existenzgründung

existenzgründung I

… scheint gerade wieder zum jahreswechsel ein thema zu sein. eigentlich sind das ganze letzte jahr immer mal wieder existenzgründerinnen bei limetrees vorbeigekommen. viele haben mich auf einer veranstaltung des arbeitsamtes gesehen, zu der ich im letzten frühjahr eingeladen war, und haben dann mal im laden vorbeigeschaut.

sie kamen mit ganz unterschiedichen vorstellungen. die einen wollten von mir hören, dass bei ihrer idee nichts schief gehen könne, andere wollten meine unterstützung, indem ich ihre produkte in meinem laden verkaufe, wieder andere wollten meine produkte haben einschließlich von mir finanzierter werbekampagne für deren laden (weil ich ja schließlich auch da verkaufen würde), noch andere wollten verzeichnisse aller meiner händler, damit sie sich lästige (und teure) messebesuche ersparen, wieder andere hatten großes interesse an meinen agb´s (ich bin´s inzwischen leid zu sagen, dass die auf meine persönliche shopsituation angepaßt sind, nicht immer und schon gar nicht für jeden beliebigen shop abmahnsicher sind, dass ich mich manchmal bewußt gegen deutsches recht entscheide, weil es auch noch das eu-recht gibt, und es nicht beiden recht machen kann :-) …).

all diese fragen habe ich im laden noch nie beantwortet und werde ich auch hier nicht machen. aber neben dieser ersten gruppe gab es auch viele menschen, die einfach den austausch suchten, allgemein: wie war das bei dir? wie bist du an die sache rangegangen? wo fängt man an? wo bekomme ich hilfe? wer kann mich unterstützen? das sind fragen, bei denen ich gerne weiterhelfen möchte … soweit ich das kann; denn allwissend bin ich genauso wenig wie ihr *kicher*. nur wie sagte der existenzgründer-berater beim arbeitsamt damals: “sie können es schaffen; denn sie können hartnäckig sein und trauen sich, fragen zu stellen.” ich hatte damals wochen gebraucht, einen termin zu ergattern, weil ich noch nicht arbeitslos war, aber ahnte, dass das irgendwann auf mich zukommen würde (das arbeitsamt darf wohl eigentlich nur dann tätig werden, wenn man “sicher” arbeitslos ist/wird, verrückt, oder?) … ich wußte gar nicht, wie es weitergehen sollte, welchen weg ich einschlagen wollte, ich wollte einfach nur meine möglichkeiten checken … natürlich sind das nicht die einzigen fähigkeiten, aber sie helfen wirklich weiter. die hartnäckigkeit ist gut im umgang mit behörden und institutionen … und fragen stellen ist auch gut … es gibt so viele menschen, die interessantes zu erzählen wissen …

puh, ich wollte doch gar nicht so viel text schreiben … deshalb ist heute erst mal schluß an dieser stelle. die nächsten tag möchte ich einiges zum thema “auf der suche nach einer idee” schreiben. wen´s interessiert, einfach mal die nächsten tage reinschauen …

existenzgründung II

auf der suche nach einer idee … gar nicht so einfach. es gibt so viele möglichkeiten, aber welche ist die passende für einen selbst? es spukt etwas im kopf herum, aber ist das richtige? ist es realisierbar? finanzierbar? ich hatte am anfang ein paar rahmenbedingungen für mich festgelegt, eine idee, aber alles war sehr wage …

da kam mir eine veranstaltung der ihk recht. die bieten hier in hannover einmal im jahr einen gründer(innen)tag an – gibt es bestimmt auch bei jeder anderen ihk, einfach mal nachfragen. ich ließ mich einfach treiben, weil alles noch so unfertig war in meinem kopf :-). ich hab mir vorträge von anderen existenzgründern angehört – das finde ich immer noch spannend :-).  wußtet ihr beispielsweise, dass die bei der ihk listen von unternehmen haben, die einen nachfolger suchen? ich kann mich noch an eine rednerin erinnern, die mich beeindruckt hat. sie hat sich für franchise entschieden, etwas, was so überhaupt nichts für mich wäre :-). aber sie sagte: ich habe nach etwas gesucht, wo mir nicht jeden tag einer reinquatscht, meinen tag bestimmt und schlechte laune verbreitet … sie sagte auch, sie sei überhaupt nicht kreativ, suche auch nichts, um sich selbst zu verwirklichen, sei also dankbar, dass jemand anderes das “rahmenprogramm” vorgäbe. sie wollte einfach nur ihr eigener chef sein …

