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„Mehr Fun – weniger Alkohol“

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Ergebnisbericht und Perspektive für die nächsten Jahre

Mit der Informationsdrucksache 0125/2008 wurde das Alkoholpräventionskonzept unter dem Thema „Mehr Fun – weniger Alkohol“ vorgestellt. Wir legen nun die Ergebnisse der Arbeit mit diesem Konzept vor und geben einen Ausblick auf die zeitliche und inhaltliche Perspektive der Präventionsarbeit zu diesem Thema.

Der Bericht folgt der Systematik des Konzeptes, wonach sich die Maßnahmen in die Bereiche des erzieherischen und den kontrollierenden Jugendschutz einordnen lassen.

Zwischenergebnisse des Alkoholpräventionskonzeptes „Mehr Fun – weniger Alkohol"

Schulische Angebote

In der Zwischenzeit hat sich hier eine breite Palette an schulischen Angeboten entwickelt. Die Palette reicht von Unterrichtsbesuchen in einzelnen Klassen über Projekttage und Anti-Alkohol-AktionsTage für die Jahrgangsstufen 6 bis 10 einzelner Schulen bis zu JugendFilmTagen im CinemaxX. Das konkrete Angebot in der Schule wird in Absprache mit den Lehrer/innen bzw. den Schulsozialarbeiter/innen ausgesucht. In wenigen Fällen ging die Initiative von den Elternvertretungen aus. Mit diesen Angeboten werden ca. 3.500 Schüler/innen in allen Schulformen pro Jahr erreicht. Seit 2009 gibt es als Reaktion auf die Auswertung der Testkäufe in Kooperation mit dem Jugendschutz der Region ein zusätzliches Angebot für die Azubis der BBS 12/Einzelhandel. Dort wird jeweils an einem gesamten Vormittag eine Klasse über die gesetzliche Lage und die Altersgrenzen einzelner alkoholischer Produkte informiert, sowie in Rollenspielen mit realistischen Situationen an der Kasse konfrontiert.

Angebote im Sport

Seit Mitte 2008 gibt es eine Kooperation mit dem Stadtsportbund zu diesem Thema. Zunächst wurden über Staffeltage und Turniere Funktionsträger und Verantwortliche über Inhalte und didaktische Möglichkeiten informiert. Mittlerweile ist eine Ausschreibung abgeschlossen über eine Kooperation mit 10 A- und B-Jugendmannschaften aus den mitgliederstärksten Fachverbänden, Fussball und Handball, abgeschlossen. Ziel dieser Kooperationen ist es, den Gedanken der Prävention nachhaltig in den Vereinen vor Ort zu verankern und verbindliche Regeln zu erarbeiten. Als Anreiz gibt es für die Mannschaften einen kompletten Trikotsatz und ein gemeinsames Abschlussfest im Seilklettergarten. Für die Zusammenarbeit konnten drei namhafte Sponsoren gefunden werden, die die Gesamtkosten (Trikots und Beflockung) übernehmen. Es gibt über eine Straßenbahn der GVH, die auch große Teile der Kosten dafür übernahm, eine zusätzliche öffentlichkeitswirksame Maßnahme, die auf diese Kooperation hinweist und weitere Vereine ermutigen soll, diesem Beispiel zu folgen. Über Homepages des Jugendschutzes und des Stadtsportbundes wird regelmäßig über den Stand und die Regeln des Projektes informiert.

Außerdem wurde über den gesamten Zeitraum ein alkoholfreier Wagen im 96-Fanzug (ca. 10 bis 12 Fahrten pro Jahr) angeboten. Mittlerweile ist er zu einem festen, schon selbstverständlichen Bestandteil der Auswärtsfahrten geworden.
Dieses Angebot wird von ca. 800 Fans jährlich wahrgenommen.

Öffentlichkeitsarbeit

Die hohe mediale Aufmerksamkeit bewirkt derzeit einen intensiven Transport von Informationen und Botschaften des Jugendschutzes. Dieses ermöglicht einen Zugang zu der Zielgruppe der Erwachsenen, die sonst nicht so einfach zu erreichen ist. Außerdem ist festzustellen, dass jährlich über 8.000 Klicks in den Informationsbereichen der Homepage des Jugendschutzes zum Thema Alkoholprävention registriert werden. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass das Motto „Mehr Fun – weniger Alkohol" als fester Begriff der Prävention bekannt gemacht wurde und bekannt ist.

Kinder- und Jugendarbeit

Mit dem eigenen Bereich gab es zwei konkrete Kooperationen. Zum einen gab es Angebote im Rahmen des Mitternachtssportes. Dort gab es Mitmachaktionen und Informationen sowohl für die Sportler/innen und Zuschauer/innen. In diesem Jahr fand dieses Angebot im Mühlenberg und in Ahlem statt.
Außerdem wurde das Kinder- und Jugendvarieté des Kinderzirkus „Salto" im Sommer 2009 als alkoholfreie Veranstaltung konzipiert. Mit alkoholfreien Cocktails und Informationen zum Thema wurde den Gästen das Thema nahe gebracht.

