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Hannah Arendt Lectures 2011: Dritter Vortrag in der Stadtbibliothek

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Die Hannah Arendt Lectures begleiten seit 2004 inhaltlich die Hannah-Arendt-Tage und knüpfen in ihren Vorträgen an das Thema der jährlichen Veranstaltung im Rathaus an. Seit April waren in der zentralen Stadtbibliothek, Hildesheimer Straße 12, zum diesjährigen Thema "Untergang des Abendlandes? – Die Zukunft der europäischen Kultur in der Welt" bereits zwei Lectures zu hören.

Als dritter und letzter Redner der öffentlichen Vortragsreihe spricht am Mittwoch, 22. Juni, um 18 Uhr Prof. Dr. Ralf Schnell zu "Im Namen der Aufklärung? – Anmerkungen zum Bildungsgefälle zwischen Europa und Ostasien". Schnell lehrte von 1988 bis 1997 als Professor für deutsche Gegenwartsliteratur an der Keio-Universität Tokio; von 1997 bis 2005 war er Inhaber des Lehrstuhls für Germanistik/neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Siegen, dort leitete er auch den DFG-Sonderforschungsbereich "Medienumbrüche". Von 2006 bis 2009 war er Rektor der Universität Siegen. Schnell war als Gastprofessor in verschiedenen Ländern Ostasiens tätig, so in Japan, Thailand, Vietnam, Laos und zuletzt (2010) an der Tongii-Universität in Shanghai. Heute lebt er als wissenschaftlicher Autor in Berlin.

Zum Vortrag: Schnell wird auf das Gefälle hinweisen, das zwischen Europa und Ostasien besteht. Es handelt sich – so die Ausgangsthese – um ein Bildungsgefälle, das seinen Grund auf europäischer Seite in der Unkenntnis der ostasiatischen Kulturen und ihrer Geschichte hat, das von unzutreffenden Voraussetzungen – Befürchtungen wie Vorurteilen – ausgeht und zu Wahrnehmungsverzerrungen führt: zu Idealisierungen und Idyllisierungen ebenso wie zu einer Art Hybris im Bewusststein der Überlegenheit europäischer Wirtschaft und Technik.

Demgegenüber bietet die Wahrnehmung Europas und insbesondere Deutschlands aus der Perspektive ostasiatischer Länder ein vergleichsweise realistisches Bild. Ein Vorzug, der seinen Grund in der Bereitschaft der nachwachsenden Generationen in Ostasien – etwa in Japan, China und Korea – zur bildenden Aneignung der europäischen Geschichte, ihrer Wissenschaften und ihrer Kunst hat. Eine Zukunft – so das Fazit des Vortrags – besitzt die europäische Kultur in der ostasiatischen Welt dann, wenn sie an der Aufhebung dieses Bildungsgefälles mitwirkt.

Im Anschluss an den Vortrag besteht Gelegenheit zum Besuch des Hannah-Arendt-Raumes in der Stadtbibliothek. Bücher von und zu Hannah Arendt können am Büchertisch der Buchhandlung Lehmanns erworben werden. Die Hannah Arendt Lectures finden statt im Rahmen des Projektes "Wissenschaft trifft Politik – Politik trifft Wissenschaft" der Philosophischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover. In Anlehnung an Hannah Arendts Werk werden Zukunftsfragen der Gesellschaft erörtert. Das Projekt wird gefördert von der VolkswagenStiftung.

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