nach diesem vortrag war mir klar, dass ich mich ein bischen mehr mit mir selbst beschäftigen mußte, bevor es weitergehen konnte … mußte mich EHRLICH mit mir, meinen fähigkeiten und meiner beziehung auseinander setzen. das hat einige wochen in anspruch genommen. danach hätte ich die veranstaltung der ihk gerne noch einmal besucht, weil ich dann für ganz andere informationen bereit war …

ich hab mal vor ewigkeiten mal verschiedene tests bei der agentur für arbeit gemacht, weil ich mich für keinen beruf entscheiden konnte. ich weiß gar nicht, ob es so etwas heute noch gibt oder nicht. an die tests kann ich mich auch gar nicht mehr erinnern, aber ans ergebnis :-). das paßte zu meiner idee, gab mir nach so vielen jahren sicherheit. komisch, oder?

was ist mit euren fähigkeiten/möglichkeiten?

  • habt ihr ahnung von dem, was ihr machen wollt (fachkompetenz)?
  • habt ihr ein bischen kaufmännisches wissen und gespür? ich finde, das braucht man für jede idee, ganz gleich, was man machen möchte … zu diesem thema werden immer wieder weiterbildungsmöglichkeiten, seminare usw. angeboten, so dass man defizite schnell aufholen kann
  • liegt euch das selbstständige arbeiten und alleine entscheiden?
  • könnt ihr mit falschen entscheidungen leben? jeder macht mal fehler … und manche fehler kosten auch geld. damit muss man leben können, ohne jedesmal selbstzweifel zu bekommen.
  • könnt ihr euch überhaupt entscheiden? ich habe immer wieder kundinnen, die zwei oder drei mal wiederkommen, bis sie sich entscheiden können. das ist auch völlig ok – als kundin. als ladenbesitzerin oder designerin beispielsweise muss man sich schneller entscheiden können :-).  ein vertreter kommt nur für ein paar stunden, in denen man entscheidet, wie man ein paar tausend euro für die nächste saison anlegt … und das zur zeit ein paar mal im monat. da heißt es cool bleiben und shoppen :-).
  • wie viel zeit wird eure idee beanspruchen? habt ihr die zeit?
  • paßt das projekt zu eurer lebenssituation? es gibt ideen, die sind gut, passen auch zu einem selbst, aber nicht zu einer bestimmten zeit zum ganzen drumherum. ich habe eine bekannte, die auch kind und laden hat, aber ohne partner lebt. sie beklagt sich immer wieder, alles alleine machen zu müssen und zu wenig zeit fürs kind zu haben. ich hätte es da ja viel besser. ja , habe ich :-). aber ich hätte wahrscheinlich keinen laden und keinen eigenen online-shop, wenn ich nicht einen mann hätte, der mir bei vielem geschäftlichen unter die arme greift und sich mit mir gemeinsam um familie und haushalt kümmert. vielleicht würde ich meine sachen in anderen läden anbieten oder auf einer online-plattform, so dass ich so gebunden wäre wie mit einem eigenen laden. das kann jemand anders aber auch ganz anders sehen und bekommt mit hilfe von personal, freunden und verwandten alles super geregelt :-).

jeder braucht eine auf seine persönliche situation und empfindungen zugeschnittene lösung. was beim einen paßt, muß beim anderen noch lange nicht passen. der eine fühlt sich dann wohl, der andere nicht, wir sind ja alle anders :-). deshalb gibt es da keine pauschalen regelungen …

wenn ihr eine idee habt, schaut sie euch einmal aus der perspektive an, aus eurer ganz persönlichen situation heraus. paßt es? fühlt es sich gut an? dann, nur dann, würde ich weiterschauen, mir gedanken über realisierbarkeit, finanzierung und und und machen :-). ich hab´s mit professioneller hilfe gemacht … demnächst mehr :-).

