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Aus PISA nichts gelernt ?

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Alle reden über Leistungsselektion und Grundschulempfehlungen, über Abschlüsse und Turboabitur ….. – …..so, als hätte es die erhobenen Zeigefinger nach den PISA-Studien nie gegeben. Wurde nicht das finnische Schulsystem weltweit hochgelobt?
Ein Schulsystem, das ein langes, gemeinsames Lernen der SchülerInnen ermöglicht und ein hohes Maß an Integration leistet?

Vielfältige Studien haben ergeben, dass SchülerInnen aus unteren sozialen Schichten und SchülerInnen mit Migrationshintergrund die VerliererInnen des deutschen Bildungssystems sind. So sind beispielsweise SchülerInnen mit Migrationshintergrund an Gymnasien weit unter-und an Hauptschulen weit überrepräsentiert! (Nur 15,5% der SchülerInnen aus Einwandererfamilien in Hannover machen das Abitur. Bei deutschstämmigen SchülerInnen sind es 36,6 % . vgl. Sozialbericht der Stadt Hannover 2008) An Gesamtschulen ist die Anzahl der SchülerInnen mit Migrationshintergrund im Verhältnis zur Gesamtzahl ihrer Abiturienten deutlich höher als an Gymnasien.

Unzählige Male wurden, von wissenschaftlicher, politischer, pädagogischer und kirchlicher Seite, bessere Integrationsleistungen und Bemühungen um Chancengleichheit angemahnt !!

Die Institutionen der Kinder- und Jugendarbeit sind erstaunt über das schulpolitische Vorhaben, auch in den Integrierten Gesamtschulen das sog. Turbo-Abitur nach 12 Jahren einzuführen.
Die Schule ist neben der Familie eine der wichtigsten Sozialisationsinstanzen für Kinder und Jugendliche. Hier wird ein Grundstein gelegt für die weitere Entwicklung und die Zukunft eines Kindes.

Dem Stadtteilforum Linden/Limmer gehören ca. 30 Institutionen der Kinder- und Jugendarbeit an. Wir sind alle aufgrund der Population und der strukturellen Bedingungen im Stadtteil Linden/Limmer in unserer Arbeit täglich damit befasst, Kinder und Jugendliche zu unterstützen und sie gemäß ihrer Möglichkeiten im Sinne der Chancenangleichung zu fördern. Wir arbeiten seit vielen Jahren eng mit der IGS-Linden zusammen und haben den Erlass des Kultusministeriums (1994), der eine Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule einfordert, seit langer Zeit mit Leben gefüllt.
Wir haben erkannt, dass an keinem anderen Ort in unserer Gesellschaft so viele Kulturen, religiöse Ausrichtungen und soziale Unterschiede auf engem Raum aufeinander treffen, mit der Maßgabe sich verstehen und kooperieren zu sollen, wie in der Schule.
In der Integrierten Gesamtschule kommen noch die unterschiedlichen Lernniveaus (Förderschule bis Gymnasium) innerhalb eines Klassenverbandes hinzu.
Das Soziale Lernen erfreut sich gerade hier ganz besonderer Beachtung.
Es macht Sinn, ganz individuell bei der persönlichen Situation, dem Lernrhythmus und Reifeprozess eines/r jeden einzelnen SchülerIn anzusetzen, auf optimale Förderbedingungen hinzuwirken und die Schullaufbahn so lange wie möglich offen zu halten.

Auch wir sehen uns in der Arbeit unserer ganz unterschiedlich ausgerichteten Einrichtungen, ebenso wie die IGS-Linden, dem Leitziel verpflichtet Integration — statt Selektion und Ausgrenzung zu leisten.

Wenn die Pläne der Landesregierung durchgesetzt werden, bedeutet das das AUS der integrativen Erziehung und Förderung in vielerlei Beziehungen!!

  • Die SchülerInnen müssen in „Turbo-Klassen“ und „Restklassen“ aufgeteilt werden. Ein gemeinsames Lernen auf verschiedenen Lernniveaus bis zur zehnten Klasse gibt es nicht mehr.
  • Unzweifelhaft wird diese Selektion auch eine Trennung nach sozialer Herkunft und nach kultureller Herkunft bedeuten.

Das Stadtteilforum Linden/Limmer protestiert entschieden gegen die Einführung des Turbo-Abiturs an den Gesamtschulen !
Wir fordern die Landespolitik auf, diese Entscheidung zurück zunehmen und unterstützen die IGS-Linden und die Elternschaft vieler Grundschulen in ihren Bemühungen, die Integrierten Gesamtschulen in ihrer ursprünglichen Konzeption zu erhalten und auszubauen!

PM: Stadtteilforum für Kinder und Jugendarbeit im Bezirk Linden/Limmer

Kategorie: Politik

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