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Lockdown, Lockdown light oder schlicht kein Konzept?

Sollte man wirklich noch über all die Sachen schreiben die schlecht Gelaufen sind in Sachen Corona? Viele Bürger sind doch schon verunsichert genug und verlieren immer mehr das politische Vertrauen. Aber soll es widerspruchslos immer so weiter gehen? Das kann kein Dauerzustand sein.

Zitat aus dem Netz:
Ich bin nicht bereit, mich im „nur müssen, nichts dürfen“ häuslich einzurichten bis an mein Lebensende.

Jetzt soll also ein sogenannter Wellenbrecher-Shutdown die Lage stabilisieren. Angesichts der verpassten Chancen vielleicht die einzige noch mögliche Lösung.

Die Politik hatte Monate Zeit, um vernünftige Konzepte für alle Bereiche des Lebens mit Corona zu entwickeln. Passiert ist so gut wie nichts.

Alle paar Wochen oder Tage wieder das Prozedere der Ministerpräsidenten. Erst hieß das Spiel, wer hat die tollsten Lockerungen zu Verkünden und jetzt wieder, wer ist der härteste Hund im Land. Dazu die absoluten Hardliner, wie Karl Lauterbach von der sPD der ständig auf die schlimmen Aerosole hinweist, aber in gefühlt jeder Talkshowrunde sitzt. Sind Fernsehstudios keimfreie Räume?

Anhand der absoluten Zahlen in Deutschland sieht man, das wir doch vieles besser gemacht haben als unsere europäischen Nachbarn. Von den USA oder Brasilien ganz zu schweigen. Mich beschleicht nur immer mehr das Gefühl das wir einfach zufällig das Richtige getan haben und vielleicht nur Glück hatten. Im Frühjahr, als alles noch neu war, geht das so in Ordnung. Jetzt, nach 8 Monaten und weitaus besserer Faktenlage, ist das einfach nicht mehr hinnehmbar.

Beispiel Bildung

Das im März die Schulen geschlossen wurden, ist soweit nachvollziehbar. Man wusste es schlicht nicht besser.

Was allerdings danach passierte ist, an manchen Schulen ein Lehrstück, wie man es nicht machen sollte.

Über die absurden Folgen eines positiven Coronafalls an einer Schule hatte ich bereits an anderer Stelle berichtet.

Jetzt sind wieder zwei Wochen Ferien verstrichen und kurz vor Ende bekam man Post, diesmal sogar auf elektronischem Wege, das nach den Herbstferien der Unterricht ohne Einschränkung wieder stattfinden wird. Allerdings stand in dem Schreiben auch das in den nächsten Wochen noch weitere Maßnahmen erarbeiten werden. Mir stellt sich die Frage, was man bisher gemacht hat. Als Konzept für die Schulen ist außer regelmäßigem Lüften und der Diskussion Masken auch während des Unterrichts irgendwie nichts passiert. Moment! Hatte ich vergessen, etwas Selbstverständliches hat in den Schulen Einzug gehalten. Es gibt jetzt oft Seife zum Händewaschen!

Warum man nicht den Sommer genutzt und darüber nachgedacht hat, wie man die Raumluft auch in der kalten Jahreszeit virenfrei halten kann, erschließt sich nicht. Ein Luftreiniger für 50 qm, der laut Studien auch Viren aus der Umgebungsluft filtert, kostet in einer Heimversion gerade mal 150,- €. Das wäre, rechtzeitig bestellt, eine echte Alternative oder Ergänzung zum 20, 5, 20 Lüftungskonzept des Niedersächsischen Bildungsministers Tonne gewesen.

Hier muss man der Politik allerdings auch zu gute halten, das es immer noch sehr umstritten ist, ob Schulen überhaupt das Problem in der Pandemie darstellen.

Beispiel Gastronomie

Die meisten Gastronomiebetriebe geben sich allergrößte Mühe, für ihre Gäste, ein angenehmes und auch sicheres Umfeld zu schaffen.

Das dies mit schweren finanziellen Einbußen einhergeht, zeigt ein Beispiel aus der Markthalle. Dort konnte ich das Auf und Ab der, zum Teil absonderlichen Maßnahmen, das Jahr über verfolgen. Der sonst gut gehende italienische Feinkoststand hat alles immer korrekt umgesetzt. Auch wenn es nur schwer zu verstehen war, warum manche Sachen in der einen Woche verboten waren und ein paar Tage später dann doch wieder möglich. Fakt bleibt aber: Dieses Jahr sind außer den Betriebskosten noch keine Einnahmen erziehlt worden. Wie lange man das durch hält, kann sich jeder selbst überlegen. Homeoffice ohne Gehalt würde wohl kaum jemandem gefallen.

Für eine Stigmatisierung von Gastronomie und Kultur ist jedenfalls kein Grund zu erkennen.

Beispiel körpernahe Dienstleistungen

Jetzt ist wie im Frühjahr wieder die Diskussion entbrannt, was man alles schließen will. Interessant ist das es für Friseure, wie im Frühjahr auch, eine Ausnahme im Gespräch ist. Keine Frage, auch dort will man Geld verdienen. Wo aber liegt der Unterschied zu einer Massagepraxis?