existenzgründung III

so, heute geht es endlich weiter. sorry, dass es so lange gedauert hat… habt ihr euch in der zwischenzeit etwas mit euch und eurer idee beschäftigt? dann kann es ja weitergehen :-).

seid ihr auch so wie ich? ich kann mich super gut in etwas hineinsteigern, wenn mir etwas gefällt und ich es unbedingt haben will :-). deshalb habe ich mich schon sehr früh an eine beratungsstelle gewandt. ich bin zu den existenzgründerinnen gegangen und habe das bis heute nicht bereut. es gibt auch viele andere beratungsstellen, aber ich war fest davon überzeugt, dass frauen meine idee eher verstehen und beurteilen können als männer :-).

die ersten gespräche waren super, aber auch sehr ernüchternd … meine pläne wurden grundsätzlich für gut und realisierbar befunden – puh erleichterung. außerdem habe ich viel info-material an die hand gekommen. das gute in unserem land ist ja, es gibt für alles statistiken. außerdem gab es die ersten business-pläne, nur ganz grob, ein erster richtwert, weit von dem entfernt, wie es heute ist … ich wollte wissen, wie viel umsatz ich machen muss, wenn ich einen kleinen nicht zu teuren laden habe und mir ein kleines gehalt zahle. wie soll ich sagen? danach habe ich entschieden, dass es irgendwo doch noch einen arbeitsplatz für mich geben muss und das projekt “limetrees” nicht weiter verfolgt wird :-). denn auch dann brauchte man in unserer rechnung einen umsatz, der nah an einer fünfstelligen zahl war … habt ihr das mal auf den tag umgerechnet?

ausgegangen sind wir von einem unternehmen, dass hauptsächlich handel betreibt. produziert man dinge selbst, ist der materialeinsatz natürlich deutlich geringer … dafür der zeitfaktor viel viel höher… eine katze, die sich irgendwann in den schwanz beißt :-). um so besser ein laden läuft, um so weniger zeit hat man, dinge selbst zu produzieren …

was ich sagen will. ich bin froh, so früh ein paar zahlen an die hand zu bekommen. ich wußte nun, was ungefähr auf mich zukäme, wenn ich weitermachen würde. anhand der statistiken wußte ich auch, wie groß “mein” laden sein müßte, damit er überhaupt in der lage sein würde, die gewünschten umsatzzahlen erbringen könnte. natürlich war das alles nur theorie, ein erster einstieg, um sich an die situation zu gewöhnen. aber, wie soll ich sagen? für mich ist das projekt dadurch ein stück greifbarer, realistischer geworden. jetzt hatte ich mehr als eine idee. jetzt hatte ich material, mit dem ich arbeiten konnte.

nicht jeder hat die möglichkeit, sich bei der gründung so viel zeit zu lassen wie ich, für andere ist es vielleicht belastend, dass es nicht wirklich losgeht. für mich war es genau richtig. da es ja schon ein bischen limetrees gab zu dieser zeit, hatte ich schon ein paar reale zahlen an der hand. was brachte der online-handel? was erwirtschaften wir mit dem verkauf unserer produkte an andere geschäfte? waren diese zahlen stabil? gab es große schwankungen? mir ist ja grungsätzlich ganz egal, wo ich meine umsätze erwirtschafte. jedenfalls wurde die schreckenszahl aus den ersten gesprächen so schon etwas kleiner :-).

natürlich muss sich auch jeder, der etwas gründet, überlegen, was er/sie erreichen möchte/muss. wenn jemand mit seinem gewerbe kein geld verdienen MUSS, ist das etwas anderes als wenn man über kurz oder lang davon leben will. je nachdem, was man machen möchte, sind die investionskosten zu beginn unterschiedlich hoch.

als wir mit dem online-shop begonnen haben, haben wir auch mit wenig angefangen: ein bischen ware eingekauft, ein bischen was für den support des online-shops gezahlt, ein bischen rechtsberatung und das war es auch schon fast :-). wir hatten genug geld zum leben. deshalb war es zwar schön, ein bischen mehr geld zu haben, aber nicht notwendig … wir haben keine ware auf pump gekauft, uns aus unwissendheit nicht mit dem thema “abmahnungen” beschäftigt, so dass aus der damaligen sicht das finanzielle risiko überschaubar war … heute würde ich das anders machen.

