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Stadt eröffnet Hotline und Internetseite für ehemalige Heimkinder

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Jahrzehnte lang war das Schicksal von Kindern und Jugendlichen, die in den 50er und 60er Jahren in Heimen gelebt haben, kein Thema öffentlichen Interesses. Ihr Schicksal war weitgehend unbeachtet; über die Verhältnisse – auch in kommunalen – Einrichtungen ist bis heute wenig bekannt.

Seit einigen Jahren fordern ehemalige HeimbewohnerInnen Gehör. Sie klagen Missstände der Fürsorgeerziehung in dieser Zeit an, berichten von missbräuchlichen Erziehungsmethoden und entwürdigenden Bestrafungen, unter denen viele der in den Heimen untergebrachten 14- bis 21-jährigen "Zöglinge" gelitten haben.

Auch die Stadt Hannover beteiligt sich als früherer Träger von fünf Einrichtungen an einer Aufarbeitung und gibt den Betroffenen Gelegenheit, sich zu artikulieren und mitzuwirken. Auf der Grundlage eines Ratsbeschlusses vom Juni 2009 hat dazu der Heimverbund im Fachbereich Jugend- und Familie ein entsprechendes Konzept vorgelegt.

"Ziel unserer Maßnahmen ist, diejenigen unbürokratisch zu unterstützen, die ihre Kindheit oder Jugend in einem der städtischen oder der Heime im Stadtgebiet beziehungsweise Umland verbracht haben", erläutert Jugend- und Sozialdezernent Thomas Walter. "Wir wollen ihnen helfen, ihre Vergangenheit zu verstehen, Fragen zu stellen, Erfahrungen, Erlebnisse und Probleme zu äußern." Mittelbar erhofft sich Walter von diesen "Zeitzeugenberichten" auch Einblicke in die Strukturen, Lebensverhältnisse und pädagogischen Ausrichtungen der Einrichtungen.

Der direkte Kontakt für und mit den Betroffenen steht für Walter an erster Stelle: "Ab Dienstag (6. April) können sich Betroffene an unsere Telefon-Hotline wenden. Unter der Nummer 0800-85 08 508 stehen erfahrene psychologische oder pädagogische Fachkräfte als persönliche AnsprechpartnerInnen unter Schweigepflicht zur Verfügung – montags bis freitags von 10 bis 20 Uhr."

Viele ehemalige Heimkinder wollen herausfinden, warum sie damals im Heim untergebracht worden sind und wer für die Unterbringung verantwortlich war. Von zentraler Bedeutung ist für die Betroffenen, die Originalunterlagen einsehen zu können. Wenn dieser Wunsch nach Akteneinsicht für die städtischen Heime besteht, stellen die GesprächspartnerInnen der Hotline den Kontakt zum zuständigen Kommunalen Sozialdienst her.

Die Stadt Hannover hat in den 50er und 60er Jahren auch eigene Einrichtungen betrieben, in denen Säuglinge und Kinder ausschließlich aus Hannover untergebracht waren: Kinderheim Mecklenheide (betrieben bis 1965) Kinderheim Nordstern (bis 1994), Kinderheim Isernhagen (bis 1977), Kinderheim Gut Lohne (bis 1965), Rohdenhof (bis in die 90er Jahre, dann Fortführung in Wohngruppen).

Die Unterbringung erfolgte hier nach der so genannten "Einfachen Heimerziehung". Wer hier nicht mehr betreut werden konnte, kam in eine Einrichtung der "Freiwillige Erziehungshilfe" (FEH) auf Antrag der Eltern und in Verantwortung der Fürsorgeerziehungsbehörden (ehemalige Landesjugendämter) oder der "Fürsorgeerziehung" (FE) durch Beschluss eines Vormundschaftsgerichts, ebenfalls in Verantwortung der ehemaligen Landesjugendämter. In Hannover gehörten dazu zum Beispiel das Stephanstift und der Birkenhof.

Betroffene aus diesen und anderen Einrichtungen im Stadtgebiet und näherem Umland bekommen unter der städtischen Hotline Hinweise, an wen sie sich wenden können.

Ansprechadressen und Links, Beschreibungen der städtischen Heime sowie Hinweise auf Aktivitäten der Stadt, anderer hannoverscher Einrichtungsträger und des Landes Niedersachen enthält die Internetseite www.heimkinder-hannover.de. Sie ist ab sofort freigeschaltet.

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