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Asbestzementschlamm soll sicher gelagert werden

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Region Hannover will sich mit 500.000 Euro an der Entsorgung der Fulgurit-Halde beteiligen 

Wenn die Regionsversammlung zustimmt, wird sich die Region Hannover mit einem Investitionskostenzuschuss in Höhe von 500.000 Euro an der Entsorgung der Asbestzementschlammhalde der ehemaligen Firma Fulgurit in Wunstorf-Luthe beteiligen. Die 133.000 Kubikmeter Haldenmaterial sollen auf der Deponie Hannover-Lahe des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) abgelagert werden. Von allen möglichen Varianten zur Sanierung der Altlast sei dies unter Berücksichtigung von Sicherheits-,  Umweltschutz-  und Kostenaspekten die beste Lösung, betonte Regionspräsident Hauke Jagau heute vor Vertretern der Medien. Die Gesamtkosten des Entsorgungsprojektes, für das EFRE- und Landesmittel in Höhe von 3,5 Millionen beantragt werden sollen, beziffern Gutachter auf 5 Millionen Euro.

„Die Halde kann so nicht liegen bleiben, es muss etwas passieren“, stellte der Regionspräsident klar: „Als zuständige Abfallbehörde kann die Region Hannover nicht die Augen vor den latenten Gefahren verschließen, die von dieser nicht genehmigten Deponie für die Umwelt und für die Gesundheit der Menschen ausgehen.“

Die Sorgen und Ängste der Menschen in Luthe wie in Lahe, die durch die Verlagerung und Deponierung der Halde erst recht Beeinträchtigungen ihrer Lebensqualität befürchteten, nehme er ernst, sagte Jagau. Der Regionspräsident kündigte für den März Informationsveranstaltungen an, die den Bürgerinnen und Bürger im Umfeld von Halde und Deponie an, Aufschluss über das weitere Verfahren geben sollen.   

Die Asbestzementschlammhalde in Luthe entstand ab Mitte der 30-er Jahre des letzten Jahrhunderts bis etwa 1973 aus Produktionsrückständen der Firma Fulgurit. Wind und Wasser setzen der nur mit einer dünnen Bodenschicht bedeckten Halde zu.

Regenwasser dringt in den Deponiekörper ein und bildet alkalisches Sickerwasser, das im Grundwasserbereich vorhandenes Arsen natürlichen Ursprungs auswäscht. Durch Erosionsprozesse haben sich Risse in der Haldenoberfläche gebildet. Bäume mussten schon entfernt werden, die bei einem Umsturz durch ihr Wurzelwerk asbesthaltiges Material an die Oberfläche gebracht hätten.

„Solange das Haldenmaterial feucht ist, besteht nur eine sehr geringe Gefahr der Faserfreisetzung. Gelangt der Asbestzementschlamm jedoch frei an die Oberfläche, trocknet er aus, das Material wird brüchig und Asbestfasern können abgeweht und in die Umgebungsluft ausgetragen werden“, erläuterte Umweltdezernent Prof. Dr. Axel Priebs.

Untersuchungen der Prof. Burmeier Ingenieurgesellschaft mbH belegen, dass das Material Asbestanteile von bis zu 7 Prozent Gewichtsanteilen enthält, die Freisetzung von Asbestfasern beim Abgraben des Haldenmaterials und beim Wiedereinbau des Materials auf einer Deponie aber sehr gering ist, wenn das Material feucht gehalten wird.

„Ein Feldversuch zur Faserfreisetzung ergab mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit Werte unterhalb der nach einer Asbestsanierung in Innenräumen und arbeitsschutzrechtlich zulässigen Faserkonzentration“, berichtete Gerhard Meyer, Leiter des Fachbereichs Umwelt der Region Hannover. Das Haldenmaterial ist nach Aussagen des zuständigen Staatlichen Gewerbeaufsichtsamts Hildesheim ablagerungsfähig auf Mineralstoff- und Hausmülldeponien. Ein Transport mit LKW ist zulässig, wenn das Material feucht transportiert wird und die Ladeflächen mit Planen abgedeckt sind.

Da die Deponie in Lahe gegenwärtig formal nicht für asbesthaltige Abfälle zugelassen ist, muss zunächst ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Frühestens im Spätsommer 2008 könnte die Verlagerung beginnen.

