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Fössefeldfriedhof

Fössefeldfriedhof

Fössefeldfriedhof

Der Fössefeldfriedhof im Stadtteil Limmer, auch Stadtfriedhof Fössefeld oder Garnisonsfriedhof genannt, ist ein im 19. Jahrhundert angelegter ehemaliger Militärfriedhof. Die denkmalgeschützte Friedhofsanlage, mit einer Fläche von rund 1,3 Hektar, liegt zwischen Friedhofstraße, Limmerstraße und der Fösse.

Der Stadtfriedhof Fössefeld in Limmer, seit 1868 der ehemalige Militärfriedhof Hannovers, ist vermutlich eine der unbekanntesten Grünflächen in Hannover. Zu unrecht. Denn der Friedhof hat einige Überraschungen zu bieten. Auf dem Friedhof wurden nicht nur Soldaten des 1. und 2. Weltkrieges sowie später auch Privatpersonen beerdigt, sondern ebenfalls Deserteure, Wehrkraftzersetzer und durch Suizid aus dem Leben geschiedene Wehrmachtsoldaten. Auch ca. 300 Soldaten der Alliierten waren hier zeitweilig beigesetzt. Die zahlreichen Kriegergräber und Ehrenmale machen ihn auf jeden Fall zu einem der historisch interessantesten Friedhöfe in Hannover.

Geschichte

Damals als „Garnisonsfriedhof“ benannt wurde der Friedhof 1865 in Limmer eröffnet. Ein Jahr, bevor das Königreich Hannover nach der Schlacht bei Langensalza von Preußen als Provinz vereinnahmt wurde. Erstmals gesamtdeutsche Bedeutung erhielt er als Begräbnisstätte für Gefallenen des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 aus der Garnison Hannover. Für die kirchliche Betreuung war ab 1896 die neu errichtete Garnisonskirche am Goetheplatz zuständig.

Auch im und nach dem ersten Weltkrieg fanden viele Gefallene in Limmer ihre letzte Ruhestätte. Die Sterbedaten reichen bis weit in die 1920er Jahre. Hierbei wird es sich um Schwerverwundete und Versehrte gehandelt haben, die noch Jahre nach Ende des Krieges in umliegenden Lazaretten behandelt wurden und dort verstorben sind. Auch etwa 150 kriegsgefangene russische Soldaten und über dreißig Tote des Commonwealth wurden hier erstbestattet. Letztere sind bald umgebettet worden. Die Gräber der russischen Toten hat man während des Zweiten
Weltkrieges eingeebnet. Bekanntester Name aus dieser Zeit ist der Generalmajor Paul Ludendorff (1860-1934). Der Reiteroffizier war der Cousin des bekannten Generals Erich Ludendorff der später zu den Wegbereitern Hitlers zählt.

In den 1930er Jahre lautete die offizielle Bezeichnung dann „Militärfriedhof“. Während des zweiten Weltkriegs erhöhte sich wieder Mal die Anzahl der Soldatengräber. Es dürfte es sich auch im 2. Weltkrieg in vielen Fällen um Verstorbene aus den hannoverschen Lazaretten gehandelt haben, die nicht in ihre Heimatorte überführt worden sind. Neben den 305
Wehrmachtssoldaten wurden hier auch mindestens 268 ausländische Kriegstote beigesetzt. Dabei handelte es sich vor allem um Angehörige der britischen Luftwaffe, amerikanischen
Army Air Force sowie Franzosen, Italiener und Belgier. Nach Kriegsende wurden diesen Kriegsopfer zumeist in die Heimat überführt oder auf den Englischen Friedhof in Ahlem umgebettet.

Darüber hinaus wurden hier mindestens 43 Wehrmachtssoldaten beerdigt, die von der NS-Militärjustiz verurteilt und als Fahnenflüchtige und sogenannte Wehrkraftzersetzer hingerichtet wurden. Gegen die Soldaten, die den Unrechtskrieg nicht (weiter) mittragen wollten sowie gegen die wegen „Kriegsverrat“ Verurteilten gingen die Nationalsozialisten besonders gnadenlos vor. Auf dem Fössefeldfriedhof waren ebenfalls 22 durch Suizid verstorbene Wehrmachtssoldaten beerdigt.

Mehr zur Geschichte des Friedhofes ist im Lindenspiegel zu lesen:

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Friedhof als ehemaliger Militärfriedhof weiterhin von staatlichen Stellen verwaltet. 1971 wurde das Bestattungswesen bis auf wenige Ausnahmen eingestellt, so dass hier nur noch ganz vereinzelt Beisetzungen in Familiengrabstätten stattfinden. Wegen der Vielzahl anerkannter Kriegsgräber, die mit einem ewigen Ruherecht versehen sind, wird der Stadtfriedhof Fössefeld als Kriegsgräber-Gedenkstätte erhalten.

Am 9. Mai 2015 wurde auf dem Stadteilfriedhof Fössefeld ein Denkmal und eine Informationstafel enthüllt, die an die Soldaten des zweiten Weltkrieges erinnern soll, die wegen Desertion, „Kriegsverrats“ oder sogenannter Wehrkraftzersetzung verurteilt und in Hannover hingerichtet wurden.

www.deserteure-hannover.de
www.frieden-hannover.de

Denkmal „Ungehorsam 1933-1945“

Denkmal „Ungehorsam“ von Almut und Hans-Jürgen Breuste

Denkmal „Ungehorsam“ von Almut und Hans-Jürgen Breuste

Das Denkmal ist den Soldaten des Zweiten Weltkriegs gewidmet, die wegen Desertion, Kriegsverrat, Sabotage oder sogenannter Wehrkraftzersetzung in Hannover hingerichtet wurden.

Ein Schicksal unter vielen: Auf dem Friedhof liegt auch Hubert Breitschaft begraben, ein Lehrer aus Cham, der sich nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 gegenüber einem Kameraden in Rumänien wie folgt äußerte: „Schade, dass es ihn nicht erwischt hat! Der Kerl hat schon zu viele ins Unglück gestürzt.“ Im anschließenden Kriegsgerichtsverfahren plädierte sein Verteidiger auf Affekthandlung im Zorn, jedoch verurteilte das Feldgericht Breitschaft am 2. August 1944 wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode. Zwei Gnadengesuche wurden abgelehnt und die Vollstreckung angeordnet.
Wehrkraftzersetzung war die Bezeichnung für einen mit Todesstrafe bedrohten Straftatbestand im nationalsozialistischen Deutschland. Zu den aufgeführten Tatbeständen gehörten Kriegsdienstverweigerung oder defätistische Äußerungen, wobei die sehr weit gefasste Formulierung im Gesetz eine extensive Auslegung ermöglichte. Hubert Breitschaft wurde mit 41 Jahren am 12. Dezember 1944 in Hannover erschossen.

Die Geschichte von Hubert Breitschaft steht stellvertretend für die Geschichten von mindestens 43 Soldaten, die aufgrund ihres Widerstands gegen das NS-Regime hingerichtet wurden und auf dem Friedhof begraben liegen. An diese Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz erinnert auf dem Fössefeldfriedhof seit dem 9. Mai 2015 das Denkmal „Ungehorsam 1933-1945“ von Almut und Hans-Jürgen Breuste.

Frühlingsblüte

Ein besonderes Highlight bietet der Friedhof zur Blütezeit im Frühjahr. Im Laufe des April sind die weißen Blüten der Bäume ein wunderbarer Anblick.

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