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Energieverbrauch niedriger als erhofft

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Ein Jahr Regionsneubau:

Büros für 300 Regionsmitarbeiter, ein Saal für die Sitzungen der Regionsversammlung und Veranstaltungen – seit einem Jahr ist der Regionsneubau an der Hildesheimer Straße 18 in Betrieb. Das Besondere: Mit dem Neuen Regionshaus wurde in Deutschland erstmals der Standard „Energieoptimiertes Bauen“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in einem PPP-Verfahren umgesetzt. Das Ziel: Im laufenden Betrieb sollte nur etwa halb so viel Energie verbraucht werden wie in einem vergleichbaren konventionellen Verwaltungsbau.

Die erste Zwischenbilanz zeigt: Das Ziel wurde erreicht – und sogar noch übertroffen. Das hat Diplom-Ingenieur Stefan Plesser von der Technischen Universität Braunschweig am Dienstag im Pressegespräch bestätigt. Der Experte des IGS – Institut für Gebäude- und Solartechnik hat das Vorhaben von Anfang an mit einer wissenschaftlichen Untersuchung begleitet. „Die selbst gesteckten Ziele waren schon ambitioniert. Und selbst diese Grenzwerte sind unterschritten worden“, sagt Plesser.

In Zahlen heißt das: Der Heizwärmeverbrauch liegt bei knapp der Hälfte des üblichen Verbrauchs, der Stromverbrauch wurde gegenüber dem Referenzwert um mehr als 30 Prozent gedrosselt. Betrachtet man entsprechend der neuen Energieeinsparverordnung die Primärenergie für den Betrieb des Gebäudes – also für die Heizung und Strom ohne die Ausstattung wie PCs oder die Küche, so war das Ziel, halb so viel zu verbrauchen wie üblich, nämlich 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter statt 200. Tatsächlich ergaben Messungen einen Wert von nur 80 Kilowattstunden pro Quadratmeter.

„Ein toller Erfolg“, lobte Regionspräsident Hauke Jagau während der Präsentation der Daten. „Das zeigt, dass es sich lohnt, in energetische Bauprojekte zu investieren.“ Angesichts steigernder Energiepreise sei die Entscheidung für einen energieeffizienten Neubau  doppelt richtig gewesen. Er erinnerte daran, dass auch die Baukosten von circa 11 Millionen Euro niedriger waren als bei einem herkömmlichen Gebäude.

Erreicht wurde die Energieeinsparung unter anderem dank eines ausgetüftelten Heiz- und Kühlsystems sowie elektronisch gesteuerter Licht- und Sonnenschutzanlagen. Die Jalousien an den Fenstern reagieren auf den Lichteinfall und öffnen und schließen sich automatisch. Die Innenraumbeleuchtung funktioniert über Präsenz- und Helligkeitssensoren. Im Winter sorgen luftdichte Fenster und eine 16 Zentimeter dicke Dämmschicht aus  Mineralwolle in den Außenmauern dafür, dass die Wärme in den Räumen bleibt.

„Das Gebäude hat Vorbildcharakter“, ist sich Annette Malkus-Butz, Leiterin des Service Gebäude, sicher. Über den Neubau werde in Fachpublikationen berichtet, Expertengruppen kämen zur Besichtigung. „Das ist ein schöner Nebeneffekt.“

Für Barbara Thiel, die als Dezernentin nicht nur für die Finanzen zuständig ist, sondern auch für die Gebäude der Region Hannover, zählt auch die finanzielle Einsparung. „Auf die Dauer bedeutet das eine Entlastung von schätzungsweise 40.000 Euro pro Jahr“, sagt sie. Seit Dienstag hat sie die besondere Qualität des Regionsgebäudes auch Schwarz auf Weiß: Plesser übergab den Energieausweis für das Gebäude, gültig bis 2018.

Für die Zukunft erwartet Plesser noch bessere Werte: „Die Nutzung so eines Gebäudes muss sich ja erst einspielen“, sagt er. So werden die Erdsondenanlage und die Betonsaktivierung erst in diesem Sommer richtig in Betrieb gehen: In den Decken befinden sich Kunststoffrohre, durch die im Sommer kaltes Wasser gepumpt wird, um die Raumwärme aufzunehmen und die Temperatur angenehm zu halten. Über Erdsonden wird das Wasser anschließend wieder gekühlt. „Man muss bei so einem Vorhaben vorsichtig vorgehen“, sagt der Diplom-Ingenieur. „Man weiß vorher nicht exakt, wie das Gebäude und das Erdreich thermisch reagieren.“ Ist die Erde erst einmal aufgeheizt, lässt sie sich nur schwer wieder herunterkühlen. Im ersten Jahr habe sich aber gezeigt, dass die Systeme ausreichend dimensioniert sind.

Der Fachmann geht außerdem davon aus, dass in Zukunft noch weniger Heizwärme beim Lüften nach außen verloren geht bzw. warme Luft im Sommer nach innen dringt. Anfangs hätten viele Mitarbeiter häufig gelüftet, um den Geruch nach frischer Farbe zu mildern und weil die Wände womöglich noch feucht waren. Grundsätzlich sei es wichtig, kurz und mit weit geöffnetem Fenster zu lüften, statt die Fenster den ganzen Tag auf Kipp zu stellen, empfiehlt Plesser. Weiterer Tipp: Nicht komplett gegen den automatischen Sonnenschutz zu steuern. Grundsätzlich ist es aber für die Mitarbeiter möglich, den Sonneschutz individuell einzustellen, aber die Regelung schütz die Räume vor Überhitzung. „Für ein neues Gebäude ist es typisch, dass es nach und nach im Gebrauch optimiert wird und sich die Nutzer darauf einstellen“, sagt der Wissenschaftler.

PM: Region Hannover

 

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