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Familienmonitoring 2011 – Datengrundlage für Familienpolitik im Dialog

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"Familien leben in Hannover" umschreibt das umfassende Paket der Rahmenbedingungen, die mit dazubetragen, dass sich immer mehr Menschen in Hannover für Kinder entscheiden – und mit ihnen in der Stadt leben wollen.

Um diese Bedingungen mit Hilfe begründeter Entscheidungen durch Politik und Verwaltung weiter zu verbessern, startet Hannover jetzt eine in den kommenden Jahren weiter zu entwickelnde dialogorientierte Familienpolitik. Erster von drei Bausteinen der dafür grundlegenden  Berichterstattung ist eine umfangreiche Datensammlung: das "Familienmonitoring". Eine Familienstrukturanalyse und eine Repräsentativbefragung werden in den kommenden beiden Jahren folgen. Ein qualifizierend bewertender Austausch in Familienkonferenzen und Familienforen soll sich anschließen.

"Wir wollen wissen, wie Familien in ihrer Vielfalt eigentlich genau aussehen, was ihre Lebensumstände sind, was sie von der Stadt insgesamt und ihrem Lebensumfeld im Stadtteil erwarten. Das soll im Dialog mit ihnen, den Experten, in Zukunft erfahren werden – ausgehend von der Basis 'harter' statistischer Fakten", erläuterte Jugend- und Sozialdezernent Thomas Walter heute (23. November).
"Mit dem 'Familienmonitoring' nehmen wir erstmals das Phänomen Familie mit Hilfe statistischer Methoden und Daten umfassend und kleinräumig in den Blick. Entstanden ist ein Bild gesamthannoverscher Eigenheiten mit stadtteilspezifischen Ausprägungen, mit dem wir zu weiteren Fragestellungen in konstruktivem Fachdiskurs in Gremien und mit den Familien anregen wollen", umschreibt Walter das Ziel des Monitorings.

Aufbau und Ergebnisse des Familienmonitorings

Das Familienmonitoring betrachtet in zwölf Kapiteln die Lebenslagen hannoverscher Familien. Die zeitliche Entwicklung von Familienbiografien wird ebenso berücksichtigt wie die Situation in den Stadtteilen.

Das Familienmonitoring hat einen umfassenden Berichtscharakter. Die verwendeten Indikatoren können dazu dienen, künftig in regelmäßigem Turnus die Lebenslagen von Familien systematisch und kleinräumig zu beobachten (Monitoring).

Begriff "Familie"

Unter Familie wird eine Gemeinschaft verstanden, in der mehrere Generationen füreinander Verantwortung tragen, auch wenn sie nicht gemeinsam unter einem Dach leben. Da sich dieser Familienbegriff statistisch nicht abbilden lässt, beschränkt sich die Analyse auf Haushalte, in denen Kinder gemeinsam mit Eltern oder einer weiteren Generation zusammen leben. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Ehepaare mit Kindern, nichteheliche Lebensgemeinschaften, allein Erziehende, Patchwork-, oder Regenbogenfamilien handelt. Maßgeblich ist, dass ein Kind im Haushalt wohnt.

In rund 48.000 Familienhaushalten in Hannover leben Minderjährige mit ihren Eltern. Familie endet aber nicht mit der Volljährigkeit der Kinder und in vielen Fällen leben erwachsene Kinder während der Ausbildung noch bei den Eltern. In Hannover ist das in 12.000 Familien der Fall. Der Anteil der Familien nach diesem erweiterten statistischen Familienbegriff beträgt 21,2 Prozent.

Herkommen

Erstmals konnten die Haushaltsdaten nach dem nationalen Hintergrund der Familien ausgewertet werden: Mehr als 40 Prozent haben einen Migrationshintergrund.

Lebensformen

Die weitaus meisten Familien (68 Prozent) leben auch heute noch in der traditionellen Form als Ehepaare mit Kind oder Kindern zusammen. Andererseits hat ein Drittel der Familien eine andere Lebensform gewählt – allein erziehend, nichteheliche oder gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft.

Phase der Elternschaft

Auch in Hannover ist eine Entwicklung hin zu später Elternschaft zu beobachten. Bei etwa einem Viertel der Geburten war die Mutter bereits 35 Jahre oder älter. Das bedeutet, dass sich die Phase der potentiellen Elternschaft mittlerweile sehr geweitet hat: "Junge" Mütter können sowohl unter 20 Jahre als auch um die 40 Jahre alt sein.

Anzahl der Kinder

Über die Hälfte der Familien sind Einkind-Familien. Das bedeutet aber nicht, dass ein Großteil der Kinder als Einzelkinder aufwächst. Nur 35 Prozent der Kinder leben ohne weitere Geschwister, 65 Prozent wachsen mit mindestens einem weiteren Kind in einem Haushalt auf.

Die durchschnittliche Kinderzahl hannoverscher Familien liegt bei 1,6 je Familie, wobei die Anzahl der Kinder in Abhängigkeit vom Familientyp variiert. Die Spanne reicht von durchschnittlich 1,3 Kindern bei allein erziehenden Vätern bis zu 1,7 Kindern in Familien mit Migrationshintergrund. Mi-grantInnen der zweiten Generation gleichen sich dem generativen Muster von Frauen ohne Migrationshintergrund an.

