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Eröffnung Festival YAKAMOZ mit Lesung und Klanginstallation

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Das türkische Wort "Yakamoz" wurde in einem Wettbewerb des Instituts für Auslandsbeziehungen zum "schönsten Wort der Welt gekürt". Es bedeutet "Spiegelung des Mondes im Wasser". Die Hannoversche Gesellschaft für Neue Musik (hgnm) greift in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro der Stadt diese Idee der Spiegelungen und Reflektionen in ihrem Festival YAKAMOZ auf: In einem vielseitigen und unkonventionellen Programm aus Konzerten, Klangkunst, Lesungen und Vorträgen werden vom 12. bis zum 23. Oktober die unterschiedlichsten Facetten der (deutsch-)türkischen Musik und Kultur präsentiert.

Den Auftakt macht am Mittwoch (12. Oktober), 19:30 Uhr, Literaturhaus, Künstlerhaus, Sophienstraße 2, Selim Özdogan. Er liest auf Einladung des Kulturbüros der Stadt und des Literaturhauses aus seinem neuen Buch "Heimstraße 52". Der Eintritt kostet acht, ermäßigt sechs Euro.

Am selben Tag (12. Oktober) wird auch zum ersten Mal die Klanginstallation "Das klingende Alphabet" von Istanbul am Platz der Weltausstellung zu Gehör gebracht. Die Musik kommt von Alper Maral und ist bis zum 23. Oktober täglich um 12, 15 und 19 Uhr zu hören.

Zur Klanginstallation "Das Klingende Alphabet":
Durch eine Komposition aus Klangereignissen und Soundscapes, die wie die Buchstaben eines bestimmten Alphabets genutzt werden, wird ein elementares Audiovokabular für die HörerInnen aufgezeichnet. Das heißt es entstehen Bilder und Assoziationen der komplexen Metropole Istanbul und seiner lebendigen Kultur in bestimmten Bereichen, wie auf der Fähre von Asien nach Europa in Istanbul, vom Harem, über Sound, Gestus, Geschichte der Darbuka oder Nai, aus dem Musikladen Sait Aral und der ältesten und kürzesten U-Bahn der Welt.
Entstanden als Teil einer Installation für eine Designausstellung/-veranstaltung in Istanbul (2005), ist dieses Stück nur ein Teil eines riesigen "Work in Progress" – ohne die geringste Absicht auf Vollständigkeit zu verfolgen. Es gab Aufführungen/Projektionen in drei Versionen. Die kürzeste (9'11) könnte als eine "musikalische" Komposition betrachtet werden, die längere Version (19') eher als Klanglandschaft, abgestimmt auf eine passende akustische Umgebung, und die ultimative "Brutto"-Version von 40'49 " ist die "gekrönte Audio-Dokumentation".

Zum Komponisten:
Alper Maral wurde in Istanbul geboren. Als Komponist und Musiker lebt er in Istanbul, Berlin und Tokio. Er ist Doktorand der Musikwissenschaft und Komposition am Institut für Sozialwissenschaften der Ege Universität in Bornova-Izmir und komponierte mehr als 1.000 Musikstücke. Darunter Soundtracks für Film und Theater, Symphonien, Kammeropern und auch Electro-Acustic Arbeiten. Über das Verhältnis von Musik und sozialem Kontext hat er zahlreiche Artikel verfasst und unterrichtet Komposition, Musikwissenschaft und Soundtechnologie an verschiedenen Universitäten. Diverse musikalische Formationen arbeiten mit seinen Kompositionen. Einige, sowie Control Voltage Project, Bornova Trio, A-415, Istanbul Baroque Community und Karýnca Kabilesi, hat er selbst ins Leben gerufen

Zur Lesung "Heimstraße 52":
Behutsam unsentimental beobachtet Selim Özdogan Gül und ihren Mann Fuat als Gastarbeiter in Bremen. Bildreich und eindringlich, große Gefühle bergend, beschreibt der Autor Güls Leben und das Schicksal ihrer Familie im Deutschland der 1960er Jahre. Gül hat Tage gebraucht, um nach Deutschland zu kommen, und es wird Jahre dauern, bis ihr Haus in der Türkei gebaut ist und sie zurückkehren kann. Bis dahin lernt sie alle Arten der Sehnsucht kennen: nach ihren beiden Töchtern, die sie in Anatolien zurücklassen musste, ihrem Vater, dem Schmied, nach Düften, Farben und Früchten. Doch unmerklich wird die Heimstraße in diesem kalten, unverständlichen Land zu einer anderen Heimat. In einer bildreichen Sprache und kurzen, eindringlichen Sätzen, die große Gefühle bergen, beschreibt der Autor Güls Leben und das Schicksal ihrer Familie im fremden Deutschland der 1960er Jahre.

Über den Autor:
Selim Özdogan, geboren 1971, studierte Anglistik, Philosophie und Ethnologie, ausgedehnte Auslandsaufenthalte in den USA, Indien, Jamaica und Südamerika. 1996 erhielt er den Förderpreis des Landes NRW, 1998 den Adalbert von Chamisso Förderpreis, 2006 ein Auslandsstipendium des Literaturbüros NRW, das er in Madrid verbrachte. Seine Reisen mit dem Goethe-Institut führten ihn nach Israel, Island, Frankreich, die Türkei, Schweden, Tschechien, Norwegen, Spanien und Holland. Neben vielen Romanen und Erzählungen bei diversen Verlagen, zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Von 2006 bis 2009 eine Internetkolumne bei dem Internet-Magazin Zünder, das ein Ableger von der Zeit-Online war. Der Ruf ein exzellenter Liveperformer zu sein, eilt ihm voraus.

AutorInnen mit türkischen Namen sind nicht notwendigerweise VertreterInnen einer türkischen Literatur. Vielmehr gehören sie als AutorInnen der deutschsprachigen Literatur zur Germanistik, die sie als eine Literaturströmung bezeichnet wird, als "Deutschsprachige Literatur nicht-deutscher Herkunft".
Schriftsteller wie Selin Özdogan und Feridun Zaimoglu gehören heute zu den wichtigsten jüngeren Gegenwartsautoren deutscher Sprachen.

Die reiche und produktive zeitgenössische Kulturlandschaft der Türkei ist in Deutschland bisher kaum bekannt, trotz des hohen türkischen Bevölkerungsanteils. Auch die deutsch-türkische Begegnung im deutschen Lebensumfeld zeigt sich als ein Spannungsfeld von großer Produktivität. Mit Unterstützung des türkischen Generalkonsulats in Hannover gestalten die hgnm und das Kulturbüro der Stadt damit gleichzeitig einen wesentlichen Beitrag zu den Feierlichkeiten anlässlich des 50. Jahrestages des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei.

Mehr Informationen unter www.hgnm.de.

Für YAKAMOZ haben Aygül Özkan, Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration in Niedersachsen und Tunca Özçuhadar, Generalkonsul der Republik Türkei in Hannover, die Schirmherrschaft übernommen.

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