egal wie klein der shop im netz wäre, ich würde nichts mehr ohne permanente juristische beratung machen. uns hat es zwar bisher nicht wirklich getroffen, aber wenn man aufmerksam in verschiedenen foren liest, statistiken verfolgt, weiß man, dass es sehr viele leute gibt, die wegen vermeintlichen kleinigkeiten sehr viel geld zahlen mußten … ich glaube, im letzten jahr haben wir aufgrund geänderter rechtslagen in deutschland oder der eu zwei oder drei mal unsere geschäftsbedingungen oder widerrufsbelehrungen ändern müssen … wie soll man da alleine auf dem laufenden bleiben?

so, für heute war´s das erst mal. ihr seht ich bin fan von zwei dingen: “nichts überstürzen” und von “beratungen von außerhalb”. so wird es auch demnächst weitergehen; denn konzept und businessplan habe ich natürlich auch nicht alleine gemacht :-).

existenzgründung IV

konzept und finanzplan: zwei sachen, die nicht sehr prickelnd sind, aber sein müssen, finde ich. ich habe während des erstellens sicherlich genauso geflucht und geschlimpft wie viele andere vor mir, gemeckert, wie viel sinnvoller ich meine zeit doch verbringen könne, alles nur fiktion, wenn kein kunde kommt, hat das doch eh alles keinen sinn … wer sich schon einmal damit beschäftigt hat, versteht was ich meine. die anderen werden es irgendwann verstehen :-).

vorlagen, was konzept und finanzplan enthalten sollten, gibt es viele im netz und im buchhandel. ich habe meine unterlagen von hier. wenn man beides gründlich machen möchte, sollte man schon ein paar wochen zeit einrechnen. ich habe beides zusammen mit einem coach gemacht, das heißt, ich habe geschrieben und mit dem coach feste termine vereinbart. bis zu dem termin mußte ich meine “hausaufgaben” machen und abgeben. für mich war es eine gute variante, so konnte ich es nicht endlos vor mir herschieben … aber das muss jeder selbst wissen. der coach, in meinem fall die coachin, hat mein tun kontrolliert und bewertet. so wußte ich immer relativ zeitnah, wo ich noch einmal nacharbeiten mußte, weil es für einen außenstehenden nicht schlüssig war.

im konzept geht es darum, seine geschäftsidee in worte zu fassen. gleichzeitig sollte man sich aber auch gedanken über die erfolgsmöglichkeiten seiner idee machen. dazu ist eine umfangreiche analyse des marktes notwendig. die fünfte döner-bude in einer straße ist sicherlich nicht so erfolgreich wie vielleicht der china-imbiss oder etwas ganz anderes an gleicher stelle … zur eigenen idee kommt also noch der markt und der bedarf hinzu. eine idee kann noch zu gut sein, aber wenn an der stelle kein bedarf ist, wird es nicht klappen … wogegen es an einem anderen standort vielleicht von anfang an gut geklappt hätte …

welche möglichkeiten man so zur bedarfsanalyse hat, erschrecken sicherlich jeden datenschützer. auf irgendeiner veranstaltung habe ich beispielsweise mal ein unternehmen getroffen  -ich glaube, es war ein tochterunternehmen der post- die fragten mich nach meiner idee und welche kunden ich ansprechen möchte. das gaben sie alles schön in den computer ein und kurze zeit später wußte ich, wie viele familien mit kindern in meinem einzugsradius wohnten, wie viel geld denen zur verfügung steht … ich kann mich gar nicht mehr an alle informationen erinnern, war nur sehr erschrocken. natürlich waren keine namen zu lesen und grundsätzlich ging es um werbung per postwurfsendung. deshalb waren die daten aber bis auf einzelne häuser herunterbrechbar. man konnte aus den daten erschließen, in welche häuser man seine werbung werfen mußte und in welche nicht so nach dem motto in der 2 wohnen keine kinder, die 4 hat kein geld usw. zum glück wohnen wir in einem mehrfamilienhaus … :-).
wenn man ausschließlich im internet seine idee vermarkten will, gibt es sicherlich auch möglichkeiten zur recherche. hihi, mein man war neulich auf einer SEO-veranstaltung da war jemand, der achselschweißpads verkauft. sicherlich ein gutes produkt für jemanden, der an einer erkrankung der schweißdrüsen leidet. schade nur, dass im netz kaum einer nach “achselschweißpads” googlet. und wenn keiner googlet, wird man auch nicht gefunden, verkauft man auch nichts …

