Kulturtipps

Hevaltiy

Ausstellung „Hevaltiy“

Ausstellung „Hevaltiy“

Mit dem Projekt „Hevaltiy“, zu Deutsch „Freundschaft“, will die Ezidische Akademie Hannover e.V. zur Auseinandersetzung mit der Ezidischen Geschichte und Kultur beitragen. Ein zentraler Punkt wird es dabei sein einen Beitrag zur Aufarbeitung der aktuell erfahren Gewalt von Völkermord und Verfolgung zu leisten.
In Niedersachsen findet sich die größte ezidische Gemeinschaft der Welt, wobei alleine die Region Hannover schätzungsweise 5.000 Eziden zählt. Viele darunter sind vor dem IS geflohen und sie sind selbst oder Menschen aus ihrem Umfeld direkt von Gewalt betroffen gewesen. Das Ankommen, die Integration in einer neuen fremden Kultur, in Deutschland, kann nur gelingen ausgehend von der Auseinandersetzung mit diesen Erfahrungen und ihrer Aufarbeitung.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, die Herausbildung einer Ezidischen Identität in der neuen Heimat ist eine wichtige Basis, von der ausgehend Integration überhaupt erst möglich wird, und die erst möglich macht diese als Heimat tatsächlich erfahren zu können. Sich der eigenen Identität bewusst zu sein und diese und die damit verbundene Geschichte von Verfolgung hier in Niedersachsen anerkannt zu sehen, ist ein wichtiger Schritt der es den Flüchtlingen ermöglicht anzukommen. Insbesondere gilt dies für die im besonderen Maße von Gewalt betroffenen Frauen und die ältere Generation, die alles verloren hat.

Unter dem aus dem ezidischen Sprachgebrauch stammenden Ausdruck „Hevaltiy“, zu Deutsch „Freundschaft“, plant die Ezidische Akademie Hannover e.V. einen regionalen wie auch überregionalen Beitrag zur Aufklärungsarbeit über die Geschichte, die Diversität, das Leid und die Integration der Eziden mit Hilfe eines Kunst- und Kulturprojektes zu leisten. Geplant ist eine Kunstausstellung und eine Gedenkveranstaltung im August zum Völkermord im Şingal-Gebirge mit Rahmenprogramm.

Die Ausstellung „Hevaltiy“

– Kunst und Diskurs –

Eine Ausstellung zur freien künstlerischen Darstellung und Interpretation zur Geschichte und Lebenswelt der Eziden.

Im Fokus der Ausstellung steht dabei die künstlerische Erschließung des für Außenstehende Unbekannten, welches die ezidische Gemeinschaft nicht nur regional sowie bundesweit, sondern auch weltweit immer wieder begleitet. Wichtige Anstöße zur aktuellen Wahrnehmung, neuem Denken und dem Abbau von Vorurteilen im Zusammenhang mit der weltweiten Diaspora der Eziden und ihrer Geschichte, sollen als Leitgedanke des Vorhabens prägend sein. Als religiöse Minderheit unter den mehrheitlich muslimischen Kurden sahen und sehen sich die Eziden in ihrer Geschichte immer wieder mit Verfolgung, Vertreibung und Flucht konfrontiert. Integration kann nur da gelingen, wo es möglich wird diese Geschichte konstruktiv aufzuarbeiten. Die bildenden Künste bieten hier besondere Möglichkeiten auch das Unsagbare abzubilden und einer Aufarbeitung zugänglich zu machen.

Im Rahmen der vierzehntägigen Ausstellung möchte die Ezidische Akademie Hannover e.V. mit der Unterstützung von 35 Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Nationalitäten aus Deutschland eine Plattform zur Aufklärung und zum freien Austausch über das Ezidentum und seiner Geschichte mit Hilfe verschiedener künstlerischer Ideen, individuellen Prozessen der Gestaltung, Materialien, Ausdrucksmitteln und Formauffassungen für alle Interessierten schaffen.
Die Ausstellung wird ergänzt durch zwei Fachvorträge von Dr. phil. habil. Hartmut M. Griese, M.A. (Prof. i.R.) und Prof. Dr. Sebastian Maisel (Orientalisches Institut der Universität Leipzig).

Die Wahl des Ausstellungsstandortes wurde mit der Landeshauptstadt Hannover dabei bewusst getroffen. In Niedersachen findet sich die größte ezidische Gemeinschaft der Welt.

