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Linden-Nord: Lärm, Müll und Sachbeschädigungen verstärkt im Fokus

Projekt von Polizeidirektion und Landeshauptstadt Hannover startet im April

Die Polizeidirektion Hannover und die Landeshauptstadt Hannover verstärken ab diesen Freitag, 01.04.2022, ihren Einsatz, um auf den bei gutem Wetter stark besuchten Plätzen in Linden-Nord Konflikten vorzubeugen. Ein wichtiger Ansatz sind dabei gemeinsame Streifen bis in die Nacht. Daneben beinhaltet das Projekt unter anderem den Einsatz eines niedrigschwelligen, präventiven Konfliktmanagements, die sogenannten „Limmernlichter“, die die Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Raums für die unterschiedlichen Perspektiven sowie Regeln im Stadtteil sensibilisieren. Außerdem sind verschiedene Maßnahmen für mehr Sauberkeit, Lärmeindämmung, Jugendschutz und das Einziehen von Musikboxen ab 24 Uhr vorgesehen. Einsatzbereiche sind der Küchengartenplatz, die Limmerstraße sowie angrenzende Orte.

Mit den steigenden Temperaturen und absehbaren Lockerungen der Corona-Beschränkungen ist auf den Straßen und Plätzen im Stadtgebiet Hannovers spätestens ab April wieder mit deutlich mehr Menschen zu rechnen. Insbesondere im Stadtteil Linden-Nord erwuchsen daraus in der Vergangenheit regelmäßig Probleme zwischen den Anwohnenden und Nutzerinnen und Nutzern des öffentlichen Raums. Die Polizeidirektion Hannover und die Landeshauptstadt arbeiten bei diesem Thema künftig noch enger zusammen.

Der hannoversche Stadtteil Linden-Nord ist nicht nur ein Wohnquartier wie viele andere auf dem Gebiet der Landeshauptstadt. Für viele Menschen ist der Stadtteil auch ein Anziehungspunkt zum Einkaufen und zur Freizeitgestaltung. Insbesondere in der warmen Jahreszeit mündete die starke Frequentierung des Stadtteils durch Menschen mit teils unterschiedlichsten Interessen in Konflikten, die regelmäßig Einsätze des städtischen Ordnungsdienstes und der Polizei erforderten. Konkrete Einsatzanlässe bildeten in Linden-Nord dabei eher seltener Straftaten, sondern vielmehr Problemlagen, wie Lärm in der Nacht und Müll, über den sich vor allem Anwohnende beschwerten.

Um diesen Phänomenen adäquat und rechtzeitig zu begegnen, haben die Landeshauptstadt Hannover und die Polizeidirektion Hannover bereits Anfang dieses Jahres eine noch engere Zusammenarbeit beschlossen, die mit dem Frühlingsbeginn und den erwarteten Lockerungen der Corona-Beschränkungen konsequent umgesetzt werden soll.

„Wir wollen mit unserem Engagement niemandem im Stadtteil Linden-Nord das Recht auf Spaß nehmen oder das Feiern verbieten“, erklärt Nurhan Brune, Leiterin des für den Stadtteil zuständigen Polizeikommissariats Hannover-Limmer. „Aber bekanntermaßen endet die Freiheit des Einzelnen dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt“, sagt die Polizeioberrätin und verdeutlicht das Ziel im Stadtteil: Die Interessen aller in Einklang zu bringen.

Dr. Axel von der Ohe, Erster Stadtrat und Finanz- und Ordnungsdezernent der Landeshauptstadt Hannover: „Es geht darum, die Balance zwischen der Freizeitnutzung im öffentlichen Raum und den Interessen der Anwohnerinnen und Anwohner wiederherzustellen. Dafür wollen wir auch neue Wege beschreiten, unkonventionelle Ansätze ausprobieren und uns insgesamt als Team aufstellen. Mit der Polizei, dem Reinigungsunternehmen Aha und dem Kollektiv 17 haben wir starke Partnerinnen und Partner an unserer Seite.“

Das Pilotprojekt „Limmernlichter“ des Kollektivs 17 will mit den vorwiegend jungen Nutzerinnen und Nutzer wie auch den Anwohnenden ins Gespräch kommen, um unterschiedliche Perspektiven auf die Nutzung des öffentlichen Raums zu vermitteln. Dieser soll zum einen als Ort des sozialen Miteinanders erhalten werden. Zum anderen sollen für eine verträgliche Nutzung die Rücksichtnahme und das Verantwortungsbewusstsein für den öffentlichen Raum gestärkt werden. „Dieses proaktive, kommunikative Konfliktmanagement zeigt bereits in anderen Städten, dass eine Verbesserung eintreten kann“, so Philip Hellberg und Finn Derben vom Kollektiv 17.