während meiner gründungsphase haben die coaches immer wieder auf dem “alleinstellungsmerkmal” herumgehackt. du mußt etwas finden, was dich von anderen geschäften unterscheidet, sagten sie immer wieder. damals wollte ich eigentlich dinge für kinder verkaufen. wohnaccessoires, ein paar stoffe, unsere taschen, ein bischen kleidung (hauptsächlich hannoveraner labels) … kindergeschäfte gab es wenige im stadtteil, stoffe gar nicht und unsere taschen haben wir nur an sehr wenige andere geschäfte in der stadt weitergegeben, an keine im stadtteil und an keine mit einer ähnlichen kundengruppe wie wir sie haben wollten. mein erstes konzept wurde schnell vom markt geändert … plötzlich stiegen schon vorhandene geschäfte auch auf kindersachen um und es eröffneten innerhalb des ersten jahres unseres geschäftes immer mehr kindergeschäfte. für mich war klar, mein konzept war zwar schön und schlüssig, paßte aber nicht mehr zum markt. ich wußte irgendwie, dass nicht alle überleben konnten. also hieß es wieder, ein neues konzept muss her-aufbauend auf dem, was limetrees schon war-, ein neuer finanzplan … nix ist für die ewigkeit und auch wenn man ein eigenes geschäft oder ein eigenes label hat, bestimmen andere zu einem gewissen teil mit, was man selbst macht, eine neue erkenntnis für mich damals :-).

für die marktanalyse bleibt mir heute oft nur noch wenig zeit … deshalb frage ich beispielsweise wenn ich mehr sachen eines händlers haben möchte, ob schon andere händler in einem bestimmten PLZ-kreis die produkte vertreiben. wenn ja, bestelle ich einfach nichts, denn es geht mir weiterhin ums “alleinstellungsmerkmal”. wenn ich sachen habe, die es überall anders auch zu kaufen gibt, warum sollte dann jemand ausgerechnet in meinen laden kommen?! kann er doch auch zu xy gehen … inzwischen weiß ich auch firmen mit gebietsschutz zu schätzen, muss ich doch nicht alle labels an den produkten verschwinden lassen … es gab zeiten, da sind die leute nicht zu messen gefahren, sondern zu mir … es gab manche peinliche situation … heute habe ich beispielsweise bei der meterware nur noch herstellerlabels an den produkten, wo ich gebietsschutz habe oder wo es mir nicht so wichtig ist … traurig aber wahr, fair-play ist nicht für alle eine selbstverständlichkeit.

also, wenn ihr euch ans konzeptschreiben macht: findet eine idee, die euch von anderen unterscheidet. bei manchen gewerken reicht oft eine kleinigkeit, ein guter service, bei beratungsintensiven dingen eine kompetente bedienung, seid erfinderisch. ich habe beispielsweise eine freundin, die eine sanitärfirma hat. die bietet badplanungen an wie viele 1000 andere hier in der stadt, aber bei ihr sind zwei sachen anders: zum einen ist sie eine frau :-), zum anderen hat sie ein seminar belegt und gelernt, wie man badentwürfe per hand zeichnen kann. statt nüchterer computerausdrucke gibt es nun handgemalte badezimmereindrücke … auch nur eine kleinigkeit, die von anderen unterscheidet.
schaut, ob es für eure idee einen markt gibt und zwar dort, wo ihr sie umsetzen möchtet. denkt auch mal aus kundensicht über eure idee nach, was nutzt es ihm, dass es euch gibt. überlegt, wie das konzept realisierbar ist. da spielt auch eure persönliche situation rein. stimmen beispielsweise geplanter aufwand mit meinem persönlichen zeitfenster überein? aber genauso der markt, die politik …

ich habe mich während des konzeptschreibens nicht nur mit dem coach ausgetauscht sondern auch mit anderen existenzgründern und -gründerinnen. haben uns untereinander ausschnitte unserer projekte vorgestellt. das war nicht immer einfach. manchmal hat man auch dinge zu hören bekommen, die einen nicht gefielen :-). aber grundsätzlich half es, das eigene projekt objektiver zu sehen und die kundensicht besser kennenzulernen; denn letztendlich waren die anderen gründer(innen) ja potenzielle kunden :-).