Die Ezidische Akademie Hannover e.V. sieht darüber hinaus in der Ausstellung „Hevaltiy“ eine geeignete Möglichkeit einen temporären Ort der interkulturellen Begegnung in der Landeshauptstadt Hannover zu schaffen. Ein Ort, an dem Künstlerinnen und Künstler, Einheimische wie auch Zugewanderte sich im Kontext des Kunstprojektes miteinander austauschen und in Dialog treten können, um gemeinsam die Geschichte und die Lebenswelt der Eziden besser kennenzulernen und zu reflektieren.

Gedenkveranstaltung

– mit Vorträgen zu spezifischen Situation von Ezidinnen und ihren Handlungsperspektiven –

Als Abschluss der Eröffnungstage für die Ausstellung soll den sich jährenden traumatischen Ereignissen in der Geschichte der ezidischen Gemeinschaft gedacht werden. 2007 geschah der Anschlag von Şingal und 2014 dann der Völkermord im Şingal-Gebirge.

Im August 2018 hat die Ezidische Akademie in diesem Sinne eine Ausstellung des Malers Ravo Ossmann Sinjari ausgerichtet.

Nun im Jahr 2019 plant die Ezidische Akademie in diesem Schicksalsmonat August zwei Rednerinnen ein Forum zu bieten: Golala Kamangar (Oslo) und Carla Thiele (Bielefeld). Beide Frauen beschäftigen sich ihm Rahmen ihrer Studien an Universitäten mit der Lebensrealität von Ezidinnen nach der Flucht. Beide Frauen führten zahlreiche Interviews, welche die methodische Grundlage für ihre Forschung bilden. Ihre Arbeiten weisen Frauen der Ezidischen Gemeinschaft Wege und Möglichkeiten auf mit der Erinnerung umzugehen und sie mit konstruktiven Wegen der Integration zu verbinden. Die Ezidinnen werden hier als Akteure, die trotz aller erfahrenen Gewalt, als Handelnde ihr Leben bestimmen, ernst genommen und angesprochen. Dies ist wichtig, da eine Reduktion auf einen Opferstatus, Menschen zusätzlich lähmt.

Golala Kamangar (Oslo) und Carla Thiele (Bielefeld) sind am 04. August 2019 eingeladen von ihren Studien zu berichten und sich auszutauschen. Im Tagungszentrum des Hanns-Lilje-Hauses der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover soll die Veranstaltung von etwa 15:00 bis 18:00 Uhr ausgerichtet werden.

Zusätzlich ist Nadia Murad (Friedensnobelpreis 2018) zur Veranstaltung eingeladen (angefragt).

Zu den Rednerinnen:

Golala Kamangar
Sie studierte 2001 bis 2008 persische und iranische Literatur in Teheran und Kermanschah und von 2016 bis 2018 studierte sie Nahost- und Nordafrikastudien an der Universität Oslo.
Ihre Masterarbeit von diesem Frühjahr mit dem Titel „Arising from The Ashes – A Multiple Case Study of Post-genocide Situation of Yezidi Women In Kurdistan And Germany“ untersucht die Lage von Ezidinnen, die 2014 Opfer des IS wurden. Die Auswirkungen und Herausforderungen, sowie Bedingungen für „Reintegration“ im Leben dieser Frauen, die nach Flucht oder Rettung nach Deutschland oder in die Region Kurdistan gebracht wurden, um dort in Sicherheit zu leben. Dabei wird die Rolle innerhalb der Prozesse des religiösen Oberhauptes, der Riten der Gemeinschaft und der „sozialen Identität“ untersucht.

Carla Thiele, M.A.
Carla Thiele ist Doktorandin an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS) an der Universität Bielefeld. Sie untersucht in ihrem empirischen Dissertationsprojekt mit dem Arbeitstitel: „Verfolgung und Neuanfang – eine biografieanalytische Studie ezidischer Frauen in Deutschland“, die Lebenswirklichkeiten ezidischer Frauen der Nachfolgegeneration.
Sie hat Sozialwissenschaften und M.A. Gender Studies an der Universität Bielefeld studiert und ist Mitglied in der deutschen Gesellschaft für Soziologie, sowie im Netzwerk Flüchtlingsforschung.