In einer mir bekannten Massagepraxis in Linden wurden auch vor der Pandemie hohe Hygienestandards als Maß der Dinge angesehen. Es würde sich auch kaum ein Kunde in einer schmuddeligen Umgebung bei einer Ganzkörpermassage wohlfühlen. Dabei Masken zu tragen und nach jedem Kunden den Raum ausreichend zu lüften, ist problemlos möglich. Zudem ist jeweils nur ein Kunde vor Ort.

In Friseursalons sind in der Regel mehrere Personen gleichzeitig in Arbeit und somit auch oft noch mehrere Mitarbeiter anwesend. Und die Maskenpflicht ist bei manchen Stellen am Kopf schon eine Herausforderung.

Es erschließt sich schlicht und einfach nicht, warum hier für die verschiedenen Angebote so ungleiche Regelungen vorgesehen waren oder wieder sind.

Beispiel Kultur

Das Kunst und Kultur der schwarze Peter in die Schuhe geschoben werden soll, wie unlängst in der HAZ zu lesen war, ist ein Unding und ganz schlechter Stil.

Alle Theater und Kinoveranstaltungen, die ich besucht habe, waren sehr bemüht ein tragfähiges Konzept auf die Beine zu stellen. Egal ob Mittwochs:Theater oder Kino im Künstlerhaus die kleinen und großen Veranstaltungsorte sind nicht die Hauptprobleme.

Rede von Dieter Hallervorden bei der letzten Alarmstufe Rot Demo

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Leider wurde auch der komplette Sommer nicht genutzt, um den Kulturhunger, der sicherlich in großen Teilen der Bevölkerung vorhanden ist, zu stillen. Was in dieser Zeit möglich gewesen, wenn man nur gewollt hätte, zeigt ein Artikel den ich bereits im Mai geschrieben habe. Für eine Stadt, die 2025 Kulturhauptstadt werden möchte, ein verheerendes Versäumnis. Bis auf kleine Ausnahmen wie den Regions-Entdeckertag war Hannover im Sommer weitestgehend eine Kulturwüste. Größere Events wie das Seh-Fest oder Best of Kleines Fest waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Das spricht Bände, was den Menschen fehlt!

Fazit:

Nicht das jetzt nach diesem Rundumschlag der Eindruck entsteht, hier ist wieder jemand unter die Verschwörungstheoretiker gegangen. Die allermeisten Maßnahmen sind zumindest tolerierbar. Was wirklich unsere im Grundgesetz verankerten Rechte einschränkt, sind die Regelung zu den zwei Haushalten, die im Frühjahr verbotenen Demonstration und natürlich auch die quasi Berufsverbote in vielen Bereichen.

Das Demonstration auch unter Corona Bedingungen problemlos möglich sind, haben die mehrfachen Fridays For Future Aktionen gezeigt. Das es auch bei den Demo-Veranstaltern schwarze Schafe gibt, die Corona-Leugner.

Die Berufsverbote oder wie man es sonst nennen mag in der Kultur- und Veranstaltungsbranche kann man mit finanziellen Maßnahmen abfedern. Das dies in großen Teilen nicht passiert, ist ein Armutszeugnis für das Land der Dichter und Denker. Mit der Alarmstufe Rot hat die Branche schon mehrfach, wie Beispielsweise mit der Night of Light, auf diese Missstände hingewiesen und leider immer noch kein Gehör in der Politik gefunden. Es steht zu Befürchten das nach der Pandemie schlicht keine Kulturlandschaft mehr vorhanden ist. Wenn Beispielsweise mit Hannover Concerts der größte Konzertveranstalter in die Insolvenz geht oder die Schausteller dieses Schicksal ereilt, was dann? Kaum anzunehmen, daß danach noch große Konzerte in der Stadt stattfinden werden. Das größte Schützenfest der Welt wäre damit ebenfalls Geschichte. Oder glaubt irgendjemand ernsthaft, das sich ein Geschäftsmann findet, der sich sagt, ich schaffe mir eine Achterbahn an?

Die unsägliche zwei Haushalte oder bei Singles eben zwei Personen Regel, ist schlicht und einfach nicht akzeptabel. Kontakte zu verringern ist ohne solche Restriktionen machbar. Es kann nicht sein, das man sich immer unwohl fühlen muss, weil man zwei Freunde auf der Straße trifft, dann zu dritt gegen eine Verordnung verstößt und ein Bußgeld riskiert. Außer Frage ist, das man keine großen Corona-Partys feiern sollte. Auch das war im Frühjahr ein großes Hypethema, obwohl es sich doch nur um ganz wenige Einzelfälle gehandelt hat.

Anhand dieser Fakten ist zu befürchten, das bei immer mehr Mitbürgern die Unzufriedenheit weiter wächst und die Hemmschwelle sinkt, mit rechten Verschwörungstheoretikern auf die Straße zu gehen. Das gilt es unbedingt zu verhindern. Die Folgen wären weit schlimmer als jede Viruspandemie!

Eine Patentlösung habe ich auch nicht, aber dafür sollte es in Deutschland genügend Fachleute geben. Jetzt wäre langsam der letzte Zeitpunkt, an dem es Sinn macht, eine zukunftsorientierte Strategie auf den Tisch zu legen, mit der wir auch mehr als nur 1-2 Wochen überbrücken können.

Achim Brandau

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