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Viel Lärm, wenig Substanz – Hannover entkräftet Lärmstudie

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Bundesweit Furore machte vorige Woche eine so genannte "Lärmstudie" des renommierten Fraunhofer-Instituts im Auftrag der Geers-Stiftung. Demnach soll Hannover "die lauteste Stadt Deutschlands" sein. Die nachweislich grünste Großstadt, deren BürgerInnen gewöhnlich nicht durch übermäßige Lautstärke auffallen, sollte also in der Lärm-Bundesliga auf Platz eins stehen. Bereits nach der ersten Durchsicht der Ergebnisse zweifelten die Verkehrs- und Lärmexperten der Stadt am Wert dieses Vergleichs. Eine genauere Analyse bestätigt diese Einschätzung nun. "Die Aussagekraft der Fraunhofer-Studie hält mit den Schlagzeilen nicht stand", bilanziert Hannovers Stadtbaurat Uwe Bodemann. Tatsächlich liegt Hannover bei der Lärmbelastung der Bevölkerung im Mittelfeld der Großstädte.

Aus Sicht der niedersächsischen Landeshauptstadt sprechen zwei Aspekte gegen einen hohen Wert der Studie: "Die simple Gegenüberstellung der von Lärm belasteten Fläche zur Gesamtfläche einer Stadt sagt nichts über die tatsächliche Belastung für die Bevölkerung aus", führt Bodemann aus. Zudem basiert die Untersuchung auf den Lärmkarten der einzelnen Städte. "Diese wiederum haben dafür unterschiedliche Kriterien zugrunde gelegt", erläutert der hannoversche Baudezernent.

Die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik hatten aus den Lärmkarten von 27 deutschen Großstädten die Fläche ermittelt, die einen mittleren Lärmpegel von mehr als 55 db(A) (Lautstärke in Dezibel) aufweist, zur jeweiligen Gesamtfläche der Städte in Relation gesetzt. Dabei wurde Hannover mit 69,4 Prozent belasteter Fläche der Spitzenplatz zugewiesen.

Hinsichtlich der Beeinträchtigung für die EinwohnerInnen der Landeshauptstadt sehen die hannoverschen Lärmexperten ihre Stadt jedoch auf gleicher Höhe mit Bremen und Frankfurt. So wurde für Hannover errechnet, dass beispielsweise tagsüber 14,9 Prozent der Bevölkerung durch einen Pegel von 55 bis 60 db(A) belastet sind. Frankfurt kommt in diesem Bereich auf 12,0 Prozent, Bremen auf 15,8 Prozent. Im Fraunhofer-Vergleich liegt Bremen mit 40,8 Prozent belasteter Fläche jedoch in den Top Ten der "leisesten" Städte, während Frankfurt (65,6 Prozent) in diesem Lärmranking gleich hinter Hannover Platz zwei einnimmt.

Die für die Fraunhofer-Studie zugrunde gelegten Lärmkarten sind von den jeweiligen Städten zur Verfügung gestellt worden. Diese haben dabei unterschiedliche Maßstäbe angesetzt. Während einige Großstädte nur Straßen ab einer Belastung von 16.000 Fahrzeugen in 24 Stunden einbezogen haben, wurden in Hannover alle Straßen bis runter auf 1.000 Fahrzeuge am Tag berücksichtigt. "Dies trägt zu einer Verfälschung des Ergebnisses bei", sagt Stadtbaurat Uwe Bodemann.

Uwe Bodemann fasst zusammen: "Die Lärmkartierung zeigt sicherlich, dass Hannover über ein gutes Verkehrsnetz verfügt. Das wussten wir schon. Andererseits liegen aber beispielsweise die großen, Lärm produzierenden Straßen wie Autobahnen und Schnellwege außerhalb von Wohngebieten, was in der Studie unberücksichtigt bleibt. Dieser Analyse fehlt also die Substanz. Hannover ist eine Großstadt mit allen damit verbundenen normalen Begleiterscheinungen."

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