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Ausstellung zum Thema „Arbeitslosigkeit Hauptsache Arbeit – Der Arbeitslosigkeit ein Gesicht geben“

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Der begehrteste Platz in Deutschland heute ist der Arbeitsplatz! Fast 5 Millionen  Menschen haben derzeit keine Arbeit. Die Wirtschaftskrise und die weiter steigende Arbeitslosigkeit sind derzeit wieder beherrschende Themen in Politik und Medien. Die Ausstellung "Hauptsache Arbeit – Der Arbeitslosigkeit ein Gesicht geben", die vom 5. bis 19. Januar im Bürgersaal zu sehen sein wird, nähert sich dem Thema Arbeitslosigkeit auf besondere Weise: Mit den Mitteln der klassischen Schwarz-Weiss-Portraitfotografie wurden Menschen von dem Hannoveraner Fotografen Joachim Giesel mit der Kamera festgehalten. Die Fotos bilden nicht nur die Äußerlichkeiten des Menschen ab, sein Anliegen ist es, den Menschen, "selbst-bewußt" in seiner "Wahrheit" darzustellen.

Der zunehmende Gegensatz zwischen Arm und Reich reproduziert sich natürlich auch in dem Gegensatz von Arbeitsplatz-BesitzerInnen und Arbeitslosen. Dem Ausdruck "arbeitslos" hängt immer noch ein fader Beigeschmack nach. Durch die Industrialisierung mit ihren technologischen Erfindungen und Erneuerungen, von der Glühbirne über das Auto bis zum Computer, hat sich die Produktivität in unserer Gesellschaft so sehr verändert und soweit gesteigert, dass nicht mehr alle Menschen gebraucht werden, um all das herzustellen und gewinnbringend zu verkaufen, was Menschen benötigen. Steigerung von Produktivität bedeutet immer auch Einsparung von Arbeitskraft. Die wirtschaftliche Dominanz  hat sich daher vor die Menschlichkeit geschoben. "Arbeitslosigkeit ist aber zuerst ein menschliches Schicksal und erst in zweiter Linie ein ökonomischer Tatbestand," erklärt Giesel. Nach seiner Ansicht ist sie Ausdruck der Stagnation in der Gesellschaft. Deshalb muss der Mensch in den Mittelpunkt aller politischen Überlegungen zur Beseitigung des Problems gestellt werden.

Im städtischen ABM-Beschäftigungsförderungs-Stützpunkt "Hölderlinstraße" fand der Fotograf Menschen, die meist schuldlos oder durch persönliche Schicksalsschläge ihren Arbeitsplatz verloren haben und arbeitslos sind, jetzt aber dort die Ärmel hochkrempeln und einer Tätigkeit nachgehen können. Oder ein für sie vollkommen neues Tätigkeitsfeld erlernen und ihren beruflichen Horizont erweitern. Etwa 60 Menschen wurde von Giesel in ihrem jeweiligen Arbeitsumfeld portraitiert und steuern jeweils einen kurzen persönlichen Kommentar zu sich und ihrer Lage bei, der als Text-Zeilen unter den Bildern zu sehen ist. Diese einzelnen Beispiele sollen beweisen, dass nicht einfach Arbeitslose als Faulenzer, Müßiggänger und Schmarotzer abgetan werden dürfen. Mit der Ausstellung möchte Giesel dazu beitragen, ein neues Denken über das Thema Arbeit und Arbeitslosigkeit anzuregen.

Die Ausstellung wurde durch Unterstützung der Landeshauptstadt sowie durch die finanzielle Förderung der Klosterkammer Hannover ermöglicht. Die Präsidentin der Klosterkammer Hannover, Sigrid Maier-Knapp-Herbst erklärte: "Die Klosterkammer Hannover unterstützt durch ihre Zuwendung das Ausstellungsprojekt "Hauptsache Arbeit", da das Angesicht und damit die Würde arbeitsloser Männer und Frauen in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt wird." Die Klosterkammer Hannover erinnert im Jubiläumsjahr 2010 an den 500. Geburtstag Elisabeths von Calenberg (1510-1558). Sie hatte für das Vermögen der in der Reformation aufgelösten Klöster eine eigene Rechnungslegung verfügt, um mit den Erträgen kirchliche, schulische und soziale Aufgaben zu unterstützen, und so den Grundstock für den "Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds" gelegt. Die von Joachim Giesel engagiert vorbereitete Ausstellung stellt eine beispielhafte Aktualisierung der Anliegen Elisabeths dar: Die Würde von Menschen mit Mitteln der Kunst zu dokumentieren und damit zu bewahren.

Die Ausstellung Hauptsache Arbeit – Der Arbeitslosigkeit ein Gesicht geben wird von Montag bis Freitag von 10  bis 18 Uhr und am Wochenende von 10 bis 17 Uhr im Bürgersaal des Neuen Rathauses zu sehen sein.

Kategorie: Kunst & Kultur

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