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Goldene Figuren zurück im Gartentheater

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Goldene Figur im Gartentheater

Figur im Gartentheater

Venus, Faune und Fechter rahmen goldglänzend die Bühne des Gartentheaters

Seit mehr als 300 Jahren ist das Gartentheater der Herrenhäuser Gärten Schauplatz von Theater- und Tanzaufführungen, Bällen und Maskeraden. Um 1690 ließ Kurfürst Ernst August 27 vergoldete Figuren zur glanzvollen Ausstattung dieses Festraums aufstellen.
17 dieser Figuren sind noch erhalten. Sie waren allerdings so stark beschädigt, dass sie 1974 ausrangiert und durch robuste Bronzekopien ersetzt wurden. Jetzt sind die wertvollen Originale wieder an ihre Plätze im Gartentheater zurückgekehrt und machen ihrem Namen "goldene Figuren" alle Ehre. Die Wenger-Stiftung für Denkmalpflege hat die Figuren für 353.000 Euro in einer Regensburger Spezialwerkstatt restaurieren lassen, nachdem sie über 30 Jahre lang eingelagert waren.

Oberbürgermeister Stephan Weil und Dr. Peter Königfeld aus dem Vorstand der Wenger-Stiftung begrüßten die Originale zurück auf der Bühne des Gartentheaters im Großen Garten.

"Dank der großzügigen Spende der Wenger-Stiftung kann Hannover diesen wertvollen barocken Figurenschmuck endlich wieder im Gartentheater zeigen. Dieses Theater war das erste Heckentheater Deutschlands und es ist auch das einzige, das erhalten geblieben ist. Hannover kann stolz auf diese einzigartige Sehenswürdigkeit sein", sagte Stephan Weil.

Der Experte für Denkmalpflege Dr. Peter Königfeld erläuterte die Restaurierung der goldenen Figuren: Fast fünf Jahre hat es gedauert, bis alle 17 Originale überarbeitet und neu vergoldet waren. Schwierig war vor allem die Rekonstruktion fehlender Arme anhand von historischen Abbildungen. Die Gesichtszüge der Figuren wurden mit äußerster Sorgfalt ausgeformt. Korrosionsbeständige Innenkonstruktionen sorgen für ein stabiles Gerüst und die Befestigung am Sockel.

Wie damals üblich, wurden die Figuren aus Blei gegossen und mit einer Goldauflage veredelt. Bleifiguren waren in der Renaissance und im Barock ein beliebter Ersatz für die viel teureren Figuren aus Bronze. Blei war aber nicht nur viel günstiger, sondern leider auch viel empfindlicher, so dass europaweit nur wenige Bleifiguren bis heute erhalten geblieben sind. Daher stellen die 17 Originale im Gartentheater Herrenhausen ein für die Barockplastik Nordeuropas bedeutendes Ensemble dar.

Die Figuren sind Nachbildungen berühmter Vorbilder aus der Antike, wie es der Mode beim Gartenschmuck des Barock entsprach. Am Bühnenrand stehen zwei Borghesische Fechter einander gegenüber, geschaffen nach einer 1613 in Rom ausgegrabenen Marmorstatue. Die Statue ist heute im Pariser Louvre zu bewundern. Auch die berühmte Venus Medici, heute in Florenz ausgestellt, ist unter den Herrenhäuser Goldfiguren auszumachen. Umgeben ist sie von tanzenden und musizierenden Faunen, mythischen Naturgeistern aus dem Gefolge des Dionysos.

Insgesamt 18 goldene Figuren zieren das Gartentheater: Neben den 17 Originalen vergoldeten die Restauratoren eine der bronzenen Figuren, deren barocke Vorlage nicht mehr existiert. Sie vervollständigt das Gesamtbild und ist nicht von den Originalen zu unterscheiden.

Besucher des Großen Gartens können die goldenen Figuren im Rahmen der täglichen Öffnungszeiten von 9 bis 19 Uhr ansehen. Der Garteneintritt beträgt 3 Euro, für Kinder bis 14 Jahre ist er frei. Ausführliche Informationen gibt es am Ostersonntag. Im Rahmen des Familienprogramms "Osterspaziergang in den Herrenhäuser Gärten" bietet Direktor Ronald Clark zwei Führungen im Gartentheater an. Sie beginnen um 12 Uhr und um 14 Uhr an der Sonnenuhr im Großen Garten und sind für Gartenbesucher kostenlos. Darüber hinaus zeigen 11 Informationstafeln entlang des Glasfoyers die Geschichte und Restaurierung der goldenen Figuren.

Die Wenger-Stiftung für Denkmalpflege ist eine gemeinnützige private Stiftung. Sie wurde 1997 von Dr.-Ing. Fritz H. Wenger (gest. 2004), Düsseldorf, gegründet. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Vorhaben zur Sicherung und Instandsetzung von Kulturdenkmalen in Niedersachsen, insbesondere auch in der Landeshauptstadt Hannover zu unterstützen. Sie arbeitet dabei eng mit der Denkmalpflege zusammen. Die Mittel der Wenger-Stiftung für Denkmalpflege kommen Kirchen, Schlössern und Herrenhäusern, Bürgerhäusern, technischen Denkmalen, Stadtmauern, Grabdenkmälern, Park- und Gartenanlagen zugute. (Quelle: www.wenger-stiftung.de)

Die goldenen Figuren: Zahlen – Daten – Fakten

Errichtung des Gartentheaters:

1689 bis 1693 ließen Kurfürst Ernst und August und Kurfürstin Sophie das Gartentheater als Teil ihrer prächtigen Sommerresidenz errichten.

Aufstellung der goldenen Figuren:

1689 bis 1692 erwarb der hannoversche Hof 27 Bleifiguren in den Niederlanden.
– Modelle: Johan Larson, 1664 in Den Haag verstorben
– Guss: Barent Dronrijp
Erhalten sind bis heute 17 Originale.

Aufstellung der Bronzekopien und Einlagerung der Originale:

1974

Instandsetzung der Originale:

2004 bis 2009 durch Haber & Brandner Metallrestaurierung, Regensburg, erste Probesanierung 2001

Finanzierung:

353.000 Euro, Wenger-Stiftung für Denkmalpflege

Aufstellung der restaurierten Originale:

17 restaurierte Originale und eine neu vergoldete Bronzekopie, deren Original nicht mehr existiert, wurden am 31. März 2009 von Haber & Brandner Metallrestaurierung nach Hannover gebracht und auf ihren Sockeln montiert. Enthüllung/Einweihung: 7. April 2009.

Denkmalpflegerische Vorarbeit zur Anordnung der Figuren im Gartentheater:

– Dr. Peter Königfeld aus dem Vorstand der Wenger-Stiftung
– Dr. Rolf-Jürgen Grote, Landesamt für Denkmalpflege
– Ronald Clark, Direktor der Herrenhäuser Gärten

www.hannover.de

PM: Landeshauptstadt Hannover

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