wie immer, was ich sage, ist sicherlich nicht für jede(n) das richtige. es ist für mich der richtige weg gewesen. ihr müßt sowohl beim konzept wie auch später EUREN weg finden :-). und nehmt euch zeit, ein ordentliches konzept ist nicht an einem abend geschrieben.

ich wünsch euch noch einen schönen sonntag.

existenzgründung V

dieses thema habe ich aber lange vernachlässigt, sorry. deshalb möchte ich es heute zum abschluss bringen … und zwar mit dem finanzplan … eine sache, die mir damals ziemlich schwer gefallen ist. ich gestehe, auch deshalb, weil ich den sinn darin nicht gesehen habe. mir war alles so hypothetisch. warum sollte ich festlegen, wieviel umsatz ich im monat machen möchte? das nutzt doch nichts, habe ich immer geschimpft. wenn keiner kommen will, ist egal, was in meinem finanzplan steht … meine worte in der gründungsphase …

heute sehe ich das anders. ich bin inzwischen froh, dass die existenzgründerinnen mich damals  gezwungen haben *lach*. ich wußte von anfang an, welche umsätze ich brauche, um leben zu können und merke so relativ früh, wenn etwas schief läuft.

ein finanzplan besteht aus zwei teilen. einmal muss man ermitteln, wie viel geld man im monat für die persönliche lebensführung braucht, der einfachere teil des planes :-). ich würde mir die kontoauszüge der letzten monate zu hilfe nehmen, schauen welche buchungen so abgegangen sind (zeitschriften-abos, versicherungen oder vereine zahlt man ja oft nicht monatlich, also einfach mal durchschauen …). an dieser stelle sollte man sich auch gedanken über die kosten einer kranken- und pflegeversicherung machen sowie der eigenen altersversorgung … wenn man weiß, wie viel geld man braucht, kann man schauen, wo es herkommt :-). vielleicht gibt es einen partner mit einkommen, kinder mit kindergeld, existenzgründerzuschüsse … der rest muss über kurz oder lang vom gegründeten unternehmen erwirtschaftet werden.

dann kommen wir zum tricky teil des planes. nun gilt es auszurechnen, welche kosten für das unternehmen entstehen und wie viel umsatz notwenig ist, die geschäftlichen und privaten kosten zu decken. je nachdem, was ihr plant, ob ihr einen laden, ein atelier oder was auch immer benötigt, holt so viele informationen wie möglich ein. was kostet ein solcher raum? welche versicherungen sind notwendig? telefon? internetanschluss? bankgebühren? ec-gerät? gebühren für verbände, berufsgenossenschaft, interessengemeinschaften …? einrichtung? maschinen/werkzeug? material? ware? steuern und und und. ich habe damals von den gründerinnen eine tabelle zur verfügung gestellt bekommen, die alleine gerechnet hat. so konnte man gut sehen, welche auswirkung es hat, wenn sich eine der vielen zahlen ändert … fragt einfach mal bei den gründungsstellen. im netz habe ich nichts vergleichbares gefunden.

behaltet die position “ware” im auge, wenn ihr handeln möchtet. die ware, die ihr einkauft, muss ungefähr zum umsatz passen. das heißt, man kann nicht für 1.000,- eur ware im monat kaufen und 10.000,- eur umsatz machen wollen. versteht ihr? wenn ich 1.000,- eur einsetze, bekomme ich ca. 2.000,- eur raus. wenn ihr selbst etwas produzieren wollt, müßt ihr natürlich weniger für material ausgeben, aber mehr zeit investieren. habt ihr diese zeit? am anfang habe ich beispielsweise noch alle taschen selbst genäht. heute nach zwei jahren limetrees-laden nähe ich nur noch sporadisch, mal zwischendurch meist kleinigkeiten zur entspannung. laden und onlineshop nehmen meine zeit in anspruch … macht euch gedanken darüber. sucht nach lösungen. wenn ihr einen laden nur mit selbstgemachtem eröffnet wollt, überlegt, wie ihr die ware, die ihr verkauft, nachproduziert bekommt. um so besser ein laden läuft, um so weniger zeit bleibt zum produzieren. wenn nichts produziert wird, kann nichts verkauft werden, kann kein umsatz erwirtschaftet werden … und so weiter, ein kreislauf.

