Allgemeine Nachrichten
Schreibe einen Kommentar

Hannoversche Künstlerin erhält den Tisa-von-der-Schulenburg-Preis 2010 der Stadt Dorsten

Hinweis

Dieser Artikel wurde vor mehr als 2 Jahren veröffentlicht. Daher kann es sein, dass sein Inhalt oder ein Teil davon nicht mehr aktuell ist.

Die hannoversche Künstlerin Joanna Schulte erhält den diesjährigen mit 5.000 Euro dotierten Tisa-von-der-Schulenburg-Preis zur Förderung von NachwuchskünstlerInnen der Stadt Dorsten. Der Preis wird an KünstlerInnen vergeben, die sich mit Lebenssituationen von Menschen in einer sich verändernden Gesellschaft befassen. Die Jury, die aus 130 eingereichten Arbeiten mit internationaler Beteiligung, hat die Videokünstlerin und Fotografin Joanna Schulte einstimmig gewählt. Joanna Schulte befragt deutsche Befindlichkeiten und Mentalitäten. Ihre Kamera wird zum ästhetischen und lyrischen Seismographen für eine fragile und fragmentarische Entdeckungsreise. Die Verleihung der renommierten und etablierten Auszeichnung findet in Dorsten statt. Der Termin steht noch nicht fest.

Zur Künstlerin und über deren Arbeit schreibt Jörg Loskill, der mit Marion Taube, Dr. Rüdiger Fenne und Dr. Uwe Rüth der Jury angehört, die am 6. Oktober in Dorsten über den 5. Tisa-Preis entschied:

"Eine Künstlerin, die die neuen Medien faszinierend und subjektiv benutzt: Fotografie, Video-Projektion, audiovisuelle Produktionen. Joanna Schulte, geboren 1969 in Osnabrück, inzwischen in Hannover beheimatet, erhält den Tisa-von-der-Schulenburg-Preis 2010. Joanna Schulte, die bereits mit verschiedenen Preisen in Lüdenscheid, Hürth, Marl unter weiteren auf sich aufmerksam machen konnte, studierte an der Fachhochschule Hannover, wo sie von 2006 bis 2008 auch einen Lehrauftrag übernahm. Ihre Arbeiten waren in Einzel- oder Gruppenausstellungen in Essen, Wilhelmshaven, Kopenhagen, Lodz, Mannheim, Hannover, Bremen und anderen Städten zu sehen. Ihre Video-Installationen, Fotografieserien und Projektionen erzählen, realistisch behutsam und parabelhaft ausgerichtet, Geschichten – von Menschen und von ihrem Leben. Von Hoffnungen und Sehnsüchten, von der Vergangenheit und der Gegenwart, von kleinen und großen Abenteuern der Humanitas, von Märchen und wie sie übertragen werden auf die (fragwürdige) Wirklichkeit. Schein und Sein begegnen und durchdringen sich.

In der Video-Arbeit "Hermannstraße" beschäftigt sich Joanna Schulte mit dem Allein- und Altsein: Die Kamera betont das Eindringen in eine problematische Privatsphäre, die zum Ausgangspunkt für verschiedene Themenbereiche und Fragestellungen wird: Wie weit darf sich Kunst in die Intimsphäre vorwagen, was ist Voyeurismus, wo bleibt die eigene Kontrolle, wie begegnet man der allgemeinen Gleichgültigkeit gegenüber einem einzelnen Schicksal, was geschieht alles hinter den geschlossenen Gardinen?

In der Foto-Serie "Das Brautkleid" spielt sie mit Versatzstücken des Schönen und des Hässlichen. Die Bilder laden ein zum (Alb-)Traum über ein menschliches Verhalten, über die Farben, die uns bedrängen und über das Abgenutzte, das uns einmal viel wert war.

In "Oma G." spricht eine Frau, die Flucht und Tod in ihrem reichen Leben erlebt hat, über den Umgang mit dem Verlust – von Menschen, von Besitz, von Märchenträumen, von kleinen Sehnsüchten nach der Liebe und der Anerkennung. Aber, so lautet die Quintessenz des scheinbar anmutigen Bilderflusses. Das Leben ist kein Märchen. Es ist brutal. Und lässt kaum Chancen für die Überwindung von Verlust.

Joanna Schulte verarbeitet individuelle Sujets. Ihre Oma, ihre (verstorbene) Mutter geben die Impulse für ein mediales Interesse an Frau, Familie-Individuum und Gesellschaft. Sie spricht von "visueller Poesie" und von den "stillen Katastrophen", mit denen sie gegen Klischees und falsche Traditionen angeht: eine Künstlerin, die sozial auftritt, die sich auflehnt gegen das Verstummen – doch ihre fotografischen und audiovisuellen Appelle verzichten auf das Laute, Grelle, Überzeichnete oder gar Provokative.

Joanna Schulte befragt deutsche Befindlichkeiten und Mentalitäten. Ihre Kamera wird zum ästhetischen und lyrischen Seismographen für eine fragile und fragmentarische Entdeckungsreise, die "einen Spagat vollzieht zwischen Fiktion und Wirklichkeit, Betroffenheit und Distanz" (Schulte). Und sie macht gleichzeitig allen Mut, typische gesellschaftliche Muster zu verlassen und auf das Recht am individuellen Wert zu pochen.

Joanna Schultes filmisches und fotografisches Kaleidoskop puzzelt Elemente der Wirklichkeit in Frage und Antwort zusammen: mit dem Ja zur Lebenswahrheit."

Kategorie: Allgemeine Nachrichten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.