortplatzausbau doch noch ein bisschen vorantreiben zu wollen.

 

 

Die bessere Förderung von Grundschulkindern findet eindeutig in den Horten statt. Und das gilt so lange kein wirklich zuverlässiges Ganztagsschulmodell bereit steht. Der Kita-Stadtelternrat fordert daher den massiven Ausbau von Hortplätzen. Darin besteht Einigkeit mit dem Stadtelternrat Schule.

Die derzeitige Politik der Stadt lautet jedoch: Wir schaffen keine weiteren Hortplätze und zwingen damit die Eltern in unsere Modelle von "Schule im Stadtteil", damit sich die Eltern dann für eine richtige Ganztagsschule stark machen" Damit wird das genaue Gegenteil dessen bewirkt, was damit beabsichtigt ist. Eltern werden sich enttäuscht abwenden von dem was Ihnen da als "Ganztagsschule" zugemutet wird. Und wenn sie keinen Hortplatz finden werden viele sich dafür entscheiden, eher ihren Beruf vollständig zu vernachlässigen als auch nur ansatzweise ihren Kindern die "Schule im Stadtteil" zuzumuten. Die Verantwortung für die fehlenden Voraussetzungen für eine Berufstätigkeit aber werden diese Eltern völlig zu Recht der rot-grünen Regierungskoalition in Hannover anlasten! Wer wie Rot-Grün für Kinder und ihre Eltern gute Ganztagsschulen erreichen will, der kann es sich nicht erlauben, diese Eltern zu verprellen und zu Ihnen auf Kollisionskurs zu gehen.

Kita-Stadtelternrat und Stadtelternrat-Schule hatten bereits am 19. November 2008 in einem gemeinsamen Brief an Oberbürgermeister Weil ihre Forderung nach mehr Hortplätzen zum Ausdruck gebracht:

 

Stellungnahme zum Hortplatzmangel

Sehr geehrter Herr Weil,

in Ihrer Haushaltsrede am 11.09.2008 kündigen Sie an, den Ausbau von Hortplätzen aufzu-geben, obwohl zu Beginn dieses Schuljahres nachgewiesenermaßen über 1000 Hortplätze fehlten. Stattdessen verweisen Sie auf die so genannte „Schule im Stadtteil“, als Möglichkeit, im „Vorgriff auf eine Wende in der Bildungspolitik des Landes … die Entwicklung von Ganztags-schulen … voranzutreiben“ (Zitat aus Ihrer Haushaltsrede vom 11.9.2008).

Das Konzept „Schule im Stadtteil“ ist begrüßenswert, um die Bildungschancen für Kinder unter Einbeziehung ihres Lebensumfeldes im Stadtteil zu verbessern. Wie in den Sitzungen des Schulausschusses am 24.09.2008 und am 29.10.2008 auf Nachfrage des Kita-Stadtelternrates in der Einwohnerinnen- und Einwohnerfragestunde jedoch deutlich wurde, ist die "Schule im Stadtteil" für hortplatzsuchende Eltern und ihre Kinder keine Alternative, denn die für Horte in Kindertagesstätten geltenden und im Niedersächsischen Kindertagesstättengesetz festgelegten Mindeststandards finden auf die "Schule im Stadtteil" keine Anwendung, so die Auskunft von der Kulturdezernentin Frau Drevermann.

  •  Die Qualifikation der Hort-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im KiTaG festgelegt, das heißt sie sind pädagogisch für diese Aufgabe qualifiziert. Bei "Schule im Stadtteil" sowie bei der offenen Ganztagsschule nach dem Modell des Kultusministeriums wird die Betreuung nach dem Schulunterricht oft durch Ehrenamtliche (Eltern, Vereine etc.) geleistet, für die keine Mindestanforderungen für die pädagogische Qualifikation gelten.
  • Die Hort-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zuverlässige und langfristige Bezugspersonen in regulären Arbeitsverhältnissen, die den Kindern ständig zur Verfügung stehen.
  • Die Hort-Öffnungszeiten werden an allen fünf Schultagen und auch in den Ferien gewährleistet. Bei "Schule im Stadtteil" sowie bei offenen Ganztagsschulen nach dem MK-Modell erfolgt eine Betreuung oft nur an einzelnen Wochentagen, eine zuverlässige Ferienbetreuung ist nicht gegeben.

Die „Schule im Stadtteil“ kann bei Kindern und Eltern, Neugier für Bildungsangebote und Erfahrungsspielräume außer Haus und ergänzend zur Schule wecken. Schule im Stadtteil kann selbst für in Teilzeit berufstätige Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht steigern, solange Ferienzeiten nicht abgedeckt sind. Ob das Modell „Schule im Stadtteil“ jemals für berufstätige Eltern eine Alternative sein kann, hängt von der Ausgestaltung und damit im Wesentlichen davon ab, ob die „Wende in der Bildungspolitik des Landes“ kommt. So lange die Landesregierung keine wirklichen Ganztagsschulen ermöglicht, deren Standard sich mit denen im europäischen Ausland vergleichen lassen, gibt es auch in der pädagogischen Qualität keine Alternative zur Schülerbetreuung im Hort. Vielen Kindern werden somit Entwicklungs- und Bildungschancen vorenthalten.

Der Bedarf an Hortbetreuung ist aktuell vorhanden. Ohne einen Hortplatz für ihr Kind müssen Eltern aus der Berufstätigkeit aussteigen bzw. den Wiedereinstieg verschieben.

Die Aussicht auf eine verbesserte Betreuungssituation in einigen Jahren hilft hier nicht. Deshalb fordern wir von der Stadt Hannover als zuständiger Kommune schnelle Maßnahmen, um den akuten Mangel zu beheben.

Mit freundlichen Grüßen

 

im Auftrag des StER Hannover
Garnet Eichholz
(Vorsitzende des StER)       

im Auftrag des Kita-Stadtelternrat 
Katrin Göllinger
(Sprecherin des Kita-Stadtelternrats)               

Hannover, 10.12.2008, Georg Weil, Kita-Stadtelternrat (Sprecher)

Kategorie: Familien

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