existenzgründung V

blog 2010-02-07

dieses thema habe ich aber lange vernachlässigt, sorry. deshalb möchte ich es heute zum abschluss bringen … und zwar mit dem finanzplan … eine sache, die mir damals ziemlich schwer gefallen ist. ich gestehe, auch deshalb, weil ich den sinn darin nicht gesehen habe. mir war alles so hypothetisch. warum sollte ich festlegen, wieviel umsatz ich im monat machen möchte? das nutzt doch nichts, habe ich immer geschimpft. wenn keiner kommen will, ist egal, was in meinem finanzplan steht … meine worte in der gründungsphase …

heute sehe ich das anders. ich bin inzwischen froh, dass die existenzgründerinnen mich damals  gezwungen haben *lach*. ich wußte von anfang an, welche umsätze ich brauche, um leben zu können und merke so relativ früh, wenn etwas schief läuft.

ein finanzplan besteht aus zwei teilen. einmal muss man ermitteln, wie viel geld man im monat für die persönliche lebensführung braucht, der einfachere teil des planes :-). ich würde mir die kontoauszüge der letzten monate zu hilfe nehmen, schauen welche buchungen so abgegangen sind (zeitschriften-abos, versicherungen oder vereine zahlt man ja oft nicht monatlich, also einfach mal durchschauen …). an dieser stelle sollte man sich auch gedanken über die kosten einer kranken- und pflegeversicherung machen sowie der eigenen altersversorgung … wenn man weiß, wie viel geld man braucht, kann man schauen, wo es herkommt :-). vielleicht gibt es einen partner mit einkommen, kinder mit kindergeld, existenzgründerzuschüsse … der rest muss über kurz oder lang vom gegründeten unternehmen erwirtschaftet werden.

dann kommen wir zum tricky teil des planes. nun gilt es auszurechnen, welche kosten für das unternehmen entstehen und wie viel umsatz notwenig ist, die geschäftlichen und privaten kosten zu decken. je nachdem, was ihr plant, ob ihr einen laden, ein atelier oder was auch immer benötigt, holt so viele informationen wie möglich ein. was kostet ein solcher raum? welche versicherungen sind notwendig? telefon? internetanschluss? bankgebühren? ec-gerät? gebühren für verbände, berufsgenossenschaft, interessengemeinschaften …? einrichtung? maschinen/werkzeug? material? ware? steuern und und und. ich habe damals von den gründerinnen eine tabelle zur verfügung gestellt bekommen, die alleine gerechnet hat. so konnte man gut sehen, welche auswirkung es hat, wenn sich eine der vielen zahlen ändert … fragt einfach mal bei den gründungsstellen. im netz habe ich nichts vergleichbares gefunden.

behaltet die position „ware“ im auge, wenn ihr handeln möchtet. die ware, die ihr einkauft, muss ungefähr zum umsatz passen. das heißt, man kann nicht für 1.000,- eur ware im monat kaufen und 10.000,- eur umsatz machen wollen. versteht ihr? wenn ich 1.000,- eur einsetze, bekomme ich ca. 2.000,- eur raus. wenn ihr selbst etwas produzieren wollt, müßt ihr natürlich weniger für material ausgeben, aber mehr zeit investieren. habt ihr diese zeit? am anfang habe ich beispielsweise noch alle taschen selbst genäht. heute nach zwei jahren limetrees-laden nähe ich nur noch sporadisch, mal zwischendurch meist kleinigkeiten zur entspannung. laden und onlineshop nehmen meine zeit in anspruch … macht euch gedanken darüber. sucht nach lösungen. wenn ihr einen laden nur mit selbstgemachtem eröffnet wollt, überlegt, wie ihr die ware, die ihr verkauft, nachproduziert bekommt. um so besser ein laden läuft, um so weniger zeit bleibt zum produzieren. wenn nichts produziert wird, kann nichts verkauft werden, kann kein umsatz erwirtschaftet werden … und so weiter, ein kreislauf.