in der regel dauert es eine gewisse zeit, bis ein gewerbe in die gewinnzone rutscht. kosten entstehen aber von anfang an. wie soll das defizit gedeckt werden? gibt es eigenkapital, dass die nächsten monate oder jahre für den  lebensunterhalt verwendet werden kann? gibt es ein darlehn? manche zinsgünstigen darlehn kann man beantragen, wenn man dies VOR der gründung tut. erkundigt euch, wenn ihr so etwas braucht.
wir haben beispielsweise fast eineinhalb jahre kein geld aus dem unternehmen genommen … und unser start war kein kompletter neustart. der onlineshop hat damals schon einen großteil unserer fixen kosten eingespielt :-). so hatten wir von anfang an etwas “über”, was gleich wieder investiert wurde … in ganz unterschiedliche dinge: in ware beispielsweise, aber wir haben auch viel werbung gemacht: in stadtmagazinen, zeitschriften, bei google, flyer … ich habe viel in beratung investiert, einige seminare, aber auch in einzelgespräche, weil es effizienter für mich war; denn zeit ist knapp gewesen. heute bin ich froh darüber, dass ich diese möglichkeiten hatte …

so, das war es im großen und ganzen, was ich zu dem thema zu sagen habe :-). wie viel zeit ich in die planung investieren würde, würde ich von der größe des projektes und dem finanziellen risiko abhängig machen. über ein paar rechtliche dinge sollte man sich aber immer informieren. viele von euch haben beispielsweise einen kleinen shop auf der einen oder anderen plattform. habt ihr ein ordentliches impressum? habt ihr eine abmahnsichere widerrufsbelehrung? hihi, letzteres hab ich auch nicht, mich aber bewußt dafür entschieden … ich als kunde kaufe beispielsweise nicht bei verkäufern, die sich nicht ordentlich zu erkennen geben oder mir als kunden keine rechte einräumen … und mit dieser einstellung bin ich sicherlich nicht alleine, es ist eine frage des vertrauens … unabhängig vom kaufverhalten der kunden ist so ein verhalten abmahnfähig … und so etwas ist nicht zum schnäppchenpreis zu bekommen, also lieber vorbeugen :-).

zum abschluss möchte ich noch zwei dinge sagen: zum einen möchte ich keinen abschrecken, sich selbständig zu machen. aber ich möchte ein bischen zum nachdenken anregen. einen laden zu eröffnen ist nicht nur ein traum, sondern auch ne menge arbeit und ein projekt, was einiges an geld verschlingt :-). so etwas muss anders geplant werden als die gründung eines kleines ateliers, in dem ich erst mal 500,- eur in stoff investiere, den vernähe und schaue, wie meine sachen ankommen. aber ob klein oder groß, ein paar dinge müssen immer geklärt werden: gewerbeanmeldung, krankenversicherung, steuern, bei onlineverkauf die rechtssicherheit des shops.

zum anderen möchte ich sagen, dass trotz planung nicht alles glatt und rund läuft. auch mir ist schon mal eine abmahnung ins haus geflattert wie so vielen anderen auch … zur gründungszeit habe ich auch nicht geplant, einen stoffladen zu eröffnen, aber es ist ok, wie es gekommen ist :-). außerdem bin ich sehr unglücklich über meinen laden. er sieht auch nach zweieinhalb jahren von außen sehr schrecklich aus, aber ich darf weiterhin nichts ändern … vermieter nummer zwei und ich werden nicht wirklich warm miteinander, aber vielleicht kommt ja bald vermieter nummer drei? auch entspricht der laden nicht mehr meinen bedürfnissen. es fehlen büroräume backstage, so dass ich keine verkäuferin in den laden stellen kann und hinten in ruhe nähen oder bürokram machen könnte. es ist kein platz für die vielen praktikanten, die gerne ein praktikum bei uns machen möchten. es ist auch kein platz für eine auszubildende … aber: die hälfte des mietvertrages ist erfüllt. das eine oder andere interessante angebot liegt auf meinem schreibtisch, also wird es über kurz oder lang auch lösungen für dieses problem geben :-).

ich wünsche euch alles gute für eure projekte. ich werde die ganzen posts mal zusammenkopieren und eine extra-seite einrichten, falls jemand nachlesen möchte :-).