Kooperation und Vernetzung

Diese Arbeit wird zum Teil im Verbund mit 17 Kooperationspartnern und 4 Sponsoren ermöglicht und geleistet. Der Jugendschutz bewegt sich bei den Angeboten an den Grenzen der personellen Kapazitäten; die Stadt hat neben einer 100%igen Mittelfreigabe zusätzlich 15.000 € für die Alkoholprävention zur Verfügung gestellt. Mit den Diensten der Region gibt es eine punktuelle Zusammenarbeit (z.B. JugendFilmTage, Brückengespräche im Kinderkrankenhaus auf der Bult, Schulung in der BBS 12/Einzelhandel).
Außerdem wurde in der AG Alkoholprävention des Kommunalen Kriminalpräventionsrat mit den Suchtberatungsstellen, der Region und der Polizei das gesamte Angebot gebündelt und zum Zweck der besseren Übersichtlichkeit zusammen getragen.

Problem: Erreichbarkeit der Eltern/Erwachsenen

Nur an wenigen Elternabenden gab es eine zufrieden stellende Resonanz; manche waren sehr schlecht besucht; manche wurden im Vorfeld über die Schulleitungen abgesagt. In der Zwischenzeit haben wir die Konzeption dieses Elternabends umgestellt und als Einladende jeweils die Elternvertretung gewonnen. Trotzdem blieb der Zuspruch häufig eher frustrierend. Die Einbeziehung der Erwachsenen ist das Hauptproblem in der Alkoholprävention. Für die Zukunft wird dieses Angebot in der Kooperation mit Schulen nicht mehr verpflichtend sein. Über zukünftige Angebote an Erwachsene im späteren Teil der Drucksache (Ausblick).

Kontrollierender Jugendschutz

Derzeit gibt es einen hohen Kontrolldruck bei öffentlichen Veranstaltungen auf die Veranstalter (Gespräche mit Betreibern im Vorfeld, Vorladungen von Diskobetreibern, Präsenz/Kontrollen während der Feiern). Dies führt dazu, dass bei der Abgabe von Alkohol zufrieden stellender auf die Altersbegrenzungen geachtet wird. In enger Kooperation mit der Gaststättenstelle sind Versuche von Gewerbetreibenden häufig verhindert worden mit Billigangeboten zu locken, die denen einer flatrate-Party ähnlich sind.
Auch die deutlich gesunkenen Zahlen von eingelieferten alkoholisierten Minderjährige, die vor oder nach dem Besuch einer öffentlichen Veranstaltung ins Kinderkrankenhaus gebracht wurden, sind dafür ein Indiz. Mittlerweile werden stattdessen mehr Minderjährige (mehr als 40%) nach einer privaten Feier und von einem öffentlichen Platz (Spielplatz etc.) (mehr als 30%) alkoholbedingt eingeliefert.

Problembereich: Schulparties in kommerziellen Diskos mit minderjährigen Sub-Unternehmern (mit teilweise bis zu 900 Gästen). Diese Parties weisen Problemlagen durch die lasche Handhabung mit der Erziehungsbeauftragung und dem hohen Alkoholkonsum aus. Mittlerweile finden die Feiern nicht zu besonderen Anlässen wie z.B. Abiparties und school's-out-Parties statt, sondern fast durchgängig im Jahr. Auch die ständig wechselnden Verantwortlichen machen diesen Bereich zu einer sehr zeitaufwändigen Aufgabe.

Testkäufe

Dieses Instrument wurde mittlerweile über 230 Mal eingesetzt. Die über 100 abgeschlossenen Bußgeldverfahren sowie die Gerichtsverfahren, die die Stadt allesamt gewonnen hat, und die hohe mediale Aufmerksamkeit der Medien haben beim Verband der Tankstellenbesitzer und im Einzelhandelsverband zu internen Überlegungen geführt, in Zukunft die Altersbegrenzung beim Verkauf von Alkohol besser einzuhalten. Neben zivilrechtlichen Schritten (Bußgeldverfahren) werden auch arbeitsrechtliche Maßnahmen (Schulungen, Arbeitsanweisungen und Abmahnungen) umgesetzt.

Ausblick:

    • Erweiterung des präventiven Angebotes auf die Grundschule und den Hortbereich (Förderung von Resilienzen)
    • Informationskampagne, um Erwachsene (Vorbildfunktion) und Eltern (Erziehungsauftrag) anzusprechen
    • Gezielte Kontrollmaßnahmen (incl. Bußgeldverfahren) bei jungen Erwachsenen, die Alkohol an Minderjährige weitergeben
    • Gezieltes Fortbildungsangebot für Lehrer/Innen als Multiplikator/innen zum Thema Alkoholprävention im Unterricht
    • Modell-Unterrichtsstunden (ein Konzept einer Doppelstunde sowie eines gesamten Vormittags) soll dem Kultusministerium vorgelegt werden. Ziel ist es, das Thema Alkoholprävention verpflichtend im Curriculum der Jahrgangsstufe 8 zu verankern. Über Fortbildungen würden dann die Lehrer/innen in den Stand versetzt, eigenständig dieses Thema zu bearbeiten.
    • Das Konzept der Alkoholprävention „Mehr Fun – weniger Alkohol" soll als Daueraufgabe im städtischen Jugendschutz verankert werden. Alle 2 Jahre wird eine Überprüfung im inhaltlichen Bereich stattfinden.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Die Präventionsangebote richten sich sowohl an männliche als auch weibliche Kinder und Jugendliche gleichermaßen, sowie deren Eltern. Besonders bei den schulischen Veranstaltungen und der MultiplikatorInnenschulung werden geschlechtsspezifische Themen aufgegriffen.

Kategorie: Familien

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