in der regel dauert es eine gewisse zeit, bis ein gewerbe in die gewinnzone rutscht. kosten entstehen aber von anfang an. wie soll das defizit gedeckt werden? gibt es eigenkapital, dass die nächsten monate oder jahre für den  lebensunterhalt verwendet werden kann? gibt es ein darlehn? manche zinsgünstigen darlehn kann man beantragen, wenn man dies VOR der gründung tut. erkundigt euch, wenn ihr so etwas braucht.
wir haben beispielsweise fast eineinhalb jahre kein geld aus dem unternehmen genommen … und unser start war kein kompletter neustart. der onlineshop hat damals schon einen großteil unserer fixen kosten eingespielt :-). so hatten wir von anfang an etwas „über“, was gleich wieder investiert wurde … in ganz unterschiedliche dinge: in ware beispielsweise, aber wir haben auch viel werbung gemacht: in stadtmagazinen, zeitschriften, bei google, flyer … ich habe viel in beratung investiert, einige seminare, aber auch in einzelgespräche, weil es effizienter für mich war; denn zeit ist knapp gewesen. heute bin ich froh darüber, dass ich diese möglichkeiten hatte …

so, das war es im großen und ganzen, was ich zu dem thema zu sagen habe :-). wie viel zeit ich in die planung investieren würde, würde ich von der größe des projektes und dem finanziellen risiko abhängig machen. über ein paar rechtliche dinge sollte man sich aber immer informieren. viele von euch haben beispielsweise einen kleinen shop auf der einen oder anderen plattform. habt ihr ein ordentliches impressum? habt ihr eine abmahnsichere widerrufsbelehrung? hihi, letzteres hab ich auch nicht, mich aber bewußt dafür entschieden … ich als kunde kaufe beispielsweise nicht bei verkäufern, die sich nicht ordentlich zu erkennen geben oder mir als kunden keine rechte einräumen … und mit dieser einstellung bin ich sicherlich nicht alleine, es ist eine frage des vertrauens … unabhängig vom kaufverhalten der kunden ist so ein verhalten abmahnfähig … und so etwas ist nicht zum schnäppchenpreis zu bekommen, also lieber vorbeugen :-).

zum abschluss möchte ich noch zwei dinge sagen: zum einen möchte ich keinen abschrecken, sich selbständig zu machen. aber ich möchte ein bischen zum nachdenken anregen. einen laden zu eröffnen ist nicht nur ein traum, sondern auch ne menge arbeit und ein projekt, was einiges an geld verschlingt :-). so etwas muss anders geplant werden als die gründung eines kleines ateliers, in dem ich erst mal 500,- eur in stoff investiere, den vernähe und schaue, wie meine sachen ankommen. aber ob klein oder groß, ein paar dinge müssen immer geklärt werden: gewerbeanmeldung, krankenversicherung, steuern, bei onlineverkauf die rechtssicherheit des shops.

zum anderen möchte ich sagen, dass trotz planung nicht alles glatt und rund läuft. auch mir ist schon mal eine abmahnung ins haus geflattert wie so vielen anderen auch … zur gründungszeit habe ich auch nicht geplant, einen stoffladen zu eröffnen, aber es ist ok, wie es gekommen ist :-). außerdem bin ich sehr unglücklich über meinen laden. er sieht auch nach zweieinhalb jahren von außen sehr schrecklich aus, aber ich darf weiterhin nichts ändern … vermieter nummer zwei und ich werden nicht wirklich warm miteinander, aber vielleicht kommt ja bald vermieter nummer drei? auch entspricht der laden nicht mehr meinen bedürfnissen. es fehlen büroräume backstage, so dass ich keine verkäuferin in den laden stellen kann und hinten in ruhe nähen oder bürokram machen könnte. es ist kein platz für die vielen praktikanten, die gerne ein praktikum bei uns machen möchten. es ist auch kein platz für eine auszubildende … aber: die hälfte des mietvertrages ist erfüllt. das eine oder andere interessante angebot liegt auf meinem schreibtisch, also wird es über kurz oder lang auch lösungen für dieses problem geben :-).

ich wünsche euch alles gute für eure projekte. ich werde die ganzen posts mal zusammenkopieren und eine extra-seite einrichten, falls jemand nachlesen möchte :-).

XO Bianca

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