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Kohle ist nicht die Antwort

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die-gruenenWarum die Beteiligung der Stadtwerke Hannover an dem E.ON Kohlekraftwerk bei Hanau ökonomisch und ökologisch falsch ist. Ein Beitrag von Jens Allerheiligen, grünes Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtwerke AG.

Die Stadtwerke Hannover haben sich mit einem Anteil von 25,2 % an dem Block 6 des Steinkohlekraftwerkes Staudinger mit 1.100 MW Leistung beteiligt. Die anteiligen Investitionskosten betragen ca. 300 Millionen Euro. Die Motivation der Stadtwerke für diese Beteiligung war eine Stärkung des Unternehmens und eine hohe Rendite auf das eingesetzte Kapital, die letztendlich den Eigentümern zugute kommen sollte.

Die Wirtschaftlichkeit ist zweifelhaft

Drei Jahre nach dem Beteiligungsbeschluss, haben sich die Rahmenbedingungen jedoch deutlich verschlechtert:

  • Aufgrund der weltweit hohen Nachfrage nach Kraftwerken haben sich die Preise für Kraftwerkskomponenten mehr als verdoppelt. Zwar wurden schon einige Komponenten zu günstigen Preisen gesichert, jedoch werden die Investitionskosten für das Kraftwerk voraussichtlich deutlich über den ursprünglichen Planungen liegen.
  • Die Weltmarktpreise für den Rohstoff Kohle sind in den letzten drei Jahren um ca. 250 % gestiegen. Somit sind auch die geplanten Betriebskosten deutlich höher als geplant. Zwar sind auch die anderen konventionellen Rohstoffe Gas und Öl gestiegen, jedoch gerät man gegenüber den kostenlosen "Rohstoffen" Sonne, Wind und Wasser immer mehr in Nachteil.
  • Ab dem Jahr 2013 sollen die CO2-Emissionszertifikate nach den Plänen der EU-Kommission vollständig versteigert werden. Durch die Versteigerung der Zertifikate bei einem verknappten Angebot entstehen zusätzliche hohe Betriebskosten, die zum Zeitpunkt der Investitionsentscheidung nicht absehbar waren. Gaskraftwerke haben deutlich geringere CO2-Emissionen, Erneuerbare Energien haben keine CO2-Emissionen. Aufgrund der hohen Emissionen entsteht also zukünftig ein weiterer Wettbewerbsnachteil.

Betrachtet man die aufgeführten Aspekte, so kann die ursprünglich erwartete Rendite nur dann erzielt werden, wenn die Kostensteigerungen an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben werden können. In einem liberalisierten Energiemarkt wird das nur bedingt gelingen. Schon in wenigen Jahren wird die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien günstiger als die konventionelle Stromerzeugung sein.

Ökologische Milchmädchenrechnung

Die Stadtwerke argumentieren, dass durch die Kraftwerksbeteiligung 350.000 Tonnen CO2 eingespart werden, weil dadurch alte Kohlekraftwerke mit einem schlechteren Wirkungsgrad ersetzt würden.

Tatsache ist, dass gar keine alten Kraftwerke ersetzt, sondern zusätzliche Kraftwerkskapazitäten aufgebaut werden. Sowohl bei den Stadtwerken, als auch bei E.ON als auch bundesweit insgesamt werden deutlich mehr neue Kohlekraftwerkskapazitäten geplant als stillgelegt. Warum auch sollte sich ein Energieversorgungsunternehmen von einer abgeschriebenen Gelddruckmaschine verabschieden, zumal die Vorstände der Unternehmen ihren Aktionären verpflichtet sind. Durch den Zubau der neuen Kraftwerke würden zurzeit nicht alte Kohlekraftwerke, sondern die relativ sauberen Gaskraftwerke aus dem Strommarkt verdrängt, weil diese (noch) höhere Betriebskosten haben.

Die Angst vor der Stromlücke

In den letzten Wochen wurde von einigen Vertretern der Energiewirtschaft das Gespenst der Stromlücke an die Wand gemalt, um den Bau von neuen Kohlekraftwerken und die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken zu begründen. Gemeint ist, dass Deutschland zukünftig mehr Strom verbrauchen als erzeugen würde und die Differenz importiert werden müsste, weil der Aufbau von regenerativen Erzeugungskapazitäten nicht so schnell erfolgen kann. Wo ist das Problem? Selbst wenn es zu einer vorübergehenden Stromlücke kommen sollte, was von einigen seriösen Instituten bestritten wird, wäre diese Lücke nicht schlimmer als die Öllücke, die Gaslücke oder die Kohlelücke, die seit langem bestehen und durch den Ausbau der regenerativen Energien und einem effizienteren Einsatz durch Kraftwärmekopplung schrittweise und nachhaltig geschlossen werden können.

Die Zukunft ist effizient und erneuerbar

Aufgrund des relativ alten Kraftwerkparks besteht in Deutschland zurzeit eine gute Chance, eine effiziente, nachhaltige und umweltschonende Energieversorgung aufzubauen und die Abhängigkeit von teuren Rohstoffimporten deutlich zu vermindern. Diese Chance sollte nicht durch die Zementierung veralteter Strukturen vergeben werden. Investitionen in Kondensationskraftwerke auf der grünen Wiese sind der falsche Weg. Die Stadtwerke Hannover sollten die Chance nutzten und durch den Ausbau der zentralen wie dezentralen Kraftwärmekopplung und durch die Investition in erneuerbare Energien die Zukunft des Unternehmens sicherstellen. Sowohl die wachsenden Risiken der konventionellen Energieerzeugung als auch die wachsenden Chancen einer Energiewende sollten bei zukünftigen Entscheidungen berücksichtigt werden.

Bündnis 90/Die Grünen werden sich weiterhin zum Wohl des Unternehmens, der Stadt und der Umwelt für eine zukunftsfähige Energieerzeugung bei den Stadtwerken Hannover einsetzen.

Zur Person:

Jens Allerheiligen, 39 Jahre alt, vertritt seit Dezember 2006 auf Vorschlag der grünen Ratsfraktion die Stadt Hannover im Aufsichtsrat der Stadtwerke Hannover AG. Beruflich ist er für die Betriebs- und Geschäftsführung mehrerer Wind- und Solarenergiefonds bei der Windwärts Energie GmbH verantwortlich.

www.gruene-hannover.de

PM: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Regionsverband Hannover

 

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