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Erste Deportation von Juden aus Hannover

Noch vor der Wannseekonferenz wurden am 15. Dezember 1941 die ersten 1001 Juden aus Hannover nach Riga deportiert. Bis 1945 mussten so in acht Transporten mindestens 2400 Menschen die Stadt verlassen, von denen wenige überlebten. Organisiert hatte die Deportationen der Juden und die „Arisierung“ von Kunst- und Kulturgütern der Stadtbaurat Karl Elkart. Von den etwa 4800 Juden, die 1938 in Hannover lebten, gab es keine hundert mehr, als am 10. April 1945 Truppen der US-Armee in die Stadt einrückten. Heute erinnern an die Judenverfolgung in Hannover ein Mahnmal am Opernplatz und über 400 Stolpersteine (2018), die im Gehweg vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern von NS-Opfern verlegt sind. In Ahlem wurde 1987 auf dem Gelände der ehemaligen Israelitischen Gartenbauschule eine Mahn- und Gedenkstätte eingerichtet.

Ab 1933 wurden die Juden unter Ausnahmerecht gestellt. Unter Stadtbaurat Karl Elkart kam es zu Arisierungen, Ausweisung und Verfolgung, wodurch die Jüdische Gemeinde Hannover vernichtet wurde. Von den etwa 4.800 Juden, die Hannover 1938 zählte, entschieden sich viele schon rasch für die Emigration. Nach Karl Elkart war die Elkartallee im Stadtteil Südstadt benannt. Am 5. Januar 2015 wurde die Straße in Hilde-Schneider-Allee umbenannt.

Hilde Schneider

Hilde Schneider, eine evangelische Christin jüdischer Herkunft, geboren in Hannover am 12. November 1916, galt nach der Definition der Nazis als „Volljüdin“. Am 2. Januar 1935 trat Hilde Schneider ihren Dienst als Vorprobeschwester im Henriettenstift an. 1936 wurde sie nach der Probezeit als Novizin eingeführt. Wäre sie Novizin geblieben, hätte Hilde Schneider 1940 ihr Krankenschwesternexamen gemacht. Im Oktober 1940 begann Hilde Schneider ihre Ausbildung im Jüdischen Krankenhaus. Am 15. Dezember wurde Hilde Schneider mit tausend Jüdinnen und Juden aus Hannover nach Riga deportiert. Sie überlebte das Ghetto Riga und die Konzentrationslager Thorn und Kaiserwald, kehrte nach der Zerschlagung der Nazi-Herrschaft nach Deutschland zurück und studierte trotz haftbedingter gesundheitlicher Schäden Theologie und wirkte in ihrem Berufsleben als Seelsorgerin für so genannte Randgruppen, zuletzt als Gefängnisseelsorgerin.

Hilde Schneider ist im Januar 2008 gestorben.

Bildquellen:

  • Kalenderblatt: www.hannover-entdecken.de