6 Gedanken zu „existenzgründung

  1. Anette

    Liebe Bianca,

    Vielen Dank für deine ausführlichen Berichte zur Existenzgründung.
    Ich fand deine Ausführungen sehr hilfreich.

    Liebe Grüße

    Anette

  2. Anna Voges

    Liebe Bianca,

    Auch ich möchte mich ganz Herzlich bei dir für deine detailierte Information bedanken. Ich hoffe das es mir in der Zukunft helfen wird.

    DANKE
    Anna

  3. Verena

    Liebe Bianca,
    auch von mir ein ganz grosses Dankeschön. Es ist dehr interessant die Geschichten von anderen Existenzgründern zu hören. Ich hoffe, dass es positiv weitergeht
    Gruss
    Verena

  4. Natalia

    Ich bin grad zufällig über diese tolle Sammlung an wertvollen Tipps gestoßen!
    Wow- toll! Ich bin jetzt seit Ende September ’12 mit meinem eigenen Stoffladen selbstständig – und ja, es war nicht immer einfach bis es endlich zur Eröffnung kam!
    Wir haben ein halbes Jahr geplant, gerechnet, Anträge gestellt etc. Ich habe mir einen Unternehmensberater ins Boot geholt- ohne ihn wäre ich sicherlich verzweifet!
    Und gründet man aus der Arbeitslosigkeit heraus, hat das Glück das man den Grüdungszuschuss von der Arge bekommen- dann hat man die Möglichkeit über die KFW ein Fördergeld zu beantragen welches dann für den Berater verwendet werden kann, es nennt sich Gründungscoaching Deutschland! Die Beratung geht über ein Jahr lang. Mein Berater hält quasi in den nächsten 12 Monaten ein wenig die Hand über mein Unternehmen, ich schicke ihm jeden Monat meine BWA ( betriebswirtschaftliche Auswertung), wir besprechen viele Dinge und Fragen die im Alltag mit Laden eben auftauchen! Woher soll man auch alles wissen?
    Er riet mir zb zu einem guten Buchhaltungsprogramm (ich habe lexware) damit ich eben Auswertungen, Diagramme zum Umsatzverlauf etc darstellen kann- und somit immer einen Überblick über den derzeitigen Stand meines Unternehmens habe! Ich finde die Thematik Buchführung eben für mich sehr wichtig, das möchte ich (vorab) nicht in fremde Hände geben! Auch ich mache sicherlich mal Fehler, es wird sicherlich mal Zeiten geben wo es nicht so Dolle ist- aber ich habe mich für diesen weg entschieden und ich bin überglücklich, ausgeglichener (trotz sehr viel Mehrarbeit) und bereu keine einzige meiner vielen Entscheidungen!

  5. Sylvia

    Liebe Bianca,
    danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, deine Erfahrungen so ausführlich zu schildern und dabei auch noch Mut machst. Ich freue mich zu höre, dass du mit deiner Entscheidung zufrieden bist. Ich schaue schon lange auf deinen Seiten vorbei- lange bevor meine Idee gereift ist. Nun bin ich auch in der Situation. Es gibt nich einige Dinge, die ich dich gern fragen würde.
    Vielleicht hast du mal Zeit und Lust und gibt mir eine Plattform, auf der ich diese Fragen stellen kann… Keine SOrge, Messen habe ich schon besucht, die Händler kenne ich auch mit Namen und an meinem Businessplan arbeite ich mich Fachfrauen-Hilfe ;-)
    Sei herzlich gegrüßt
    Sylvia

  6. bianca Artikelautor

    hallo sylvia,
    grudsätzlich habe ich alles gesagt, was ich öffentlich sagen möchte :-).
    ich wünsche dir alle gute für dein projekt.
    viele grüße
    bianca

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