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Das andere Hungertuch

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Hungertuch

Hungertuch

Schon im Mittelalter wurde mit ihnen der Altarraum der Kirchen verdeckt: „Hungertücher“ haben eine lange Tradition in der Kirche und spielen auf den Vorhang des Jerusalemer Tempels an. Der sollte das Allerheiligste der Juden verbergen und begegnet uns in den Passionsdarstellungen der Evangelisten.

Auf besondere Weise hat der Künstler Michael Zwingmann zusammen mit seiner Frau Kwanho Yuh, Herrn Habel und vier Jugendlichen (Noemi, Sara, Maike, Pia-Maria) der St. Benno-Gemeinde in Hannover diese Tradition aufgegriffen, um ein Lindener Hungertuch zu entwickeln.

Es bildet als Hintergrund den Stadtplan Lindens ab. Dass dabei die Darstellung von „Google-Maps“ entlehnt ist, führt zu einer doppelten Bewegung: Es findet nicht nur der Stadtteil den Weg in die Kirche, sondern zugleich eines der erfolgreichsten Informationssysteme des Internetzeitalters.

Während sonst häufig diskutiert wird, wie auch die Kirche in einer guten Form im Internet präsent sein kann, vollzieht sich hier eine Gegenbewegung: Nicht nur die Kirche kommt in die modernen Medien, sondern das Internet in die Kirche. Ein profanes Medium, das von vielen Menschen alltäglich genutzt wird, verdeckt nun den Blick auf den Tabernakel, das Allerheiligste in unserer St. Benno-Kirche. So entsteht die Chance, dass nach der Fastenzeit das Besondere der Kirche auch wieder als solches wahrgenommen werden kann. Und zugleich wird mancher sich vielleicht beim Googeln an die kirchliche Zweckentfremdung erinnert fühlen.

Über die Dauer der Fastenzeit werden zusätzlich markante Orte unseres Stadtteils – als Fotoausdrucke – dieses Hungertuch weiter entwickeln. Auch sie ermöglichen die Einübung einer veränderten Wahrnehmung unseres städtischen Umfelds, wie auch unserer Kirche. Das Hungertuch ist damit eine Einladung, die eigenen Sinne zu schärfen – eine Voraussetzung für eine gelingende Vorbereitung auf das Osterfest im Rahmen der Fastenzeit.

Pfarrer Dr. Wolfgang Beck

www.kath-kirche-linden.de

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