Deutschpflicht auf deutschen Schulhöfen ?

Straat Bergen op Zoom

Hoi hallo, in den letzten Wochen wurde immer wieder die Deutschpflicht auf deutschen Schulhöfen diskutiert. Ich bin nicht Teil des Schulsystems und weiß darauf auch keine pauschale Antwort. Aber ich lebe ja nun seit Sommer im Ausland und habe so meine Erfahrungen gemacht, was es bedeutet in einem Land mit einer anderen als meiner Muttersprache zu leben. Diese Erfahrung möchte ich heute mit euch teilen.

Menschen in kleineren Ländern haben einen großen Vorteil gegenüber uns Deutschen. Sie schauen alle großen Filme in der Originalsprache. Deshalb spricht hier gefühlt jeder relativ gut englisch. Viele besonders ältere Menschen sprechen außerdem deutsch. Das haben früher noch alle in der Schule lernen müssen. Außerdem leben Städte wie Amsterdam oder Zeeland vom Tourismus. Dort ist man auf Deutsche eingestellt und spricht in der Regel deutsch. Theoretisch käme ich hier also schon durch, ohne niederländisch zu sprechen. Das tun tatsächlich auch viele. Ich kenne Leute, die leben seit Jahren hier und schlagen sich ausschließlich mit englisch und ein paar niederländischen Floskeln durch.

Finde ich das gut? Nein sicher nicht. Ich habe schon vor dem Hauskauf hier begonnen, niederländisch zu lernen. Ich gehe inzwischen ein paar Tage die Woche arbeiten, um die Sprache mehr zu sprechen. Wenn du im Job ausschließlich mit deutschen Kunden zu tun hast, wird das ja nicht besser :-). Ich arbeite in einem Unternehmen, wo Menschen vieler Nationalitäten arbeiten. Deshalb gibt es zwei quasi zwei Amtssprachen, niederländisch und englisch. Seitdem viele neue Mitarbeiter aus der Ukraine und Polen kommen, gibt es eine dritte Sprache auf dem Flur: russisch.

Seitdem hat sich einiges geändert. Denn es fehlt etwas Grundlegendes. Kommunikation ist nicht mehr mit allen möglich. Das empfinde ich als ziemlich großes Problem. Damit gehen nicht nur Informationen verloren, die wichtig sind für die Arbeit, sondern auch Persönliches. Auch wenn du Kollegen und Kolleginnen nicht sehr nahe stehst, kennst du meist den Background. Du hast Verständnis für die alleinerziehende Mutter, weil sie eine harte Nacht hinter sich hat oder an schulfreien Tagen Urlaub braucht. Du hast Verständis für die Kollegin oder den Kollegen, die nebenbei ein eigenes Business hochziehen oder neuerdings für den aus der Ukraine, dessen Heimatstadt mit Raketen beschossen wird. Auch wenn du nicht viel Persönliches von jemandem weißt, macht das bisschen, was du weißt, die Menschen menschlich und du verhälst dich anders, in der Regel verständnisvoller.

Ich persönlich finde, es macht noch mal einen Unterschied, ob du eine gemeinsame Sprache findest, oder ob du dir die Mühe machst, die Sprache des Landes lernst, in dem du lebst. Ich bin im Unternehmen eine der wenigen Ausländerinnen, die konsequent mit den Einheimischen abhängt und niederländisch spricht. Ich habe schon das Gefühl, dass das von den niederländischen Kollegen wahrgenommen wird. Ich fühle mich mehr eingebunden als andere ausländische Kollegen und Kolleginnen, weil die oft auch nur einen einfachen Kommunikationsweg suchen. Auf der anderen Seite trennt uns das Nichtsprechen einer gemeinsamen Sprache. Es verunsichert, wenn Menschen neben dir in einer Sprache tuscheln, die du nicht verstehst. Reden oder lachen sie jetzt über dich? Oder geht es um etwas ganz anderes? Das sorgt nicht selten für Zündstoff.

Sprache verbindet. Für mich ist es neben dem Praktischen, die Landessprache zu sprechen, auch eine Frage von Respekt. In den Niederlande ist die offizielle Sprache niederländisch. In Deutschland ist die offizielle Sprache deutsch PUNKT. Englisch ist eine gute Übergangslösung. Aber am Ende muss man die Landessprache sprechen. Wie schwierig waren am Anfang offizielle Gespräche mit Behörden, Banken oder Ärzten? Aber wenn man dran bleibt, wird es mit jedem Mal besser. Ich sehe es auch von der anderen Seite. Meine Gemeinde beispielsweise vergibt Termine im 10 Minuten Takt. Wenn zu viele Menschen kommen, die die Sprache nicht sprechen und damit keine Formulare lesen und ausfüllen können und eine Begleitung/Übersetzung erwarten, gerät der Zeitplan komplett durcheinander. So ist es überall.

Ihr seht es, ich finde es super wichtig für die Integration, dass man die Landessprache spricht. Sie verbindet uns alle miteinander. Anders steht man immer ein bisschen außen vor oder wird Teil einer Subkultur. Ob man die Deutschpflicht auf deutschen Schulhöfen durchsetzen kann oder ob dadurch neue Probleme auftreten, das weiß ich nicht. Aber so oder so bin ich im Team #gemeinsamesprache.

Bis bald Bianca

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