Bildung
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Vortrag: In der „Lesewut“

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Zur Lesebiografie des jungen Johann Christian Kestner in der Mitte des 18. Jahrhunderts

Vortrag von Alfred Schröcker
Donnerstag, 15. Januar 2009, 18.30 Uhr Stadtarchiv Hannover Am Bokemahle 14-16
Eintritt frei

Heutzutage versucht man die Kinder schon möglichst früh mit Hilfe von passender Kinderliteratur zum Lesen anzuleiten. Wie war das vor rund 250 Jahren beim bürgerlichen Kind Johann Christian Kestner? Der reiche Nachlass Kestner im Stadtarchiv Hannover macht es möglich, wesentliche Stücke der Lesebiografie des 1741 geborenen Johann Christian Kestner in Kindheit und Jugend zu rekonstruieren. Der junge Kestner ist eine ungewöhnliche „Leseratte“, ab den 1770er Jahren hätte man gesagt: Er ist in „Lesewut“ oder an „Lesesucht“ erkrankt. Er liest Tag und Nacht, überall, wo er sich gerade befindet, was er in die Finger bekommt. Schließlich hat er den Kopf so voll, dass er seiner Umwelt völlig abwesend erscheint. Und natürlich fließen reichlich Tränen.

Der junge Kestner fährt vor allem auf Romane ab, darunter natürlich auch verbotene Romane. Er berauscht sich an Liebe und Abenteuer. Über ein Buch schreibt er seine Erlebnisse besonders auf: Robinson Crusoe. Davon gibt es noch längst keine „gereinigte“ Kinderfassung. Kestner fühlt sich so angeregt, dass er mit 14 Jahren sogar selbst einen „deutschen Robinson“ schreibt. Aber die Lektüre bleibt nicht stehen, bis er zu den „modernen“ Schriftstellern seiner Zeit wie zu den Engländern Pope und Thomson, aber auch zu Lessing gelangt und bei seinen Lieblingsschriftstellern Gellert, Friedrich von Cronegk und Ewald Christian von Kleist landet.

Kestners Lektüre war kaum pädagogisch gelenkt und er ist dennoch zu einer Leseratte geworden. Man könnte heute noch etwas davon lernen.

www.stadtarchiv-hannover.de

Kategorie: Bildung

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