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Anwohnerparkzonen Südstadt – Ein kleiner Schritt zur Verkehrswende

„1622 Euro im Jahr? Anwohner in Hannovers Südstadt protestieren gegen geplante Parkzonen“, schreibt die HAZ. Wieder ein reißerischer Artikel auf BILD Niveau.

In der Langensalzastraße soll sich Protest gegen die geplanten Anwohnerparkzonen in der Südstadt regen. Dort sollen neben Parkflächen für Anwohner auch kostenpflichtige Parkplätze mit Parkscheinregelung entstehen. Eine Anwohnerin hat nun ausgerechnet, das sie 1622 Euro im Jahr zahlen müsste, wenn sie dort kostenpflichtig ihren Wagen abstellen würde. Zusätzlich kämen noch die 30,70 Euro im Jahr für den Anwohnerparkausweis hinzu.

Soviel zum HAZ+ Artikel. Jetzt die richtigen Fakten zu den Anwohnerparkzonen.

Generell soll es drei Anwohnerparkzonen im Bereich der Südstadt angelegt werden. Laut einer Anwohnerinformation vom Juni 2020 wird der Sachverhalt für den Bereich zwischen Maschsee, Willy-Brandt-Allee und Geibelstraße detailliert dargelegt.

In den innerstädtischen und stadtkernnahen Wohn- und Mischgebieten der Landeshauptstadt Hannover konkurrieren Einwohner*innen, im Gebiet Beschäftigte, in der Innenstadt Beschäftigte, Kunden*innen, Besucher*innen, Dienstleister*innen und Lieferant*innen um den begrenzten öffentlichen Parkraum. Teilweise kommen noch Nutzungsansprüche durch Veranstaltungsverkehre hinzu. Dies ist insbesondere in den maschseenahe gelegenen Bereichen der Südstadt der Fall und für einige Bewohnerinnen schon seit Ja ein großes Ärgernis.

Wenn die Zahl der parkplatzsuchenden Fahrzeuge die Zahl der verfügbaren Parkplätze übersteigt führt dies meist zu einem erhöhten Parksuchverkehr und damit zu erhöhten Lärm- unc Umweltbelastungen. Maßnahmen des Parkraummanagements können die Nachfrage nacf Stellplätzen lenken, den Parksuchverkehr reduzieren, die Verkehrssicherheit erhöhen und für weniger Lärm und bessere Luft sorgen, Sie sind ein Beitrag zur Verkehrswende, möglichst begleitet von Maßnahmen, die das Zufußgehen, Fahrradfahren und die Nutzung des offentlichen Verkehrs attraktiver gestalten. Zu diesem Parkraummanagement gehört das Einführen von Bewohnerinnenparken, welches durch Verdrängung des Fremdverkehrs aus den stadtkernnahen Wohn- und Mischgebieten insgesamt eine positive verkehrliche Wirkung auch auf den zuführenden Hauptverkehrsstraßen erzielen kann.

Wo liegen nun die im Artikel genannten Probleme?

Die Langensalzastraße soll in mehrere Bereiche aufgeteilt werden. Zwichen Willy-Brandt-Allee und Planckstraße sind nur noch Parkplätze mit Parkschein vorgesehen. Im weiteren Verlauf wird das Mischprinzip angewandt und die Heinrich-Kümmel-Straße, Lemförder Straße und der Bereich des kleinen Platzes sind ausschließlich für Bewohner reserviert.

Was sind die Parkordnungssysteme Mischprinzip/Trennprinzip/Parkscheinregelung

Anwohnerinfo Parkzone GA

Anwohnerinfo Parkzone GA

  • Trennprinzip: nur Bewohnerinnen mit Parkausweis, keine Besucherinnen
  • Mischprinzip: Parken für alle zulässig, Bewohnerinnen mit Bewohnerinnenparkausweis kostenlos, Besucherinnen gegen Parkschein (die zulässige Höchstparkdauer ist nur von Besucherinnen zu beachten)
  • Nur Parkscheinregelung: Parken für alle zulässig gegen Parkscheingebühr (auch Bewohnerinnen können hier in den Zeiten, in denen eine Parkscheinpflicht besteht, nur gegen Gebühr parken)

Wenn man nun im ersten Teil der Langensalzastraße wohnt, kann man dort von 9 bis 17 Uhr an Wochentagen und von 9 bis 13 Uhr am Samstag nur mit einem Parkschein parken. Diese Regelung betrifft einen Bereich von 160 Metern. Dafür sind in den Querstraßen fast 80 Parkplätze ausschließlich für Anwohner reserviert. Im weiteren Verlauf der Langensalzastraße gibt es noch mal fast 50 Parkplätze mit Parkscheinregelung, die aber von den Anwohnern kostenlos genutzt werden können.

Wenn Anwohnerin Alicia Bruns, wie im Artikel der HAZ steht, nun meint sie müsse ihr Auto unbedingt auf den 160 Metern direkt vor ihrem Haus abstellen, dann werden dafür wohl tatsächlich 1622 Euro im Jahr fällig.

Deshalb seien die Anwohner „gezwungen, in Zukunft vermehrt auf das Auto zurückzugreifen, um zu unseren Arbeitsstätten zu gelangen, da wir dort kostenlos parken können“, schreiben sie.

Die Anwohnerparkzonen in der Südstadt sind ein erster kleiner Schritt zur Verkehrswende

Die Problematik des Klimawandels und der Versuch, eine Verkehrswende herbeizuführen, scheinen noch nicht in den Köpfen der Anwohner angekommen zu sein. In einer Innenstadtlage wie dort braucht es in der Regel kein eigenes Auto. Die Buslinien 100, 200 und 800 halten direkt vor der Tür. Die Buslinie 120 und der Stadtbahnverkehrsknotenpunkt Aegi sind fußläufig erreichbar. Wenn doch mal ein Auto gebraucht wird, sind jetzt bereits CarSharingStationen von Stadtmobil und Greenweels in der Maschstraße und vor dem Neuen Rathaus zu finden.

Der Protest der Anwohner erscheint in dem Sinne eher nach dem Motto „Klimaschutz und Gewinn an Lebensqualität gerne, aber bitte nicht bei mir“!

 

Bildquellen:

  • Langensalzastraße: www.hannover-entdecken.de
  • Anwohnerinfo Parkzone GA: Stadt Hannover - Fachbereich Tiefbau