Um gegen die Müllproblematik vorzugehen, wurden die Intervalle der Reinigung der Grünflächen am Küchengarten angepasst, außerdem sind noch im April auf der Limmerstraße und dem Küchengarten im Rahmen von Aktionen des Reinigungsunternehmens Aha und dem Kollektiv 17 Pizzamülleimer und Bodenhinweise zu den Behältnissen sowie sogenannte Flexi-Care-Bleche geplant.

Zur Vermeidung von Lärmbelästigung sind ebenfalls vielfältige Maßnahmen vorgesehen. So hat die Landeshauptstadt gemeinsam mit der Polizei eine Handreichung für den Umgang mit Bluetooth-Boxen erarbeitet, die den Einsatzkräften vor Ort ein einheitliches Vorgehen aufzeigt. Wird nach einer Verwarnung die Box ab 24 Uhr nicht abgeschaltet, wird sie eingezogen und kann nur gegen eine Gebühr „ausgelöst“ werden. Dieses Vorgehen wird nach etwa vier Wochen evaluiert. Im Bedarfsfall erlässt die Landeshauptstadt eine Allgemeinverfügung für einen begrenzten Bereich.

Die Schaffung alternativer Orte für junge Menschen ist ein mittelfristiger und länger zu planender Baustein des städtischen Handlungskonzeptes. Gemeinsam mit dem Eventmanagement, dem Fachbereich Umwelt und Stadtgrün sowie dem Kollektiv 17 wurden Flächen in den Blick genommen, die für eine Entzerrung und Entlastung der hochfrequentierten Straßen und Plätze in Linden-Nord sorgen sollen. In einem nächsten Schritt werden in diesem Sommer drei bis vier Flächen gezielt bespielt und auf ihre Nutzbarkeit und Attraktivität für Nutzerinnen und Nutzer erprobt.

Dass sich der Stadtteil Linden-Nord so großer Beliebtheit erfreut, hat mehrere Gründe: Neben vielfältigen Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten, ist das Quartier auch von einer hohen Toleranz für alternative Lebensentwürfe geprägt. Das friedliche und diverse Zusammenleben auf engem Raum spiegelt sich auch in einer vergleichsweise niedrigen Kriminalitätsrate wider- und das trotz steigender Frequentierung: Seit Jahren sind Straftaten wie Rohheits- und Raubdelikte in diesem Bereich rückläufig. „Linden-Nord ist in keinster Weise ein Kriminalitätsschwerpunkt“, betont Nurhan Brune. Es häuften sich in den vergangenen Jahren Beschwerden wegen Ruhestörungen, Vermüllung oder Sachbeschädigungen und damit erhöhte sich die Aufmerksamkeit für die Kriminalität vor Ort. Es entstand über einzelne herausragende Straftaten der Eindruck einer Kriminalitätszunahme, obwohl die Straftaten im Gegenteil sogar abnahmen und auch nicht gewalttätiger wurden. Diesem Eindruck wollen die Landeshauptstadt und die Polizei nun noch stärker entgegenwirken und dabei Belastungen für Anwohnende reduzieren.

Fortan werden Polizei und städtischen Ordnungsdienstes vor allem in den Wochenendnächten und den beliebten Örtlichkeiten in gemeinsamen Streifen vor Ort präsent sein und für die Anwohnenden stets ansprechbar sein. Die Einsatzkräfte setzen dabei zunächst auf Sensibilisierung und Deeskalation, werden bei fehlender Einsicht jedoch auch konsequent einschreiten und Verstöße ahnden, um die Verursachenden mit ihrem konkreten Fehlverhalten direkt zu konfrontieren und etwaige Störungen zu beenden. So soll das Sicherheitsgefühl gestärkt und die Interessen der Menschen im Quartier in Einklang gebracht werden.

Im Rahmen der Netzwerkarbeit wird unter anderem der Kontaktbereichsdienst der Polizei enge Kontakte zu Betroffenen von Unordnungszuständen aufbauen und pflegen. Damit zusammenhängend sollen entsprechende Beschwerden niedrigschwellig bearbeitet werden.

„Wir wollen den Stadtteil für alle attraktiv, offen und lebenswert halten und appellieren deswegen schon jetzt insbesondere an die Feierwilligen, Rücksicht auf andere zu nehmen und das eigene Verhalten an die jeweilige Örtlichkeit und Uhrzeit anzupassen“, erklärt Nurhan Brune. „Wenn sich alle an diese Grundsätze des Miteinanders halten und Polizei und Ordnungsdienst nur selten einschreiten müssen, dann wäre das ein großer Erfolg für Linden-Nord.“

Bildquellen:

  • Limmerstraße: www.hannover-entdecken.de