Sie selbst zu Ihrer Arbeit:
„Mit Hilfe biografisch-narrativer Interviews analysiere ich in diesem Dissertationsprojekt, wie es die ezidischen Frauen der Nachfolgegeneration schaffen bzw. geschafft haben ihre ezidischen Traditionen, Riten und Pflichten mit den neuen Herausforderungen in Deutschland in Einklang zu bringen.
Meine Forschungsfrage lautet: Wie beschreiben sich die ezidischen Frauen in Deutschland aus einer biografischen Perspektive selbst?
Ziel dieser Studie ist es die Flüchtlingsforschung genderreflexiv in Bezug auf das Selbstverständnis von Frauen mit Fluchtgeschichte und deren Lebenswirklichkeiten zu erweitern.“

Die Ezidische Akademie möchte die Erinnerung mahnend aufrechterhalten und Impulse zur Diskussion und Auseinandersetzung bieten. Zugleich soll eine Atmosphäre von Hoffnung und Zuversicht die Diskussion begleiten. Es geht auch darum, wie die Eziden und besonders die Ezidinnen trotz der Geschehnisse mit ihrer neuen Situation umgehen, das Vergangene verarbeiten und schließlich in eine glückliche Zukunft blicken können. Dieses Ziel soll mit dem Generieren einer Öffentlichkeit erreicht werden. Wir bieten ein Forum für diese Thematik.

Projektzeitraum und Ausstellungsort

Ausstellung: 01.08.2019 bis 15.08.2019 in der Schulenburger Landstraße 150
in 30165 Hannover

Zielgruppen:

– Erwachsene
– Kinder und Jugendliche
– Interessierte unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften

Projektleitung

Hatab Omar (Vorstand Ezidische Akademie e.V.)
Ausbildung: Sozialpsychologe
Hatab Omar arbeitet hauptberuflich im Bereich der psychologisch sozialen Unterstützung insbesondere von Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte.

Über den Antragssteller

Die Ezidische Akademie Hannover e.V. als Maßnahmenträger ist eine gemeinnützige Migranten-selbstorganisation mit Hauptsitz in Hannover. Sie befasst sich zentral mit dem Schicksal der in ihren Heimatländern Verfolgten und daher in der ganzen Welt verstreuten ezidischen Glaubensgemeinschaft. Die Ezidische Akademie Hannover e.V. versteht sich als gesellschaftlich liberal und ideologisch unabhängige Einrichtung. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Aufnahme- und Lebensbedingungen der in der Region Hannover ankommenden bzw. bereits lebenden Eziden. Aufgrund analoger Erfahrungen umfasst das Tätigkeitsfeld und die Zielgruppenorientierung der Ezidischen Akademie Hannover e.V. auch die Bedürfnisse und Angelegenheiten anderer Verfolgter, Flüchtlinge und Migranten aus unterschiedlichen Glaubens- und Kulturgemeinschaften.

Programmablauf

Jibo bîranîna Shengalê, „Havaltî“ (Gedenkfeier Shingal, Freundschaft). Veranstaltungsort: Schulenburger Landstraße.150,30165 Hannover

2.8.2019
Vernissage
17.00 Uhr Begrüßung
17.15 Uhr Musik
17.30 Uhr 1. Film Nozad Shekhani (die Filme sind entweder auf Deutsch oder mit deutschem Untertitel)
18.00 Uhr Kaffee/Tee pause
18.30 Uhr 2. Film (?)

3.8.2019
Eröffnung
10.30 Uhr Einlass (Kaffee + Musik)
11.00 Uhr Begrüßung
11.10 Uhr Grußwort der Ezidischen Akademie (Dr. Brade, Prof. Dr. Griese)
11.20 Uhr Das Wort der Landeshauptstadt Hannover
11.30 Uhr Künstler (Nesrin)
11.45 Uhr Prof. Dr. Sebastian Maisel (Universität Leipzig)
12.00 Uhr Feierliche Ausstellungseröffnung (Besichtigung + Musik)
(Führung: Taha, Rodi und Nur Jafer)
13.00 Uhr Mittagessen
18.30 Uhr Konzert mit Nizamettin.

4.8.2019
Vortrag
11.30 Uhr Am 4.8.2019 auch um 10.30 Uhr (wie am 3.8.) beginnen mit 1
Statement/ Kurzvortrag mit Diskussion (Carla Thiele)
13.30 Uhr Picknick in Herrenhäuser Park mit Grillen

6.8.2019
Vortrag
16.00 Uhr Am 6.8.2019 um 16.30 Uhr beginnen mit 1
Statement/ Kurzvortrag mit Diskussion (Golala Kamangar)

17.30 Uhr Film, GfbV

Bildquellen

  • Ausstellung „Hevaltiy“: MiSO-Netzwerk Hannover e.V.