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Jugendhilfeprojekt „Schulverweigerung – Die 2. Chance“

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Schulverweigerung auf mehreren Ebenen begegnen

Schülerinnen und Schüler, die sich weigern zur Schule zu gehen, zurück in den Unterricht integrieren – das ist das Ziel des bundesweiten Programms „Schulverweigerung – Die 2. Chance“. Die Region Hannover setzt das Projekt an den Standorten Uetze, Ronnenberg und Neustadt am Rübenberge um. Mit großem Erfolg: Bei über 70 Prozent der betreuten Kinder und Jugendlichen verringern sich deutlich die Fehltage. Nun hat die Europäische Union ihre Förderung in vollem Umfang um weitere zweieinhalb Jahre verlängert, damit ist der Fortbestand des Projekts bis Ende 2013 gesichert.

„Qualifikation ist die wesentliche Voraussetzung, um sein eigenes Leben aktiv gestalten zu können“, sagte Sozialdezernent Erwin Jordan am Donnerstag in Hannover. „Die vergangenen fünf Jahre haben gezeigt, dass ’Die 2. Chance’ ein effektives Instrument ist, gegen die immer noch hohe Quote der Schulabbrecher vorzugehen und die Chance auf einen Schulabschluss zu verbessern. Daher sind wir froh, die gute Arbeit weiter führen zu können“, so Jordan. Im Jahr 2008 haben in der Region Hannover rund 900 Jugendliche eine allgemein bildende Schule ohne Abschluss verlassen (Quelle: Bildungsmonitoring 2010, Niedersächsisches Institut für Wirtschaftsforschung).

Das Programm richtet sich an Jugendliche ab 12 Jahren, die immer wieder unentschuldigt den Unterricht versäumen und einen durch das Jugendamt bestätigten Hilfebedarf haben. Insgesamt 30 Plätze stehen an den drei Standorten zur Verfügung. Das Projekt kooperiert mit acht Haupt-, Real- und Förderschulen aus Neustadt, Ronnenberg, Gehrden, Uetze und Hannover. Seit September können erstmals auch Schülerinnen und Schüler der Berufsbildenden Schulen Neustadt, Springe und Burgdorf in das Programm aufgenommen werden.

Jeweils zwei feste Mitarbeiter pro Standort betreuen die Jugendlichen sowohl einzeln als auch in Gruppen. Dabei vereinbaren sie mit den Schülerinnen und Schülern Pläne, wie sie wieder in den Unterricht integriert werden können, und kontrollieren die Umsetzung. So werden die Jugendlichen noch am selben Tag aufgesucht, wenn sie unentschuldigt gefehlt haben. Weiteres wesentliches Element des Projekts ist die Arbeit mit den Eltern und den Lehrkräften in den Schulen.

„Das Besondere an der ’2. Chance’ ist, dass durch die enge Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe den Ursachen der Schulverweigerung auf mehreren Ebenen begegnet wird“, sagt Derk Wiebe, Projektleiter der Region Hannover. „Die Schülerinnen und Schüler erhalten individuelle, auf ihre persönliche Lebenssituation zugeschnittene Hilfen, während die Eltern durch die Projektmitarbeiterinnen und Projektmitarbeiter gestützt werden.“ Nicht selten befinden sind auch die Eltern von Schulverweigerern in kritischen Lebensphasen und sind mit der Erziehung schlicht überfordert.

Seit Projektbeginn im Jahr 2006 wurden 143 Kinder und Jugendliche betreut, davon 80 Jungen und 63 Mädchen. Bei 103 Schülerinnen und Schülern hat sich das unentschuldigte Fehlen deutlich verringert. Der Erfolg des Projekts lässt sich aber nicht nur an der besseren Beteiligung am Unterricht messen, betonte Derk Wiebe: „Selbst wenn die Schülerinnen und Schüler ihr Verhalten nicht von heute auf morgen positiv verändern, so machen sie auf anderen Ebenen Fortschritte, indem sie zum Beispiel pünktlich zu vereinbarten Terminen erscheinen, sich an gruppenpädagogischen Übungen beteiligen oder ehrlich mit ihren Eltern ehrlich über Schwierigkeiten sprechen.“

Für die Umsetzung des Projekts hat die Region Hannover ein eigenes Jugendhilfekonzept entwickelt. „Wir bieten Hilfen aus einer Hand, so können sich in der Region die Schulen und Familien auf feste Strukturen verlassen. Vertrauen ist entscheidend für die gute Zusammenarbeit mit Jugendlichen in Krisen- oder Problemsituationen. Das kann sich aber nur entwickeln, wenn die Ansprechpartner nicht ständig wechseln“, so Projektleiter Wiebe.

„Schulverweigerung – Die 2. Chance“ wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom Europäischen Sozialfonds gefördert. Finanziert wird das Projekt zu 55 Prozent von der Region Hannover und zu 45 Prozent von der Europäischen Union. Die Gesamtkosten belaufen sich pro Jahr auf 320.000 Euro. Insgesamt arbeiten elf Schulen mit dem Projekt zusammen: die Leine-Schule in Neustadt, die KGS Neustadt, die BBS Neustadt, die Marie-Curie-Schule Ronnenberg, die Haupt- und Realschule Gehrden, Gustav-Heinemann-Schule Ronnenberg, die BBS Springe, die Hauptschule Uetze, die Realschule Uetze, die Heinrich-Ernst-Stötzner-Schule und die BBS Burgdorf.

Kategorie: Familien

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