Die Umweltverwaltung der Region Hannover hat auch die technischen Möglichkeiten einer Sicherung der Halde an Ort und Stelle untersuchen und die jeweils aufzuwendenden Investitions- und Unterhaltungskosten schätzen lassen:

Sicherungs-
variante
Herstell-
kosten
(brutto)
Nachsorge-
kosten/Jahr
(brutto)
Gesamtkosten
50 Jahre
(brutto)
Bewertung
Sicherung nach
Deponierecht
2,2 Mio. € 31.400 € 3,8 Mio. € nicht
realisierbar,
Grundstück
zu klein
Sicherung steile
Böschungen
1,6 Mio. € 51.700 € 4,2 Mio. € nicht realisierbar,
Sickerwasser
Sicherung mit
Spundwand
3,5 Mio. € 29.600 € 5,0 Mio. € realisierbar
Sicherung durch
Halle
4,6 Mio. € 71.700 € 8,2 Mio. € realisierbar,
hohe Kosten

„Von den untersuchten vier Varianten sind die Varianten ‚Sicherung nach Deponierecht’ und ‚Sicherung steile Böschungen’ nicht realisierbar“, kommentierte Gerhard Meyer die Ergebnisse der Variantenabschätzung.

Bei einer Sicherung nach Deponierecht müssten benachbarte Betriebsflächen der Spedition Neukirch in Anspruch genommen werden. Eine Bereitschaft, die benötigten Flächen zu veräußern, könne nicht erwartet werden, da sie als betriebliche Verkehrsflächen dann nicht mehr für den Speditionsbetrieb zur Verfügung stünden. .

Die Variante einer Sicherung steiler Böschungen durch sogenannte Geozellen erlaube keine wasserundurchlässige Abdichtung. Damit könne ein weiterer Eintrag alkalischen Sickerwassers in das Grundwasser und damit eine weitere Mobilisierung und Auswaschung von natürlich vorhandenem Arsen nicht wirksam verhindert werden.

Eine Sicherung der Altdeponie mit Spundwänden oder durch eine Halle („Sarkophag“) seien realisierbar, wenngleich beide das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen würden. Angesichts der deutlich höheren Gesamtkosten einer Überbauung der Halde durch eine Halle bliebe als verhältnismäßige Variante einer Sicherung vor Ort (durch abfallrechtliche Sicherungsanordnung) nur eine Sicherung mit Spundwand.

Die Möglichkeit einer Ablagerung auf der Deponie Kolenfeld wurde auch geprüft und wegen höherer Kosten verworfen. Eine Umfrage der Niedersächsischen Gesellschaft zur Endablagerung von Sonderabfall mbH (NGS) hat weiterhin ergeben, dass außerhalb des Regionsgebietes zwar mehrere Deponien bereit und in der Lage sind, das Haldenmaterial aufzunehmen, jedoch allein für das Einlagern des Deponats Gebühren von 6,09 bis 12,38 Mio. Euro gefordert werden.

„Wenn die Asbestzementschlammhalde nicht an Ort und Stelle dauerhaft gesichert, sondern abgetragen und das Haldenmaterial in einer dafür zugelassenen Deponie abgelagert wird, eröffnet sich die Möglichkeit, das Haldengrundstück durch Sanierung gewerblich nutzbar zu machen“, hob Prof. Priebs den wirtschaftlichen Vorteil der Laher Lösung hervor: „Sofern ein derartiges Vorhaben ohne rechtliche Verpflichtung durchgeführt wird, eröffnet sich die Möglichkeit, dafür eine Zuwendung des Landes Niedersachsen aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und aus landeseigenen Mitteln zu erhalten.“

Die Gesamtkosten des Projektes sind von Gutachtern mit netto ca. 5 Mio. Euro ermittelt worden. Sie sollen durch EFRE-Mittel in Höhe von 2,5 Mio. Euro, Landesmittel in Höhe von 1,0 Mio. Euro und einem noch nicht feststehenden Investitionskostenzuschuss der Stadt Wunstorf und im Übrigen von der Eichriede-Projekt GmbH finanziert werden.

Der Investitionskostenzuschuss der Region in Höhe von 500.000 Euro ist gesperrt bis zur Freigabe durch die Regionsversammlung und der haushaltsrechtlichen Genehmigung. Die Regionsverwaltung wird die Freigabe der Haushaltsmittel erst dann beantragen, wenn ein Sicherungs- und Sanierungsvertrag mit der Fulgurit Holding GmbH als verantwortlicher Deponieinhaberin  abgeschlossen ist und parallel dem Abschluss eines Finanzierungs- und Durchführungsvertrages mit der Eichriede-Projekt GmbH, Eigentümerin des Haldengrundstücks zugestimmt wird.
Ungeachtet des Finanzierungsvorbehalts sind politische Beschlüsse bereits jetzt erforderlich, da der EFRE-Förderantrag durch die Eichriede-Projekt GmbH bis Ende April 2008 gestellt sein muss.

pdf Drucksache 6/2008 – Fulgurit – Asbestzementschlammhalde in Wunstorf-Luthe

PM: Region Hannover
 

Kategorie: Politik

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