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Neues Wohnangebot für Menschen mit Behinderungen

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Die ersten Kundinnen und Kunden, die von Wietze nach Hannover umziehen, sind in ihrem neuen Zuhause angekommen. (Foto: Neite)

Die ersten Kundinnen und Kunden, die von Wietze nach Hannover umziehen, sind in ihrem neuen Zuhause angekommen. (Foto: Neite)

Das neue Wohngebot der Diakonie Himmelsthür in Hannover bietet Ausblicke – im doppelten Sinn

Aus dem beschaulichen Wietze in die Landeshauptstadt: Für Susanne Nullmeier ist dieser Tag ein ganz besonderer. Ihr neues Zimmer ist zwar noch völlig leer bis auf einen Wäschesack, der in einer Ecke liegt. Doch die Augen der 44-Jährigen leuchten vor Freude, als sie sagt: „Hier hat man ganz andere Ausblicke. Ich möchte meinen Stuhl genau vorm Fenster haben."

Das stimmt gleich doppelt: Das neue Wohnangebot der Diakonie Himmelsthür in Hannover-Mittelfeld für Menschen mit geistigen Behinderungen und besonders für Menschen mit hohem Assistenzbedarf befindet sich im zehnten Stock des Berufsbildungswerks vom Annastift. Von hier oben hat man eine prächtige Sicht zur Messe hinüber und über die ganze Stadt. Doch es sind eher die Ausblicke im übertragenen Sinn, die dafür ausschlaggebend waren, eine ganze Etage in dem Hochhaus anzumieten und hier einen Wohnbereich für 22 Menschen einzurichten.

Ziel der Diakonie Himmelsthür ist es, ihren Kundinnen und Kunden eine umfassende und selbstverständliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Dazu gehört die freie Wahl des Wohnortes. Einige Bewohner/innen in anderen Häusern des landesweit vertretenen Unternehmens hatten sich schon länger einen Umzug nach Hannover gewünscht – oder die Initiative ging von ihren Angehörigen aus. Viele der bisher 18 Menschen, die nach Mittelfeld gezogen sind, können sich nicht verbal verständlich machen, doch das sei kein Hinderungsgrund, stellt Babette Rasmus fest, die den Wohnbereich in Mittelfeld leitet: „Man kann an der Mimik und Gestik sehr deutlich sehen, was ein Bewohner möchte."

Susanne Nullmeier genießt den Ausblick vom Balkon ihres neuen Zuhauses in Mittelfeld. (Foto: Rasmus)

Susanne Nullmeier genießt den Ausblick vom Balkon ihres neuen Zuhauses in Mittelfeld. (Foto: Rasmus)

Das Hochhaus in Mittelfeld wirkt auf den ersten Blick anonymer als die familiäre Atmosphäre auf dem Land, doch für die behinderten Menschen und ihre Angehörigen wiegen andere Aspekte stärker. „Ich kann jetzt selber einkaufen und arbeiten gehen", sagt Susanne Nullmeier – ab sofort ist für sie alles viel besser zu erreichen.

Das gilt auch für Klaus Engelhardt, der im Rollstuhl sitzt, sich aber in dem barrierefreien Gebäude und im Umfeld nun selbstständig bewegen kann. Er ist nicht zuletzt aus Hildesheim nach Hannover gezogen, weil seine Eltern und seine Schwester hier wohnen. „Hier kann man gut mal rüberfahren, in zehn Minuten ist man da", sagt seine Mutter Elisabeth Engelhardt, die beim Umzug hilft. „Und die Busse sind hier alle behindertengerecht", betont Klaus-Dieter Schima, der Vater einer anderen Bewohnerin.

Gerade für stärker beeinträchtigte Menschen sei es wichtig, möglichst nah am Puls des Geschehens zu sein, erklärt Dorle Toppel, Fachbereichsleiterin der Diakonie Himmelsthür: „Sie können ja nicht selbst da hin gehen. Deshalb muss das Leben zu ihnen kommen." In Mittelfeld kommen viele Vorteile zueinander: In einem Nebengebäude befindet sich ein Arbeitsangebot für Menschen mit Assistenzbedarf, die so genannte Tagesförderung. Einkaufsmöglichkeiten sind zu Fuß erreichbar, und es gibt eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Das neue Wohnangebot in Hannover ergänzt ein bestehendes Angebot für Menschen mit Teilhabeschwierigkeiten und psychosozialen Problemen, das vor einem Jahr in Döhren eingerichtet worden ist. Die Diakonie Himmelsthür möchte in Zukunft aber noch individueller auf die Bedürfnisse von Menschen mit Assistenzbedarf eingehen und sucht deshalb weiteren barrierefreien Wohnraum in Hannover.

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