Elterngeld

Knapp ein Viertel der 6.200 bewilligten Anträge auf Elterngeld wurden im Jahr 2010 von Vätern gestellt. Drei Viertel der Väter nutzen nur genau die zwei Partnermonate, deren Anspruch ansonsten verfällt.

Kinderbetreuung

Verlässliche Kinderbetreuung ist für Familien eine der wichtigsten Rahmenbedingungen, wenn es um die Vereinbarkeit von Kind und Erwerbstätigkeit, frühkindliche Bildung oder auch um Entlastung im Familienalltag geht. Hannover wurde daher das Angebot der Kleinkindbetreuung im letzten Jahrzehnt mehr als verdoppelt. Die Betreuungsquote stieg – trotz anwachsender Kinderzahlen von 13,1 Prozent im Jahr 2000 auf 28,7 Prozent im Jahr 2010 (das entspricht 42,8 Prozent der Kinder im rechtsanspruchsrelevanten Alter). Gleichzeitig wurde das Angebot an Ganztagsbetreuungsplätzen im Kindergarten auf 84 Prozent erhöht.

"Sandwich-Familien"

Ein besonderes Augenmerk legt das Monitoring auf Familien der mittleren Generation, die Kinder, Pflege und Beruf zu vereinbaren hat. In Anlehnung an gesamtdeutsche Zahlen wird geschätzt, dass drei bis maximal sechs Prozent der hannoverschen Familien dreifach belastete "Sandwich-Familien" mit sehr hoher zeitlicher, körperlicher und emotionaler Belastung sind.

Armutsrisiko

Von Armut betroffen ist rund ein Viertel der Familien, allein Erziehende doppelt so häufig wie andere. Das Armutsrisiko erhöht sich mit Anzahl der Kinder. Bei über einem Drittel der Familien, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II ("Hartz IV") beziehen, zählen die Erwachsenen zu den so genannten "working-poor", das heißt, ihr Erwerbseineinkommen liegt unterhalb des Existenzminimums. Hannover bewegt sich mit dieser Quote im Bundesdurchschnitt.

Kleinräumige Betrachtung – Situation in den Stadtteilen

Armutsquote von Familien

Ende Dezember 2008 reichte die Spanne von 1,6 Prozent (Isernhagen-Süd) bis 55,7 Prozent (Mühlenberg). Überdurchschnittlich von Armut betroffen (38 Prozent und mehr) sind Familien in Vahrenheide, Sahlkamp, Hainholz und sowie Linden-Süd und Bornum. In den Stadtteilen Lahe, Isernhagen-Süd, Waldhausen, Waldheim, Zoo und Seelhorst spielt der Armutsanteil unter Familien eine geringe Rolle (unter sechs Prozent).

Anzahl von Familien und Kindern

In den einwohnerstärksten Stadtteilen (List, Südstadt) leben absolut die meisten Familien, überdurchschnittlich viele in Stadtteilen mit hohem Anteil an Neubaugebieten (z. B. Seelhorst, Bemerode, Lahe), und in Stadtteilen mit besonderem sozialem Handlungsbedarf (Mühlenberg, Sahlkamp).
Die Wohnorte allein Erziehender konzentrieren sich in Stadtteilen mit eher preisgünstigen Wohnungen im Altbaubestand.

Die absolut meisten der 4.700 Säuglinge, die Anfang 2011 in Hannover lebten, wurden in die einwohnerstarken, familienreichen und innenstadtnahen Stadtteile "hineingeboren". In den Stadtteilen Mühlenberg, Bornum und Waldhausen gibt es überdurchschnittlich viele Säuglinge (sechs Prozent und mehr), in Mitte, Nordstadt, Heideviertel und Döhren sind Babys mit einem Anteil von unter 3,5 Prozent seltener zu finden.

In Stadtteilen, in denen ein hoher Anteil an Familien mit drei und mehr Kindern lebt, werden zwei prinzipiell unterschiedliche Sozialstrukturen sichtbar: Großfamilien mit drei und mehr Kindern leben sowohl in gut situierten Stadtteilen wie Waldhausen oder Lahe, als auch in sozial prekären Quartieren innerhalb von Stadtteilen wie dem Mühlenberg, Hainholz oder Sahlkamp.

Wohnen im Familienverbund mit bereits erwachsenen Kindern (bis 26 Jahre) ist sowohl eine Platz- als auch eine Kostenfrage. Einerseits sind es die Stadtteile mit hohen Ein- und Zweifamilienhausanteilen in Stadtrandlage (wie Wettbergen, Davenstedt, Wülferode oder Lahe), die ein räumlich entspanntes familiäres Zusammenwohnen mit erwachsenen Kindern ermöglichen. Andererseits finden sich auch in Mittelfeld, Sahlkamp und Mühlenberg überdurchschnittlich viele Familien mit jungen Erwachsenen. Hier ziehen trotz relativ engen räumlichen Verhältnissen junge Erwachsene aus finanziellen Gründen später aus.

Kontakt

Ansprechpartnerinnen für das Familienmonitoring sind in der Koordinationsstelle Sozialplanung des Jugend- und Sozialdezernates Dr. Silke Mardorf, Telefon 168-46966 und Elke Sauermann, Telefon 168-46459.

Die Gesamtversion des Familienmonitorings 2011 steht als pdf im Internet zur Verfügung unter www.hannover.de  Stichwort "Familienmonitoring 2011".

Kategorie: Familien

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